Credit Suisse und UBS – Bedrohung für die Finanzwelt?

11.08.2014 |  Von  |  News
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Credit Suisse und UBS – Bedrohung für die Finanzwelt?
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Ein Kollaps grosser und global aktiver Banken dürfte auch in Zukunft schwere Folgen für Wirtschaft und Finanzmarkt haben. Die US-Finanzaufsicht hat sich aus diesem Grund die Notfallpläne von elf Banken ein weiteres Mal genauer angesehen – mit insgesamt negativem Fazit. Auch auf die Credit Suisse und die UBS kommen „Hausaufgaben“ zu: Von der US-Notenbank FED und der Einlagensicherung FDIC bekamen beide Schweizer Institute schlechte Noten. Kommentiert haben sie den offiziellen Rüffel bisher nicht.

Im Falle einer Insolvenz sollen die sogenannten Testamente (Living Wills) der Banken sicherstellen, dass die Abwicklung möglichst reibungslos verläuft. Aus Sicht der US-Aufsichtsbehörden stecken die Papiere jedoch häufig voller Mängel. Daher wurden die elf aktuell überprüften Institute jetzt zu entsprechenden Überarbeitungen aufgefordert. Die beanstandeten Mängel wurden den Banken in Form von Detailauflistungen mitgeteilt.

Abwicklungsszenarien – weder adäquat noch realistisch?

Die grundsätzliche Kritik der US-Behörden bezieht sich darauf, dass die Annahmen der Banken für die Abwicklungsszenarien weder adäquat noch realistisch seien. Dies betreffe beispielsweise die Prognosen für das Verhalten von Gegenparteien, Kunden oder Investoren in einem Krisenfall. Zudem hätten die Institute bisher keine Änderungen in ihren Firmenstrukturen auf den Weg gebracht. Das Ziel der Behörden besteht demgegenüber darin, den Banken „weniger komplexe“ juristische Strukturen vorzuschreiben, um im Falle von wirtschaftlichen Schieflagen eine möglichst komplikationslose Abwicklung zu garantieren.

Überarbeitungsfrist bis 2015

Die Testamente werden durch die US-Bankenaufsicht als eine Reaktion auf die letzte Finanzkrise eingefordert, um ein Debakel wie den Zusammenbruch der New Yorker Investmentbank Lehman Brothers, der im September 2008 zum unmittelbaren Auslöser der Krise wurde, möglichst zu verhindern. Die ersten Pläne dieser Art wurden 2012 von den Banken eingefordert. Die jetzt abgemahnten Institute haben nun bis 2015 Zeit, revidierte Unterlagen abzugeben. Die Schweizer Börse beantwortete die Kritik aus den USA mit Gelassenheit. Die Aktienkurse der Credit Suisse und der UBS haben sich daraufhin kaum verändert.

Credit Suisse und UBS haben neue rechtliche Strukturen bereits angekündigt

Die Frage ist auch, ob die US-Behörden derzeit nicht überreagieren. Möglicherweise brauchen die Banken für die Ausarbeitung ihrer Notfallpläne schlicht mehr Zeit. Die UBS hatte erst im Mai 2014 in ihrem ersten Quartalsbericht des Jahres die Schaffung neuer und krisenfesterer rechtlicher Strukturen angekündigt. Noch in diesem Jahr will sie eine Gruppen-Holding gründen, welche die Abspaltung systemrelevanter Geschäftsbereiche künftig erleichtern soll. Bereits im vergangenen Herbst hatte die Credit Suisse wissen lassen, dass sie die Rechtsstruktur der Gruppe mit Blick auf die globale Abwicklungs- und Sanierungsplanung ändern wird. Das Institut will die Komplexität seiner operativen Infrastruktur unter anderem durch die Gründung einer eigenständigen Schweizer Tochter reduzieren. Die Realisierung der wichtigsten Bestandteile des Programms soll laut der damaligen Ankündigung Mitte 2015 erfolgen.

 

Oberstes Bild: © Pincasso – Shutterstock.com


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