Stress – So können Sie das „Monster“ zähmen

21.08.2015 |  Von  |  Selbstmanagement
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Jetzt bewerten!

Inzwischen ist Stress keineswegs mehr den Managern und Entscheidungsträgern vorbehalten. Das ständig zunehmende Tempo unseres Lebens hat diesen potentiellen Auslöser für viele Erkrankungen in alle Lebensbereiche gebracht. Ständig sollen wir perfekt oder besser sein.

Natürlich sollen wir dabei lächeln und nach aussen zeigen, wie wahnsinnig gerne wir das alles doch machen und wie leicht es uns fällt. Auch aus den Medien werden wir immer wieder mit diesem Bild versorgt. Das Resultat: Jeder, der sich gestresst fühlt, sieht sich potentiell als unzureichend, als latenten Versager.

Über Stress, seine Ursachen und die Abläufe im Körper wurde hinreichend geschrieben. Doch wie geht man ganz konkret damit um? Was macht man, wenn der Stress über einem zusammenschlägt? Wie vieles andere auch, beginnt das Gestresstsein sehr langsam und unspektakulär.


Die Statistik zeigt die Ergebnisse einer Umfrage in der Schweiz zum Stressfaktor "ständig online sein". (Quelle: Statista.de)

Die Statistik zeigt die Ergebnisse einer Umfrage in der Schweiz zum Stressfaktor „ständig online sein“. (Quelle: Statista.de)


Erster Tipp: Seien Sie sich selber bewusst!

Spüren Sie, ab wann Stress für Sie beginnt? Was sind Ihre ersten Stressanzeichen? Steigt Ihre Körperspannung, etwa in den Beinen? Manche Menschen ziehen auch unbewusst den Bauch ein. Fühlen Sie eine veränderte Temperaturwahrnehmung wie Frösteln oder Hitze? Bereits jetzt können Sie eingreifen und den Stressaufbau deutlich bremsen. Sollten Sie eine andere Körperspannung bemerken, spannen Sie den fraglichen Bereich noch mehr an. Die Wirkung: Durch das bewusste Verstärken der unbewussten Körperspannung schaffen Sie die Stabilität, nach der unbewusst „angefragt“ wird.

Sollten Sie Kälte oder Hitze spüren, ziehen Sie beim Ausatmen den Bauch etwas ein.

Damit „schubsen“ Sie die Körperhauptschlagader und helfen Ihrem Körper, den aus dem Tritt geratenen Kreislauf zu stabilisieren. Dieser Trick kann übrigens auch bei jener speziellen Übelkeit, die unter Stress oder Aufregung auftritt, Erleichterung bringen.


Durch das bewusste Verstärken der unbewussten Körperspannung schaffen Sie Stabilität. (Bild: © Piotr Marcinski - shutterstock.com)

Durch das bewusste Verstärken der unbewussten Körperspannung schaffen Sie Stabilität. (Bild: © Piotr Marcinski – shutterstock.com)


Zweiter Tipp: Sehen Sie klar!

Hier wird es etwas schwieriger. Wenn wir wirklich ganz ehrlich sind, so gibt es in Stresssituationen durchaus Anteile, die selbst gemacht sind. Klassisches Beispiel: Wir unterstellen etwa dem Vorgesetzten oder Auftraggeber gerne eine Erwartungshaltung, die nur in unserem Kopf vorhanden ist. Seien Sie beruhigt (und gerne auch frustriert): Die Wahrscheinlichkeit ist gut, dass Ihr Chef oder Ihr Auftraggeber etwas ganz anderes von Ihnen erwartet, als Sie glauben. Sie stöhnen also unter einer Last, die so, wie Sie sie sich vorstellen, gar nicht existiert. So gesehen könnte man das auch lassen, finden Sie nicht?

Widmen Sie die Energie, die Sie in Ängste oder Gefühle von Unzulänglichkeit stecken, doch lieber dem Projekt in Ihren Händen.

Absolvieren Sie Ihre Aufgabe einen Schritt nach dem anderen. All Ihr befürchteter Misserfolg wird Ihnen sicher zuteil, wenn Sie durch die Aufgabe hetzen und jenes kleine, aber wichtige Detail verderben, welches für Stehen oder Fallen Ihres Projektes sorgt!


Widmen Sie die Energie statt Ihren Ängsten lieber Ihrem Projekt. (Bild: © sebra - shutterstock.com)

Widmen Sie die Energie statt Ihren Ängsten lieber Ihrem Projekt. (Bild: © sebra – shutterstock.com)


Dritter Tipp: Seien Sie gestresst, aber richtig!

Ob Sie es nun glauben oder nicht: Stress ist ein Geheimnis zum Erfolg, sofern man ihn denn zu nutzen versteht. Ganz archaisch betrachtet ist Stress jener Reflex, der aus einer Bedrohung erzeugt wird und Kampf oder Flucht ermöglicht. Nun wird es Ihnen kaum nutzen, Ihrem Chef einen Schlag zu verpassen oder vor ihm wegzulaufen. Dennoch stehen Ihnen schlagartig zwei wichtige Ressourcen zur Verfügung: Schnelligkeit und Kraft.

Wenn etwas schnell gehen muss, dann wird es unter Stress so richtig schnell gehen. Und wenn Sie körperliche oder mentale Kraft für etwas brauchen, so werden Sie unter Stress genau die richtige Menge davon freisetzen können.

Angenehmer Nebeneffekt: Sie toben auf diese Weise den Stress aus. Er verlässt Ihren Körper, Ihr Nervensystem kann Ihnen nicht mehr schaden und wurde auch noch optimal genutzt.


