New Work – tausendfach gelobt, aber kaum zu finden

13.08.2014 |  Von  |  Allgemein, Organisation
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New Work – tausendfach gelobt, aber kaum zu finden
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Es ist das Schlagwort der Arbeitswelt zu Beginn des 21. Jahrhunderts: New Work. Fast in aller Munde, immer wieder neu beschworen, hochgelobt, aber doch kaum gelebt, gerät die Begrifflichkeit der neuen Arbeit zunehmend in eine belächelte Nische und wird dennoch als die Form der Arbeit im 21. Jahrhundert hofiert.

Was wirklich hinter New Work steckt, ist dabei vielen Beschwörern der neuen Gestaltung von Arbeitswelten genauso fremd wie etwa die tatsächlichen Eigenschaften, die die sogenannte Generation Y vor allem in die Führungsetagen einbringen soll. Zeit, eine Diskussion anzustossen, ob New Work und Generation Y wirklich die Heilsbringer der Ökonomie des 21. Jahrhunderts sein können.



Wo ist New Work?

Wo geografisch betrachtet New York liegt, weiss fast jeder. Spannender hingegen erscheint die Frage, wo New Work zu verorten ist. Für die meisten befindet sich New Work bislang ausschliesslich im Internet. Hier kursieren Schlagworte wie flexible Arbeit, Homeworking, Networking, Selbstverantwortung, partizipative Führung, Design Thinking, Fehlerkultur, flache oder keine Hierarchien und eine Menge anderer Verschlagwortungen, denen in der wirklichen Arbeitswelt allerdings bislang kaum wirkliches Leben eingehaucht worden ist.

Bestenfalls Teile dieses New Work etablieren sich schleichend in der realen Arbeitswelt, sind dort aber ebenso umstritten wie hinterfragt. Die reale Arbeitswelt gibt zumindest in den tatsächlich produzierenden Bereichen kaum den Raum für neue Selbstversuche her und bleibt damit weit hinter dem zurück, was das New Work schon seit einiger Zeit verspricht.

Auf die eingangs gestellte Frage, wo denn nun New Work zu verorten sei, gibt es derzeit nur eine Antwort: in den Gedankenspielen derer, die das System der Arbeit gern nachhaltig verändern wollen und sich dazu der Ressourcen des Internets bedienen. Vorerst bleibt New Work also im Internet zu Hause.



Wie eine Entwicklung beginnt

Naturgemäss ist es so, dass der Mensch bevorzugt, was ihm sicher erscheint. Das betrifft ohne Frage auch das Arbeitsleben. Ein sicherer Arbeitsplatz, ein berechenbares Einkommen und eine klare Strukturierung des Erwerbslebens bleiben die Favoriten in der Gestaltung der Lohnarbeit. Nur zögerlich wagen sich Menschen an Veränderungen, die durchaus auch Wirkungen auf die Sicherung ihrer Existenz haben. Das ist nur allzu verständlich.

Die wenigen wirklichen New Worker sind meist eine Spezies, die mit den Gepflogenheiten der regulären Arbeitswelt nicht zurechtkommt oder dort bereits gescheitert ist. Dann wird auch aus existenziellen Gründen nach neuen Arbeitsmodellen gesucht, die persönliche Interessen mit den Erfordernissen der existenzsichernden Erwerbsarbeit verbinden könn(t)en. Wer sich im Arbeitsleben in der vorgegebenen Form wohl und zu Hause fühlt, wird hier kaum nach tief greifenden Veränderungen suchen.

Und so beginnt die Entwicklung weg von der klassischen Arbeit hin zum New Work eben auch nur in einzelnen Köpfen. Wenige, meist kleinere Unternehmen probieren wirklich neue Wege aus und nur allmählich bekommen die üblichen neuen Schlagworte ein erkennbares Gesicht.

So beginnen aber die meisten Veränderungen, die einschneidende Wirkungen auf die Menschen haben können. Langsam, zögerlich, mit hohem Risiko und nicht immer erfolgreich – das ist der Weg der Veränderung.

Macht New Work Sinn? Diese Frage stellen sich vor allem Führungsverantwortliche, die mit den Ideen des New Work konfrontiert werden. (Bild: kaarsten / Shutterstock.com)

Macht New Work Sinn? Diese Frage stellen sich vor allem Führungsverantwortliche, die mit den Ideen des New Work konfrontiert werden. (Bild: kaarsten / Shutterstock.com)

Macht New Work Sinn?

Diese Frage stellen sich vor allem Führungsverantwortliche, die mit den Ideen des New Work konfrontiert werden. Dabei kommt es durchaus auch darauf an, mit welchem Bereich des New Work sich solche Entscheider auseinandersetzen. Während Homeworking und Coworking in vielen Fällen durchaus denkbar sind und bereits erfolgreich praktiziert werden, erscheint ein Totalverzicht auf Hierarchien in Unternehmen eher illusionistisch. Denn letztlich spiegeln Hierarchien doch nur die Struktur eines Unternehmens und nicht die wirklichen Entscheidungswege wider. Strukturlose Unternehmen laufen allerdings Gefahr, am Markt zu versagen, da hier wichtige Entscheidungen aus Bedenken vor eventuell negativen Folgen am liebsten gar nicht getroffen werden.

Meine Antwort zur New-Work-Sinnfrage ist relativ simpel. New Work macht dort Sinn, wo der Rezipient einer Leistung mit dieser Form der Arbeit auch wirklich in seinen Bedürfnissen befriedigt werden kann. Allerdings lässt eine solche Antwort natürlich offen, in welchen Bereichen New Work Sinn macht. Mit Sicherheit nicht in jedem Bereich und auch nicht in jedem wirtschaftlich agierenden Unternehmen.



Gesetze und Gesellschaft hinken dem New Work hinterher



Betrachtet man das, was viele unter New Work verstehen, einmal aus der einfachgesetzlichen Sicht, dann lassen sich viele Bestrebungen innerhalb der New-Work-Bewegung derzeit gar nicht umsetzen. Arbeitsgesetze und steuerliche Aspekte stehen solchen Bestrebungen oftmals konträr gegenüber. Wie beispielsweise soll die Arbeit eines wissenschaftlichen Mitarbeiters bewertet werden, wenn dieser nicht mehr im Betrieb erscheinen muss und seine Arbeit nach Lust und Laune im Homeoffice ausführt? Gibt es hier klare Leistungsvorgaben und abrechenbare Ergebnisse? Eine rein stundenbezogene Bezahlung und die entsprechende Regelung von Arbeitszeiten und Urlaubszeiten bleiben da wohl doch vorerst sinnvoller und auch rechtlich weniger angreifbar.

Selbst die Gesellschaft ist wie die Gesetzgebung für viele New-Work-Ideen in keinster Weise gereift. Die gesellschaftliche Anerkennung von Arbeit kommt bislang vor allem bei jenen an, die tatsächlich ein Unternehmen zur Lohnarbeit aufsuchen und dort am Wertschöpfungsprozess beteiligt sind. Homeworker werden dagegen oftmals eher als Faulpelze bewertet, zumal der Eindruck entsteht, diese Vertreter der New-Work-Generation arbeiten nur dann, wenn sie Lust dazu haben.

Wenn New Work im gesellschaftlichen Leben verortet und anerkannt werden soll, dann muss die Gesellschaft selbst, inklusive all ihrer Strukturen, zu dieser neuen Form der Arbeit bereit sein. Und genau das ist sie derzeit nicht.



 

Oberstes Bild: © Ollyy – Shutterstock.com



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Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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