Energiespender und Energiefresser

03.03.2014 |  Von  |  Organisation, Selbstmanagement
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Energiespender und Energiefresser
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Auch wenn in der Schweiz und anderswo in Europa die Diskussion über ständig steigende Energiepreise immer wieder hochkocht, beschäftige ich mich hier nicht mit den Aufwendungen für Elektroenergie, Gas oder Treibstoffe. Vielmehr geht es in diesem Beitrag um die Energie, die uns selbst eigen ist, speziell um die Energiespender und die Energiefresser. Dabei greife ich auf umfangreiche Erfahrungen aus Kursen für Manager und Führungskräfte der unteren und mittleren Hierarchieebene zurück.

Was Führungskräfte antreibt



Persönlichkeiten mit Leitungsfunktion sind in mehrfacher Hinsicht besondere Menschen. Bereits in ihrer Biographie ist das Bestreben ersichtlich, in unterschiedlichen Gruppen eine Führungsposition einzunehmen. Wird dieses Streben nach Überordnung mit dem passenden Fundus an Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungen untermauert, erwächst daraus das Verlangen, auch im Beruf Leitungsfunktionen zu übernehmen.

Neben dieser besonderen Eigenschaft zeichnen sich Führungskräfte aber auch dadurch aus, dass sie zumindest dem ersten Anschein nach wahre Energiebündel sind. Entscheidungsfreude, eine unterschiedlich stark ausgeprägte Führungskraft und immer auch eine gute Portion Eigenwille charakterisiert die Führungskräfte von heute. Fragt man die Manager und Leiter aber danach, woher sie ihre Energie nehmen und was die grössten Energiezehrer sind, wird es ruhiger in der Runde. Selten haben Menschen in verantwortlichen Positionen darüber nachgedacht, was sie eigentlich antreibt.

Die Energiespender

Irgendwoher muss sie kommen, die innere Energie, die Top-Kräfte immer wieder antreibt. Kaum denkbar, dass hier eine Veranlagung da sein soll, die ein so grosses Reservoir an Energie mitbringt, dass dieses für viele Jahre reicht. Dem ist natürlich auch nicht so. Der Energiespeicher eines jeden Menschen ist weniger das Resultat der eingenommenen Kalorien, sondern vielmehr ein innere Kraft, die immer wieder neu „gefüttert“ werden will. Die Frage nach den Energiespendern wird zumeist eher zögerlich mit folgenden Aussagen beantwortet. Energiespender sind Erfolg, Geld, Liebe, Glück, Anerkennung, Gesundheit, Freizeit, Familie oder Partnerschaft, Macht, Verantwortung und Beförderung. Dabei ist hier die Reihenfolge willkürlich gewählt.



Lässt man die Teilnehmer an der Runde die Aussagen sortieren, fällt auf, das Erfolg, Geld und Liebe tatsächlich weit oben stehen, Gesundheit, Freizeit und Familien rangieren eher im Mittelfeld. Hier scheint die Gewichtung nicht glücklich durchdacht zu sein. Der wichtigste Energiespender ist und bleibt die Gesundheit, gleich gefolgt von einer verständnisvollen Familie und dem, was man schlichtweg als Glück bezeichnet. Erst dann folgen Geld, Anerkennung, Karriere und so weiter. Auffällig ist, dass nicht alle Energiespender in der öffentlichen Wahrnehmung als positiv bewertet werden. Macht und Geld haben doch immer wieder den Makel des Unberechenbaren und werden oftmals auch als nachteilig für die Charakterentwicklung betrachtet. Letztlich sind es aber vor allem drei Dinge, für die wir arbeiten: Geld, Anerkennung und manchmal auch Liebe. Dementsprechend sind das auch nach der Gesundheit die entscheidenden Energiespender, auch für Führungskräfte.

Die Energiefresser



Wesentlich schneller antworten Manager und Führungskräfte auf die Frage nach den Energiefressern. Hier kommen Schlagworte wie: endlose Konferenzen, schwierige Mitarbeiter, schlechte Vorgesetzte, Diskussionen über Belangloses, Krankheit, Mittelmässigkeit, Versagensängste, Druck von oben und von unten, Trennungen, Verlustängste, bremsende Strukturen, wenig Anerkennung. Die Auflistung wird recht lang. Nur auf den ersten Blick ist es erstaunlich, dass Führungskader offensichtlich besser wissen, was sie stört, als was ihnen nutzt. Hier offenbart sich aber auch eine fast schon typische Eigenart von Menschen in übergeordneten Positionen: Diese sind meist defizitorientiert. Das wiederum führt dazu, dass gerade die Energiefresser, die durchaus Defizite dokumentieren, immer wieder stärker bewertet werden als die Energiespender.

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Schlagworte für Energierfresser: Endlose Konferenzen, schwierige Mitarbeiter, schlechte Vorgesetzte, Diskussionen über Belangloses, Krankheit… (Bild: Subbotina Anna / shutterstock.com)

Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen

Aschenputtel liess sich beim Sortieren der Linsen von fleissigen Täubchen helfen. Führungskräfte vom Teamleiter bis zum Manager müssen dies selbst tun. Wichtig ist es zunächst, die Energiespender und Energiefresser sauber voneinander zu trennen und in ihrer realistischen Gewichtung zu sortieren. Hier kann die Rangfolge in der Liste durchaus individuell ausfallen. Empfehlenswert ist es, auf jeder Seite der Liste gleich viele, aber nicht mehr als jeweils zehn Positionen aufzuführen. So entsteht schon auf dem Papier eine zumindest optische Ausgewogenheit, die das Arbeiten an den jeweils kontrahierenden Paaren einfacher macht. So könnte beispielsweise eine Paarung lauten: Energiespender Gesundheit – Energiefresser Krankheit. Eine andere Konstellation setzt Freizeit und endlose Konferenzen gegenüber. Mit dieser Sicht wird schon klar, woran gearbeitet werden muss und wo die wahren Gewichtungen liegen. Jetzt haben wir eine Grundlage dafür geschaffen, unsere Energiespeicher in der Gewichtung von Füllen und Leeren neu zu bewerten.



Letztlich kommt es jetzt darauf an, die positiven Energien zu stärken und die negativen Einflüsse mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu begrenzen oder ganz aus dem eigenen Leben zu verbannen.

Richtig auftanken geht nicht im Alleingang

Da sowohl die Energiespender als auch die Energiefresser immer wieder im Zusammenhang mit anderen Personen stehen, können hier auch die notwendigen Veränderungen kaum im Alleingang bewerkstelligt werden. Nehmen Sie insbesondere bezüglich der Energiefresser die Personen mit ins Boot, die massgeblich am Bestand der Energiefresser beteiligt sind. Sprechen Sie mit ihnen über ihre Wahrnehmungen und fordern Sie diese Personen auf, sich darüber Gedanken zu machen, wie die für Sie ungünstigen Umstände verändert werden können. Machen Sie sich dafür einen eigenen Zeitplan und setzen Sie auch den Beteiligten Fristen zur Veränderung, sofern eine solche möglich ist. So können Sie letzten Endes in einem überschaubaren Zeitraum die Menge der Energiefresser einschränken und geniessen schon bald das gute Gefühl, dass Ihre Energiespender in der Überzahl sind.



 

Oberstes Bild: © EggHeadPhoto – shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus…die Berater.

Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.

Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt – die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.



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