Schweizer Haushalte bleiben die reichsten weltweit

30.09.2015 |  Von  |  Finanzen
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Schweizer Haushalte bleiben die reichsten weltweit
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Heute hat die Allianz die aktuelle Ausgabe ihres „Global Wealth Reports“ vorgestellt, der die Vermögens- und Schuldenlage der privaten Haushalte in über 50 Ländern analysiert.

Die Schweiz führt die Rangliste mit einem durchschnittlichen Netto-Geldvermögen von 157’446 Euro (rund 171’600 Franken) wie in den Vorjahren unangefochten an. Herr und Frau Schweizer haben mit rund 80’000 Euro (rund 87’000 Franken) pro Kopf aber auch die höchste Schuldenlast im weltweiten Vergleich. Zudem ist die Ungleichheit in der Vermögensverteilung weiter gestiegen.

Das globale Vermögen der privaten Haushalte übertrifft laut „Allianz Global Wealth Report“ mittlerweile den Wert aller weltweit an einer Börse gelisteten Unternehmen sowie sämtlicher
Staatsschulden. Grund dafür sind trotz der niedrigen Zinsen und volatilen Finanzmärkte aus makroökonomischer Sicht vor allem die gestiegenen Sparanstrengungen der privaten Haushalte.

Allerdings sollte diese laut Allianz nicht als Sparflut interpretiert werden, denn die hohe Gesamtsumme an privatem Geldvermögen dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Vermögen nach wie vor sehr ungleich verteilt sind. „Angesichts überschuldeter Staaten und alternder Gesellschaften ist jeder Einzelne dazu aufgerufen, eher mehr als weniger für seine eigene Zukunft vorzusorgen – das gilt auch für ein reiches Land wie die Schweiz“, betont Severin Moser, CEO der Allianz Suisse mit Hinblick auf die Studie.


Severin Moser, CEO der Allianz Suisse (Bild: © Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG - allianz.ch)

Severin Moser, CEO der Allianz Suisse (Bild: © Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG – allianz.ch)


In der Schweiz wuchs das Brutto-Geldvermögen im vergangenen Jahr um 5,6 Prozent, das Netto-Geldvermögen um 6,7 Prozent. Diese Werte liegen nicht nur über denen des Vorjahres, sondern auch über denen des Euroraums. Betrachtet man jedoch einen längeren Zeithorizont, ist die Entwicklung des schweizerischen Privatvermögens eher enttäuschend: Seit Ende 2000 stieg das Netto-Geldvermögen nur um durchschnittlich 2,3 Prozent pro Jahr, nur Finnland, Italien und Griechenland weisen in Europa eine noch schwächere Entwicklung auf.

Am Spitzenplatz in der Rangliste der 20 reichsten Länder (Geldvermögen pro Kopf) ändert dies aber nichts: Sowohl in der Netto- als auch in der Brutto-Betrachtung (157.450 Euro bzw. 238.310 Euro oder rund 171’600 bzw. 259’400 Franken) steht die Schweiz hier seit dem Jahr 2000 ununterbrochen auf Platz 1.

Allerdings sind die schweizerischen Haushalte auch in einer anderen Beziehung Spitze, nämlich bei der Verschuldung: Auch wenn die Verbindlichkeiten in den letzten Jahren mit Raten zwischen 3 und 4 Prozent nicht sehr stark gestiegen sind – und vor allem auch langsamer als die Vermögen -, bleibt die Schuldenstandquote (Verbindlichkeiten in Prozent des BIP) mit 122 Prozent unverändert extrem hoch. Weltweit weisen nur die Dänen, Australier und Niederländer eine noch höhere Verschuldung auf. Zum Vergleich: In den Nachbarländern liegt diese Quote bei 55 Prozent (Deutschland) beziehungsweise 51 Prozent (Österreich).

Wie in den Vorjahren war auch 2014 das regionale Vermögenswachstum sehr unterschiedlich. Unangefochtener Wachstumsspitzenreiter blieb dabei die Region Asien (ex Japan), in der das Netto-Geldvermögen 2014 mit 18,2 Prozent zulegte. Angetrieben wurde dieses Wachstum auch vom rasanten (und teilweise nicht nachhaltigen) Anstieg des Wertpapiervermögens, insbesondere in China. In den beiden anderen aufstrebenden Regionen, Lateinamerika und Osteuropa, verlief die Entwicklung dagegen deutlich verhaltener: Das Netto-Geldvermögen erhöhte sich nur um 4,2 Prozent (Lateinamerika) bzw. 8,6 Prozent (Osteuropa).

