Fehlende Wertschätzung ist der grösste Stressor

14.04.2015 |  Von  |  News
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Stress im Arbeitsleben ist hauptsächlich zwischenmenschlich bedingt. Dieses Ergebnis liefert eine Studie. Durchgeführt wurde sie von InLoox, Hersteller von Projektmanagementsoftware, unter rund 220 Teilnehmern.

Demnach sind belastende Umstände wie parallel zu bearbeitende Projekte oder die E-Mail-Flut nicht die Hauptursachen von Stress im Beruf. Stattdessen steigert vor allem ein Mangel an Wertschätzung das subjektive Stressempfinden. Dabei gilt: Vorgesetzte sind zufriedener als Angestellte.

Die Volkskrankheit Burn-out ist ein Schreckgespenst für viele Berufstätige, denn im Berufsalltag lauern viele Ausbrenner. Welche sind die grössten Risikofaktoren und welche Stellschrauben gilt es zu drehen, um eine gesunde Balance zwischen erfülltem Arbeitsleben und entspannter Freizeit zu schaffen? Dieser Frage ging InLoox in einer Umfrage unter rund 220 Teilnehmern, vornehmlich aus den Branchen IT/Telekommunikation und Marketing/Medien, nach.

Auffallend ist das Ergebnis, dass diejenigen, die keine Vorgesetzten über sich haben, zufriedener mit ihrer Arbeitssituation sind als die Teilnehmer, die unter Vorgesetzten arbeiten, im Folgenden „Mitarbeiter“ genannt. Nahezu alle befragten Vorgesetzten bzw. Selbstständigen (98 Prozent) gaben an, ihre Arbeit als wertgeschätzt zu empfinden. Bei den Mitarbeitern war es mit rund 80 Prozent ein kleinerer Anteil. Eine sehr deutliche Diskrepanz zeigt sich bei der Wertschätzung in monetärer Hinsicht: 85 Prozent der Vorgesetzten sind mit ihrem Gehalt zufrieden, hingegen nur rund 60 Prozent der Mitarbeiter.

Auch bei der Beurteilung von Arbeitsbelastung, Zeitdruck, erfolgreicher Konfliktlösung und dem Übergreifen von Stress in private Lebensbereiche ist die Position der entscheidende Faktor. Vorgesetzte beurteilen diese Aspekte auffallend positiver als Mitarbeiter.

Fehlende Wertschätzung steigert Stressempfinden

Wie die Umfrage ergab, ist die wahrgenommene Wertschätzung geleisteter Arbeit ein entscheidender Faktor für das subjektive Stressempfinden. Wer das Gefühl hat, dass die eigene Arbeit nicht geachtet wird, ist gestresster. Vor allem auf das Privatleben hat die fehlende Anerkennung negative Auswirkungen: Die grosse Mehrheit (80 Prozent) derjenigen, die keine Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren, gibt an, dass ihr Beruf negative Auswirkungen auf ihr Privatleben hat. Fühlt man sich wertgeschätzt, liegt dieser Wert deutlich niedriger: rund 50 Prozent sehen negative Auswirkungen.

Jeder zweite Mitarbeiter fühlt sich unter Zeitdruck

Die gefühlte Arbeitsbelastung ist gerade auf Seiten der Mitarbeiter relativ hoch. Nur jeder zweite Mitarbeiter hat das Gefühl, ausreichend Zeit für alle wichtigen Aufgaben zu haben. 60 Prozent der Befragten verbringen zwischen eineinhalb und zweieinhalb Stunden pro Tag damit, ihre E-Mails zu bearbeiten und nur fünf Prozent der Befragten können sich auf nur ein Projekt konzentrieren. Alle anderen bearbeiten mehrere Projekte parallel. Immerhin jeder fünfte Mitarbeiter gab an, dass er bzw. sie sich bereits erschöpft fühlt, bevor der Arbeitstag überhaupt begonnen hat. Nur drei Prozent der Vorgesetzten haben dieses Gefühl. 19 Prozent der Mitarbeiter und 12 Prozent der Vorgesetzten fürchten, irgendwann ein Burn-out zu erleiden.



Vorgesetzte sind zufriedener mit sich selbst

Vorgesetzte sind mit ihrem Erfolg zufriedener als Mitarbeiter: Rund 70 Prozent geben an, lohnende berufliche Ziele erreicht zu haben, während nur 45 Prozent der befragten Mitarbeiter dies angeben. Eine hohe Erwartungshaltung an sich selbst ist hingegen bei den Mitarbeitern weiter verbreitet (66 Prozent) als bei den Chefs (50 Prozent). Auch bei der Beurteilung der eigenen Arbeitsleistung sind die Mitarbeiter häufiger unzufrieden: 45 Prozent gaben an, sich vor einigen Jahren noch produktiver gefühlt zu haben. Nur 30 Prozent der Vorgesetzten empfinden das so.

Wie sind die Ergebnisse zu interpretieren?

Dr. Tatjana Reichhart, Oberärztin für Psychiatrie und Psychotherapie am Centrum für Disease Management (CFDM) der Technischen Universität München, erklärt die Ergebnisse auf Basis der Befunde ihrer wissenschaftlichen Studien: „Die Erkenntnis, dass Vorgesetzte im Allgemeinen beruflich zufriedener sind und weniger Stress empfinden, findet sich auch in einigen anderen wissenschaftlichen Studien und lässt sich anhand dreier Faktoren erklären. Zum einen haben Führungskräfte mehr Handlungsspielraum und sind weniger abhängig von der Wertschätzung Vorgesetzter. Mangelnde Wertschätzung ist mit einem erhöhten Risiko für Burnout bzw. psychische Belastungen assoziiert, wie ja auch die vorliegende Umfrage deutlich zeigt. Des Weiteren sind Führungskräfte tendenziell älter und haben mehr Berufserfahrung. Diese beiden Merkmale sind mit einem niedrigeren Burn-out-Risiko assoziiert, sie scheinen für Gelassenheit zu sorgen. Ein weiterer Grund für das geringere Stressempfinden bei Vorgesetzten kann sein, dass sie eben bereits Führungskräfte sind und nicht den Druck verspüren, sich für den nächsten Karriereschritt „verausgaben“ zu müssen. Die Befunde bedeuten  jedoch nicht, dass Führungskräfte generell kein Risiko hätten, psychisch krank zu werden bzw. ein Burn-out zu bekommen. Gerade Führungskräfte in „Sandwich-Positionen“ können stark belastet sein.“



Dr. Andreas Tremel, Geschäftsführer von InLoox: „Die Untersuchung zeigt, dass es das Gefühl der Selbstbestimmtheit und der Anerkennung ist, das selbst hohe berufliche Anforderungen erträglich macht und Stress vorbeugt. Das ist ein deutliches Signal für Manager und Teamleiter: Die menschliche Komponente ist ganz entscheidend, wenn man gute Mitarbeiter halten will. Aber auch die Mitarbeiter selbst sollten sich nicht schämen, eine Bestätigung ihrer guten Arbeit zu verlangen.“

Weitere Informationen und Hintergrundmaterial:

Das White Paper zur Umfrage inkl. Grafiken finden Sie unter: InLoox Work Life Balance Studie

 

Oberstes Bild: © PathDoc – shutterstock.com

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