Stress kann zu Höchstleistung anspornen. (Bild: © Halfpoint - shutterstock.com)

Stress kann zu Höchstleistung anspornen. (Bild: © Halfpoint – shutterstock.com)


Vierter Tipp: Übernehmen Sie die Leitung im eigenen Haus, pardon, im eigenen Körper!

Sicher wissen Sie, dass Stress für veränderte Stoffwechselvorgänge sorgt. Die Blutgefässe verengen sich, der Puls steigt, die Atmung wird flacher und schneller. Die wenigsten von uns dürften über so viel mentale Disziplin verfügen, dass sie den Herzschlag kontrollieren können. Mit der Atmung sieht es allerdings anders aus. Der Atem ist eng an unsere Befindlichkeit geknüpft. Die meisten Menschen atmen nicht richtig aus. Sie stoppen auf „halbem Weg“. Resultat: Der Gasaustausch im eigenen Körper ist suboptimal. In Folge dessen ermüden wir schnell oder fühlen uns „matschig“, neigen zu Kopfschmerzen.

Nehmen Sie sich zwischendurch immer wieder einmal Zeit, um das Ausatmen zu üben. Atmen Sie normal ein, und so lange aus, bis gar keine Luft mehr kommt. Dann normal wieder einatmen.

Noch ein „luftiger“ Tipp: Im entspannten Zustand atmen wir tief und langsam, richtig? Gut! Wenn Sie also merken, wie der Stress an Ihnen zu zerren beginnt, atmen Sie ganz bewusst fünfmal langsam und tief ein und aus. Sie werden sofort bemerken, wie Sie ruhiger und vor allem klarer, fokussierter werden.


Nehmen Sie sich zwischendurch Zeit, um das Ausatmen zu üben. (Bild: © Antonio Guillem - shutterstock.com)

Nehmen Sie sich zwischendurch Zeit, um das Ausatmen zu üben. (Bild: © Antonio Guillem – shutterstock.com)


Fünfter Tipp: Nutzen Sie die Helfer um sich herum!

Wenn man Menschen beschreiben lässt, wie sich Stress anfühlt, hört man sehr oft den Eindruck, der Gestresste „löse sich auf“ oder „verflüssige sich“. Alles Feste, Sichere ist plötzlich weg, man ist ausgeliefert und fahrig. Wie steuert man einem solchen, unangenehmen und belastenden Gefühl entgegen? Ganz einfach: mit einem anderen Gefühl!

Sollten Sie sich im Stress „auflösen“, machen Sie sich alles Feste bewusst: den Boden unter Ihren Füssen (genau den, von dem Sie glaubten, Sie hätten ihn verloren), den Stuhl, auf dem Sie sitzen, oder auch den leicht kneifenden Gürtel.

So wenig unbequeme Kleidung auch erfreut, im gestressten Zustand kann Ihnen dieses Kneifen gerade wieder bewusst machen, dass Sie Ihre Form und Oberfläche immer noch haben, auch wenn es sich vielleicht gerade nicht so anfühlt.

Ein unauffälliger Tipp im Gespräch: Nehmen Sie sich selbst an die Hand! Drücken Sie einen Moment Ihre Handflächen aneinander, reiben Sie die Hände oder verschränken Sie sie für einen Moment. Die geschlossene Haltung sorgt dafür, dass sich Ihr „Wahrnehmungsstromkreis“ wieder schliesst und Sie sich selber wieder in all dem Trubel spüren. Dieser kleine Trick hilft vor allem den Menschen, die das Gefühl haben, von Stress einfach „weggespült“ oder auch „aufgesogen“ zu werden.


Machen Sie sich alles Feste bewusst, z. B. den Boden unter Ihren Füssen. (Bild: © Who is Danny - shutterstock.com)

Machen Sie sich alles Feste bewusst, z. B. den Boden unter Ihren Füssen. (Bild: © Who is Danny – shutterstock.com)


Manche „Monster“ kann man nicht besiegen … dann hilft nur noch, sie zu umarmen.

Wer Stress bekämpfen will, kann sich leicht in der Situation sehen, dass damit genau das Gegenteil geschieht. Im Kampf gegen den Stress wird jener allenfalls umgeschichtet oder gar noch vergrössert. Stress gehört zu uns. Wir verdanken ihm das Überleben unserer Art. Vielleicht sollte daher das Motto in Therapie und Coaching nicht „Kampf dem Stress“ heissen, sondern vielmehr „Stress – und wie man am besten damit umgeht“.

Fazit

Auch wenn wir in unserer modernen Gesellschaft nicht mehr jagen oder vor wilden Tieren flüchten müssen, so haben wir dennoch nach wie vor ganz ähnliche Szenerien. Die „Jagd nach dem Erfolg“ oder die „Flucht vor dem Versagen“ ist uns allen wohl vertraut. Vielleicht ist Stress nicht gerade der beste Freund, den wir im Leben haben, doch er kann ein wichtiger Verbündeter sein, wenn wir bereit sind, ihn als ein Phänomen unserer Zeit zu akzeptieren und zu nutzen.

 

Oberstes Bild: © t-baranq – shutterstock.com

Über Ina Ewers

Katharina Ewers ist im schönen Frankenland zu Hause. Ihre Liebe zum Wort ist ihr Beruf, ihre Leidenschaft für Menschen und Naturwissenschaften ihr Thema. Zum Personal Coach ausgebildet, kreiert sie mit Hilfe von Naturgesetzen und anhand moderner physikalischer Theorien innovative und praktische Wege durchs Leben und den Alltag. Wissen anzuwenden, um damit die Lebensqualität und auch die Lebensfreude zu erhöhen, ist ihr Projekt, ihr Ziel und was sie gerne mit Ihnen teilen möchte.


Ihr Kommentar zu:

Stress – So können Sie das „Monster“ zähmen

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die belmedia AG behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.