Erfreulich aus europäischer Perspektive: 2014 konnte der Euroraum erstmals seit der Finanzkrise wieder ein höheres Wachstum als Nordamerika verbuchen. Das kräftige Plus von 6,2 Prozent (gegenüber 5,3 Prozent in Nordamerika) verdankte sich dabei hauptsächlich der fortgesetzten „Schuldendisziplin“: In vielen Ländern setzte sich auch 2014 der Abbau der Schulden fort.


2014 konnte der Euroraum erstmals seit der Finanzkrise wieder ein höheres Wachstum als Nordamerika verbuchen. (Bild: © Carlos Amarillo - shutterstock.com)

2014 konnte der Euroraum erstmals seit der Finanzkrise wieder ein höheres Wachstum als Nordamerika verbuchen. (Bild: © Carlos Amarillo – shutterstock.com)


Das dauerhaft hohe Wachstum in Asien führt auch zu einer Verschiebung der Gewichte auf der Vermögensweltkarte. Auf die Region Asien (ex Japan) entfielen 2014 gut 16 Prozent des globalen Geldvermögens (sowohl in Brutto- wie Netto-Betrachtung). Dies bedeutet gegenüber 2013 ein Plus von 1,4 Prozentpunkten, seit dem Jahr 2000 hat sich der Anteil dieser Region mehr als verdreifacht. Im letzten Jahr wurde in diesem Aufholprozess zudem eine wichtige Wegmarke passiert: Das gesamte Brutto-Geldvermögen Chinas übertraf Ende 2014 erstmals dasjenige Japans.

„Die Vermögensentwicklung in Asien, insbesondere in China, verlief in den letzten Jahren wirklich äusserst positiv“, kommentiert Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. „Eine Wachstumsverlangsamung, wie wir sie derzeit erleben, ist nicht beunruhigend. Der Aufholprozess Chinas ist damit keineswegs zu Ende, China ist heute ein anderes, viel wohlhabenderes Land als noch vor fünf oder zehn Jahren. Die positiven Wachstumsimpulse, die von dort auf unsere Wirtschaft und Finanzmärkte ausgehen, sind daher immer noch gewaltig.“

Die zunehmende Bedeutung Asiens wird auch in anderer Perspektive deutlich. Im letzten Jahr hat die Zahl der Menschen, die im globalen Massstab über ein mittleres Vermögen verfügen, erstmals die Marke von einer Milliarde überschritten.  Seit 2000 sind nahezu 600 Millionen Menschen aus dem Bereich „Low Wealth“ in die globale Vermögensmittelklasse aufgestiegen. Insgesamt hat sich die Zahl der Mitglieder dieser Klasse seit der Jahrtausendwende verdreifacht.

Allerdings konzentriert sich diese Dynamik vornehmlich auf eine Region bzw. sogar hauptsächlich auf ein Land: China. Mittlerweile rekrutieren sich etwa zwei Drittel der globalen Vermögensmittelklasse aus Asien – und 85% davon stammen aus China. Seit Jahrtausendbeginn hat sich damit die Bevölkerung mit mittlerem Vermögen in Asien nahezu verzehnfacht. „Diese Entwicklung unterstreicht den im globalen Massstab inklusiven Charakter des Vermögenswachstums, immer mehr Menschen können am globalen Wohlstand partizipieren“, kommentierte Heise.

Die Vermögensverteilung in den einzelnen Ländern stellt sich sehr heterogen dar. Dazu hat die Allianz erstmals für jedes Land einen Gini-Koeffizienten berechnet, und zwar jeweils für die Vergangenheit (Zeitraum um 2000) und heute. Dabei zeigt sich, dass die Zahl der Länder, in denen sich der Gini-Koeffizient eher „verbessert“ hat (d.h. eine stärkere Gleichverteilung anzeigt) ungefähr derjenigen entspricht, in denen sich der Gini-Koeffizient eher verschlechtert hat. Gerade für die entwickelten Länder trifft dies allerdings nicht zu, die Mehrzahl der Länder erlebte hier in den vergangenen Jahren eine teils deutliche Zunahme der Ungleichverteilung.



An erster Stelle stehen dabei die USA, in keinem anderen Land hat die Ungleichheit im betrachteten Zeitraum so stark zugenommen. Die USA weisen mit 80,6 den höchsten Gini-Koeffizienten auf. Der Wert für die Schweiz liegt bei 61,2 – und damit unter dem Durchschnitt der entwickelten Länder (64,6) und auch deutlich unter dem Niveau der Nachbarländer (Deutschland: 73,3; Österreich: 73,6). Allerdings hat sich die Vermögensverteilung in der Schweiz in der letzten Dekade verschlechtert, der Gini-Koeffizient ist um drei Punkte gestiegen.

 

Artikel von: Allianz Suisse
Artikelbild: © nui7711 – shutterstock.com


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