Banker: Jeder Zehnte verlässt freiwillig die Branche

20.08.2014 |  Von  |  Finanzen
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Banker: Jeder Zehnte verlässt freiwillig die Branche
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Die Finanzbranche hatte in den letzten Jahren unter einem massiven Prestigeverlust zu leiden. Im Zuge der Auswirkungen der Krise strukturierten zudem viele Banken um. Für ihre Angestellten blieben diese Entwicklungen nicht folgenlos. Viele leiden unter dem wachsenden Druck und sehen nur noch wenig Sinn in ihrer Arbeit. Das Resultat besteht bei vielen Instituten in einem Exodus der Mitarbeiter. Auf lange Sicht könnte das im Bankensektor zu Problemen führen.

Noch bis weit nach der Jahrtausendwende sah die personelle Situation der Branche anders aus. Viele talentierte Berufsanfänger sahen in einer Karriere als Banker ihren Traumjob. Als Motiv dafür spielten hohe Gehälter und zum Teil noch höhere Boni nicht die grösste Rolle. Eine Bankkarriere eröffnete mit spannenden Aufgaben, Auslandsjobs und renommierten Kunden den Kandidaten oft das Tor zur Welt. Die Trendwende kam zuerst unmerklich, bis das Prestige der Banker in und nach der Krise schliesslich völlig kippte.

Desillusionierung und Prestigeverlust

Die beiden Schweizer Grossbanken Credit Suisse und UBS weisen das Debakel in ihren Geschäftsberichten aus: 2013 verliess jeder zehnte Angestellte freiwillig seinen Job. Mehrheitlich wechselten sie in andere Branchen. Unzufrieden mit ihrer Arbeit ist offensichtlich eine deutlich grössere Zahl der Mitarbeiter. Eine Umfrage des Branchenportals „Finews“ weist aus, dass 31 % der Schweizer Banker Berufsanfängern davon abraten würden, eine entsprechende Karriere anzustreben.

Die Desillusionierung zieht sich über alle Ebenen der internen Hierarchien. Sicher spielen bei dem aktuellen Exodus im Banking zum Teil auch individuelle Gründe eine Rolle. Vielen Mitarbeitern machen jedoch vor allem die diversen Sparprogramme sowie der schlechte Ruf der Banken in der Öffentlichkeit zu schaffen.

Personalabbau und hoher Arbeitsdruck

Die Situation bei Credit Suisse und UBS dürfte für die Branche exemplarisch sein. Offiziell sprechen die Institute zwar kaum darüber, inoffiziell sind jedoch durchaus kritische Stimmen zu vernehmen. Zum einen sind die Anforderungen in einigen Bereichen – beispielsweise in der Vermögensverwaltung, im Investmentbanking oder in der IT – bei insgesamt geringeren personellen Ressourcen deutlich angestiegen. Eine Analyse des Portals „Financial Careers“ kommt zu dem Schluss, dass viele Mitarbeiter unter hoher Arbeitsbelastung, geringeren Beförderungschancen, der gewachsenen internen Konkurrenz sowie öffentlichen Gehässigkeiten zu leiden haben.

Gerade in der sicherheitsbewussten Schweiz gestaltet sich der Ausstieg für viele Wechselwillige nicht einfach. Der Berner Journalist und Buchautor Mathias Morgenthaler hat neben Vertretern anderer Berufe auch Ex-Banker während der Entscheidungsfindung oder ihres beruflichen Neustarts porträtiert. Dem „Mut, loszugehen“ standen anfangs oft massive Ängste – vor finanzieller Unsicherheit, Statusverlust und auch dem antizipierten Scheitern – gegenüber.

Studienabgänger präferieren andere Branchen

Für die Banken könnte der Trend zum Ausstieg zumindest in einigen Bereichen langfristig problematisch werden. Die Baseler Dependance des Beratungsunternehmens Universum veröffentlicht jedes Jahr ein Ranking der unter Studienabgängern beliebtesten Schweizer Arbeitgeber: Traditionell besetzen die Credit Suisse und UBS die beiden ersten Ränge dieser Liste, inzwischen liegen jedoch Google Switzerland und Nestlé vorn. Auch andere Arbeitgeber – beispielsweise die Bundesverwaltung, die SBB oder Strategieberatungen – holen gegenüber den Schweizer Banken auf, da sich laut Universum viele Hochschulabsolventen sowohl Arbeitsplatzsicherheit als auch eine gute Balance von Arbeit und Privatem wünschen.

 

Oberstes Bild: © Maryna Pleshkun – Shutterstock.com


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