Billigsmartphones haben Trojaner ab Werk

16.12.2014 |  Von  |  Allgemein
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Nicht zum ersten Mal beschäftigen wir uns beim Thema Trojaner mit deren Herkunft. Nicht nur Cyber-Kriminelle infizieren unsere Computer mit Trojanern. Es besteht schon länger der Verdacht, dass die Industrie selbst Trojaner auf den verschiedenen Geräten installiert.

Mittlerweile ist es zur Gewissheit geworden, dass Wirtschaftsunternehmen die Geräte mit Trojanern ausstatten, um die künftigen Nutzer gezielt über ihre Gewohnheiten auszuspionieren oder auch aus anderen Gründen zu bespitzeln.



Der Beweis dafür ist kürzlich erbracht worden. Der chinesische Hersteller des N9500 brachte damit eine billige Kopie des weit verbreiteten Samsung Galaxy S4 auf den Markt. Als Google-Play-Dienst getarnt, ist das Gerät mit dem Uupay.D-Trojaner „ausgestattet“. Mit etwas Glück ist der Trojaner über ein Virenschutzprogramm für mobile Geräte zu enttarnen.

Wie geht Uupay.D vor?

Die Schadstoffsoftware Uupay.D ermittelt die Nutzerdaten, die dann registriert und nach Bedarf gefiltert werden. Mit dem sich anschliessenden Weiterverkauf an Kriminelle kann der Hersteller in Asien weitere Profite erzielen. Die Grössenordnung der Gewinne ist hoch, wenngleich die aus kriminellen Handlungen stammenden Profite nirgends öffentlich bilanziert werden. Für Nutzer von preiswerten Imitaten ist die Gefahr, einem Trojaner, der ab Werk bereits vorinstalliert ist, ausgeliefert zu sein, eher wahrscheinlich. Wegen möglicher Schäden kann man sie nicht ignorieren.

Nicht nur die Installation der Spyware bei der Herstellung ist kriminell. Besonders hinterhältig ist ihre Integration in beliebte Dienste. Keiner glaubt, dass sich dort Schadsoftware befindet. Inzwischen ist es wahrscheinlich, dass Billiggeräte mit Trojanern verseucht sein können. So manches Smartphone existiert wohl auch mit noch gar nicht erkannten Trojanern.



Das neue Ausmass der Spionage

Immer mehr habe ich das Gefühl, dass moderne Smartphones zusehends öfter für Spionagezwecke genutzt werden, als noch vor kurzer Zeit. Doch nicht nur die NSA oder ein anderer Geheimdienst muss dahinter stehen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Wirtschaftsunternehmen mit der Internetkriminalität Kooperationen eingegangen ist. Geheimdienste begründen ihre Aktivitäten mit dem Schutz der nationalen und weltweiten Interessen, Unternehmen haben rein kommerzielle Interessen.

Technischer Fortschritt ist heute nicht immer allen nützlich. Die Entwicklung technologischer Neuheiten ist allzu oft von anderen Interessen getrieben. Der Verbraucher und sein Lebensstil oder seine Lebensgewohnheiten werden hinsichtlich Überwachungsmöglichkeiten analysiert. Der Bürger ist nicht als Verbraucher und Kunde interessant, sondern wird auf seine Berechenbarkeit als Bürger reduziert. Wirtschaftliche Entwicklung voranzubringen, tritt bei diesem Vorgehen in den Hintergrund.

Zu Ende gedacht, bedeutet dieses Szenarium, Alles und Jeder können kontrolliert und ausspioniert werden. Das Handeln jedes Einzelnen wird steuerbar. Immer dann, wenn auch staatliche Einrichtungen oder Organisationen Trojaner als Überwachungsmittel für legitim halten und einsetzen, wird das Überwachungsnetz eines Staates dichter.

Spionage nimmt neue Dimension an. (Bild: Gajus / Shutterstock.com)

Spionage nimmt neue Dimension an. (Bild: Gajus / Shutterstock.com)

Brauchen wir mehr Technik?



Die meisten Unternehmen und Haushalte sind heute mit moderner Technik eingerichtet. Beobachtung und Überwachung durch Kriminelle, Staaten und Organisationen sind allgegenwärtig möglich. Das Vertrauen in die staatlichen Behörden sinkt, weil Kriminelle, Firmen und der Staat selbst das System der Überwachung weiter ausbauen. Vom Bürger als Nutzer des technologischen Fortschritts ist ein Unterschied kaum zu erkennen.

Die Entscheidung, sich auch im Privaten technisch modern auszustatten, bedeutet immer auch ein Stück weit mehr Wagnis, persönlich ausspioniert zu werden.

In mehrfacher Hinsicht profitieren von diesen kriminellen Unternehmungen nicht allein Geheimdienste, Behörden und Cyber-Kriminelle. In der Wirtschaft hat sich längst ein ganzer Zweig entwickelt, der die weite Verbreitung der Spyware zu nutzen weiss. Entwickler und Hersteller von Antivirenprogrammen erleben einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Produzenten von Smartphones verkaufen ihre neuesten Entwicklungen in grossen Stückzahlen. Bedenkt man, dass nicht nur Smartphones zu den hochtechnologischen Produkten zählen, gibt es hier noch weiteres wirtschaftliches Potential.

Das Haus der Zukunft ist schon heute entworfen. Überwachungskameras, Steuerung der Heizungsanlage von Unterwegs, Bewegungsmelder und andere technische Ausstattungen lassen sich online steuern und überwachen. Das Eigentum besser zu schützen, ist nicht das einzige Anliegen. Das eigene (Wohn-)Umfeld zu überwachen und zu kontrollieren oder damit andere zu beauftragen ist eine weitere Seite des technologischen Fortschrittes. Der Zugriff auf diese sensiblen Daten ist aber auch unerwünscht möglich. Interesse, wer sich sonst noch im Haushalt aufhält, Beschäftigungen in der Freizeit und vieles mehr interessieren auch Kriminelle und staatlich engagierte Spionageorganisationen.



Was wir lernen

Das Streben nach immer besseren, schnelleren und preiswerteren technischen Geräten führt dazu, dass wir billige Imitationen wie das N9500 dem bewährten aber teureren Samsung Galaxy S4 vorziehen. In der Wirtschaft gibt es immer weniger Hemmungen, Daten von Verbrauchern ohne deren Wissen und Einverständnis zu sammeln und auszuwerten.

Konsequenterweise muss sich jeder fragen, ob billig und neu immer gerechtfertigt sind. Die Zielgruppe für Billigware ist jetzt auch der normale Smartphonekäufer. Die Entwicklung zeigt, dass sich auch die gesellschaftlichen Kräfte, die die Persönlichkeitsrechte verteidigen, stark machen müssen, um jegliche Begehrlichkeiten zu hinterfragen und den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Bürger durchzusetzen.




 

Oberstes Bild: © phoelix – Shutterstock.com

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