Facebooks startet Pilot-Projekt „Instant Articles“ – neun grosse Verlage machen mit (Teil 1)

19.05.2015 |  Von  |  Kommunikation, Marketing

Geschätzte Lesezeit: 2 minutes

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Facebook sorgt mit der neuen Instant-Article-Funktion für Aufsehen: Die soziale Plattform wird zum Content-Host. Dies könnte die Medienlandschaft grundlegend verändern.

Am 13. Mai gingen zahlreiche Meldungen durch das deutschsprachige Web, dass entsprechende Kooperationen mit namhaften Anbietern geschlossen wurden, um deren Inhalte direkt in der Facebook-App auszuspielen. Mit der Bildzeitung und dem Spiegel sind auch zwei deutschsprachige Vertreter unter den Partnern des Pilot-Projekts. Wir erklären in diesem Artikel den Rahmen der Kooperation.

Facebook wird zum Content-Host – genau genommen, ist es das natürlich schon lange. Jeder Beitrag ist auch eine Form von Content und wird täglich milliardenfach auf Facebook hochgeladen, dort verwaltet und ausgespielt. Hierbei wird in der Regel aber nur ein kurzer Beitrag veröffentlicht, der einen Link zum eigentlichen Artikel enthält, der nicht mehr auf Facebook liegt, sondern auf der Webseite des Content-Anbieters.

Verlage können direkt auf Facebook publizieren

Bei der aktuellen Kooperation geht es darum, dass Facebook seine gesamte Art und Weise der Artikeldarstellung im Rahmen der Instant Articles Funktion verändert hat, damit Verlage ihre Beiträge direkt auf Facebook publizieren. Insbesondere längere Artikel müssen ansprechender aussehen, als man es derzeit den privaten Nutzern ermöglicht und darüber hinaus ist eine individuelle Gestaltungsmöglichkeit für die Inhalte zwingend erforderlich. Für Verlage ist das Design eines der stärksten Mittel, um ihr Magazin oder ihre Zeitung von anderen Anbietern abzusetzen, auf das sie nicht verzichten können.

Daher hat Facebook hier dem Wunsch der Verlage entsprochen und die App sozusagen einem Facelift unterzogen. Von offizieller Seite heisst es: „Wir haben eine Menge Zeit damit verbracht, ein sicheres Geschäftsmodell zu erstellen und Sorge zu tragen, dass der Brand so repräsentiert werden kann, wie sie es sich vorstellen“, sagte der leitende Facebook-Produktmanager Chris Cox.

Die Bestrebungen waren offenbar erfolgreich. Für sein Pilotprojekt in der Facebook-App, das am 13. Mai begann, konnte die soziale Plattform neun grosse Medienpartner gewinnen: Die New York Times, National Geographic, BuzzFeed, NBC, The Atlantic, The Guardian, BBC News sowie die deutschsprachigen Häuser Spiegel und Bild, die allerdings ein paar Wochen später starten. Und mindestens National Geographic ist von der Individualisierungsmöglichkeit überzeugt. „Die Leser sehen sofort, dass sie eine National Geographics Story vor Augen haben“, sagte die Chefredakteurin Susan Goldberg als Testimonial im zugehörigen Produktvideo.



Welchen Nutzen haben die Leser von Instant Articles?

Der offiziellen Facebook-Mitteilung zufolge werden den Lesern ansprechende interaktive Optionen geboten: Vorlesbare Artikel, Autostart-Videos und Kommentarfunktionen zu einzelnen Artikelausschnitten. Das haptisch interessanteste Feature ist sicherlich die Option, nach dem Zoom in ein hochauflösendes Bild (wenn also nur noch ein kleiner Ausschnitt des Bildes vergrössert auf dem Display sichtbar ist) durch Kippen des Smartphones durch das Bild zu scrollen. Diese Funktion wird im Video mehrfach gezeigt.

Die neue Artikeldarstellung wurde natürlich speziell für mobile Geräte entwickelt und – wie der Name anklingen lässt – mit besonderem Augenmerk auf schnelle Ladezeiten. Im Gegensatz zum aktuellen Modell, bei dem ein Leser nach dem Klick auf den Artikel-Link im Durchschnitt acht Sekunden warten muss, soll Instant Articles diese Wartezeit deutlich reduzieren. Generell wird von einer „zehnfach schnelleren Leser-experience im Vergleich zu einem durchschnittlichen mobil optimierten Webartikel“ gesprochen.

Darüber hinaus bietet Facebook den Verlagen Monetarisierungsmodelle an, z. B. Anzeigenschaltung in den ausgespielten Artikeln oder im Facebook-Netzwerk, und ist zu gängigen Tracking-Tools kompatibel.

Sollte Facebook mit diesem Modell erfolgreich sein, würde es eine enorme Kontrolle über Informationsanbieter erhalten. Die neun sehr namhaften Medienpartner hat dies offenbar nicht abgeschreckt – sollte Johnny Haeusler am Ende doch Recht behalten? Darauf gehen wir im nächsten Artikel näher ein. Wenn Sie mit diesem Hinweis nicht so viel anfangen können, lesen Sie doch in der Zwischenzeit diesen Beitrag über seine Vorhersage, die er übrigens einige Zeit vor dem Bekanntwerden von Facebooks Aktivitäten aussprach.

 

Quellen: fb.com, contentmarketing.ch
Oberstes Bild: Facebook


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