Mitarbeiterführung: Kommt der Führerschein für den Chef?

04.11.2014 |  Von  |  Organisation, Personalleitung
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Mitarbeiterführung: Kommt der Führerschein für den Chef?
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Autofahrer wissen es: Wird beim Ölwechsel geschlampt oder die Pflege zum Beispiel der Batterie schlichtweg vernachlässigt, bringt ein Auto in der Regel auch nicht seine volle Leistung. Genau das erwarten aber oftmals Unternehmenslenker von ihren Mitarbeitern: Schlechte Pflege und trotzdem volle Leistung. Und das, obwohl inzwischen der Zusammenhang zwischen guten Geschäftsergebnissen und stimmigem Betriebsklima quasi messbar ist.

Eine entsprechende innereuropäische Studie mit dem Titel „Sozialkapital – Grundlagen von Unternehmenserfolg und Gesundheit“ hatte diese Verbindung nämlich bereits empirisch belegen können. Dabei wurden mehr als 2.500 Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Branchen bzw. Unternehmen zu dieser Thematik befragt und zudem mehrere Fallstudien ausgewertet. Allerdings sind noch bei weitem nicht alle Chefs bereit, diesen Zusammenhang vollkommen anzuerkennen.

Nicht alle Führungskräfte können auch tatsächlich führen

Experten deuten diese ablehnende Haltung als Zeichen mangelnder Menschenführung. Vorgesetzte respektive Führungskräfte seien zwar in der Regel fachlich hervorragend ausgebildet, aber oftmals mangele es an der nötigen Sozialkompetenz im Hinblick auf das den Gegebenheiten angepasste Führen der eigenen Mitarbeiter. Vergleicht man diesbezüglich aber die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen von Abteilungen oder Unternehmenszweigen, die als relevant für den Wertschöpfungsprozess gelten, mit deren Sozialkapital, fällt die Deutlichkeit der Zusammenhänge massgeblich ins Auge.

Betriebsklima und Wertschätzung als Indikatoren für wirtschaftlichen Erfolg

Demnach sind die Geschäftsabschlüsse umso besser, je positiver das Betriebsklima und vor allem der Führungsstil des jeweiligen Vorgesetzten von den Mitarbeitern empfunden wird. Im Umkehrschluss ist also davon auszugehen, dass Chefs, die ihre Belegschaft lediglich als Kostenfaktor wahrnehmen, auf Dauer einerseits die Gesundheit der Mitarbeiter aufs Spiel setzt und auf der anderen Seite dem Betriebsergebnis deutlich schaden. Ein Team von Professoren für Gesundheitsmanagement haben diesbezüglich heraus gefunden, dass gerade die Wertschätzung des jeweils direkten Vorgesetzten in einem besonderen Masse auf das Engagement der Mitarbeiter Wirkung zeigt.

Innovative Idee: Führerschein für Führungskräfte mit integrierten Schadensklassen

Also kann grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass Unternehmen, die gute zwischenmenschliche Beziehungen pflegen und somit über ein hohes Sozialkapital verfügen, ihre Unternehmenskultur auch an den eigenen Mitarbeitern ausrichten und nicht zuletzt einen wertschätzenden Führungsstil verfolgen, die prinzipiellen Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg mitbringen. Das Professoren-Team schlägt diesbezüglich dann auch einen Führerschein für Führungskräfte vor, der verschiedene Schadensklassen enthält. So können Sozialversicherungsträger Betriebe belohnen, die in das Wohl ihres Personals investieren. Wer aber aufgrund eines schlechten Führungsstils für Frühverrentungen bzw. hohe Krankenstände sorgt, kann über höhere Sozialbeiträge abgestuft werden. Werden die eigenen Mitarbeiter also nicht „gepflegt“, wird die Firma abgestuft und muss zahlen. Das klappt bei Autofahrern schliesslich auch …

 

Oberstes Bild: © wavebreakmedia – Shutterstock.com


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