Das Interview – mit einer exzellenten Vorbereitung, Flexibilität und Respekt zum gewünschten Ziel

06.06.2014 |  Von  |  Kommunikation, Organisation
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Das Interview – mit einer exzellenten Vorbereitung, Flexibilität und Respekt zum gewünschten Ziel
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Das Interview ist eine eigene Stilform im Journalismus. Es ist aber auch ein Recherchemittel, mit dem im Frage-und-Antwort-Spiel Informationen gewonnen und gesammelt werden, die wiederum in die öffentliche Berichterstattung in Form einer Nachricht, eines Berichtes, einer Reportage, eines Kommentars oder auch einer Glosse einfliessen.

Die enge Verknüpfung des Interviews mit der Person des Interviewers



Im Journalismus gibt es drei verschiedene Arten von Interviews, die nach ihren Inhalten differenziert werden. So können sich Interviews auf eine Sache oder einen Sachverhalt konzentrieren oder auch auf eine bestimmte Person; oder sie werden geführt, um im Rahmen eines Meinungsinterviews eine Meinung abzufragen. Beim Interview zu einer Sache geht es darum, durch gezieltes Fragen Informationen und Fakten zu einem bestimmten Sachverhalt zu erhalten, während beim Interview zur Person der Befragte im Mittelpunkt steht. Bei einem Meinungsinterview ist das Informationsziel darauf gerichtet, den Befragten zu einem bestimmten Ereignis oder zu einem konkreten Sachverhalt hinsichtlich seiner persönlichen Einschätzung zu befragen.

Tatsächlich ist das Interview die wohl schwierigste journalistische Stilform, da sie ein hohes Mass an Erfahrung und Sensibilität voraussetzt. Ein Interviewer muss die Fragetechniken ebenso beherrschen wie die Facetten und Spielarten der Kommunikation. Die Art und Weise, wie ein Journalist ein Interview führt, ist auch abhängig von seinem persönlichen Anspruch an ethische und moralische Grundsätze und seiner Fähigkeit, auf der Grundlage von Respekt und Vertrauen im Zusammenspiel mit den kommunikativen Instrumentarien das gewünschte Ziel zu erarbeiten.

Fragen will gelernt sein – vom Allgemeinen zum Besonderen

Die Fragen eines Interviewers orientieren sich bildlich an der Beschaffenheit eines Trichters. Begonnen wird mit allgemeinen Fragen, die sich zielgerichtet immer mehr den Einzelheiten, also der Person oder dem Kern einer Sache, immer mit Blickrichtung auf das eigentliche Informationsziel nähern. Es ist deshalb empfehlenswert, mit einer offenen Frage zu beginnen, die dem Interviewpartner Raum lässt für eigene und detaillierte Formulierungen. Hier geht es um das Warming-up, das Nervosität nimmt und eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre schafft. Die geschlossene Frage kommt zum Zug, wenn Sie als Interviewer das Gespräch in eine bestimmte Richtung lenken möchten, um zu einem bestimmten Punkt detailliertere Informationen zu erhalten.



Weitere Gestaltungsmöglichkeiten und Einflussnahme auf den Verlauf des Interviews bietet die Alternativ- oder Entscheidungsfrage, bei der zwei oder auch mehr Antwortmöglichkeiten vorgegeben werden, während es sich bei nur einer Antwortvorgabe um eine Bestätigungsfrage handelt. Sie dienen dazu, bestimmte Punkte oder einen Aspekt innerhalb des Interviews besonders hervorzuheben. Dann gibt es noch Fangfragen, die manchmal leicht unfair werden und die einmal geschaffene Vertrauensbasis nachhaltig beschädigen können. Wenn Sie als Interviewer das Gefühl haben, die entscheidenden Antworten noch nicht erhalten zu haben, müssen Sie nachbohren. Hier gilt allerdings: Je tiefer Sie bohren, umso freundlicher sollten Sie in der Wahl Ihres Tonfalles und Ihrer Worte sowie Ihres körperlichen Ausdrucks bleiben.

Was Sie als Interviewer vermeiden sollten



Es gibt einige Verhaltensregeln, deren Beachtung Ihre Professionalität als Interviewer unterstreicht. Ein Interview bedarf einer exzellenten und sorgfältigen Vorbereitung auf die befragte Person sowie auf den Inhalt und das Ziel des Interviews. Das Drehbuch zum Interview sollten Sie so verinnerlichen, dass Sie den roten Faden immer im Kopf beziehungsweise vor Augen haben. Das bedeutet nicht, dass Sie sich sprichwörtlich an das Konzept klammern, sondern dem Verlauf des Interviews eine gewisse Eigendynamik zubilligen, was flexibles Handeln erfordert. Stellen Sie präzise Fragen, die das Gegenüber auch versteht, was insbesondere für ungeübte Interviewpartner gilt, die möglicherweise mit einer gewissen Nervosität zu kämpfen haben. Stellen Sie deshalb auch immer nur eine Frage.



Sie als Interviewer haben während des gesamten Interviews die Aufgabe, nachzuhaken, Zusatzfragen zu stellen, mögliche Widersprüche aufzudecken und auf Lücken und Unklarheiten hinzuweisen. Das funktioniert allerdings nur, wenn Sie sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema oder der Person auseinandergesetzt und alle zur Verfügung stehenden Recherchequellen voll ausgeschöpft haben. Bei Radio- oder Fernsehinterviews ist es wichtig, die Geräuschkulisse auf die notwendigsten Geräusche zu reduzieren, um die Aufmerksamkeit des Publikums nicht zu mindern. Insoweit sind bestätigende oder kritisierende Laute und absichtlich hörbares Schnauben eher unerwünschte Nebengeräusche. Beenden Sie Ihr Interview niemals mit dem Satz „Und nun noch eine letzte Frage“. Tatsächlich können Sie nicht wissen, ob die Antwort auf diese Frage so zufriedenstellend ist, dass ein Nachfragen entbehrlich ist.

Würzen Sie Ihr Interview – mit diesen Tipps

Grenzen Sie unter Berücksichtigung der für das Interview zur Verfügung stehenden Zeit das Informationsziel ein und folgen Sie dem Motto: Je überschaubarer der Diskussionsstoff ist, umso reichhaltiger wird der Informationswert des Interviews. Das Interview ist immer eine künstliche Situation, in der Professionalität gefragt ist. Die professionelle Ansprache ist deshalb auch das distanzierte „Sie“. Das vermeintlich kumpelhafte „Du“ sollten Sie nur dann verwenden, wenn es die Situation erlaubt oder wenn Sie dem Zuhörer oder Zuschauer erklären, dass Sie den Gesprächspartner persönlich kennen und ihn bereits duzen.

Ein gutes Interview läuft immer auf eigenen Beinen und lässt nicht nur zwischen den Zeilen lesen, hören und spüren, ob eine geschilderte Situation ernst oder witzig ist. Vielen Fragestellern fällt es schwer, auch mal den Mund zu halten. Dabei geht es im Interview nicht darum, sich als Interviewer zu präsentieren und zu produzieren, sondern professionell Fragen zu stellen und dann einfach mal zuzuhören.



 

Oberstes Bild: © deviyanthi79 – Shutterstock.com


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