Das Ende der Riesen

28.10.2014 |  Von  |  Organisation
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Das Ende der Riesen
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Eine neue Entwicklung in der globalen Wirtschaft zeichnet sich deutlich ab. Während mit dem Fortgang des alten Kapitalismus immer mehr Grossunternehmen und Konzerne entstanden, erfolgt jetzt die zunehmende Aufspaltung von Grossunternehmen in kleinere Sparten. Dahinter stecken offenbar ebenso wirtschaftliche Interessen wie politische Zielstellungen.

Die Selbstzerschlagung von Konzernen spricht dafür, dass ein umfassender Wandel in der Wirtschaft stattfindet, der die Arbeitswelt im Allgemeinen umkrempeln kann. Und das nicht nur zum Vorteil der Arbeitnehmer in den betroffenen Wirtschaftseinheiten. Erste Untersuchungen zeigen, dass der wirtschaftliche Aspekt der Unternehmenszerlegung in erster Linie in der Abspaltung profitabler beziehungsweise unprofitabler Geschäftszweige liegt.



Ein Gespenst geht um in der Welt

Immer häufiger lesen wir Meldungen, aus denen hervorgeht, dass sich grosse Unternehmen in einzelne Sparten aufteilen. Nicht nur HP, Siemens oder Thyssen-Krupp sind hier deutliche Beispiele. Auch viele andere Unternehmen vor allem in Europa und in den USA verändern ihren unternehmenspolitischen Auftritt. Verbunden sind solche Zerlegungen meist mit einem Verlust von Arbeitsplätzen, aber auch mit der Bildung neuer Unternehmensbereiche.

Vor allem für die betroffenen Arbeitnehmer stellt die Zergliederung von Grossunternehmen eine deutliche Gefährdung von Arbeitsplätzen und im Einzelfall auch der Tarifsicherheit dar. So werden gerade von weltweit operierenden Konzernen Tausende Arbeitsplätze im Zusammenhang mit der Aufsplittung von Grossunternehmen gestrichen.

Was bringt die Unternehmensaufsplittung?



Für die Grossunternehmen, die einzelne Bereiche nunmehr als neue, selbstständige Unternehmensbereiche ausgliedern, bringt diese Aufsplittung vor allem wirtschaftliche Vorteile. Meist werden dabei profitable Unternehmensbereiche von weniger erfolgreichen abgetrennt, so dass neue Player auf dem Weltmarkt entstehen. Manchmal werden schwächere Teile an Interessenten verkauft und schmälern dann nicht mehr das Unternehmensergebnis.

Auch das Abtrennen von Unternehmensbereichen mit einem eher weniger positiven Image dient solchen wirtschaftlichen Interessen. Oftmals wird geglaubt, eine solche Zerlegung diene der Rückorientierung auf erfolgreiche Strategien und Produkte. Das allerdings stellt sich meist als Irrtum heraus. Hier geht es weniger um die Wiederbesinnung auf die eigentliche Unternehmenspolitik, sondern vielmehr um die Sicherung des nachhaltigen Erfolges der Kernunternehmen.

Was zunächst positiv klingt, hält aber auch die sprichwörtliche Kehrseite der Medaille bereit. Und die zeigt sich in einer veränderten Unternehmensphilosophie genauso wie in der Bedrohung von Arbeitsplätzen im Rahmen der Restrukturierung.

Grössere Unternehmen sind nicht per se erfolgreicher

Ein anderer Grund für die freiwillige Zerschlagung grosser Konzerne ist die Einsicht, dass Grossunternehmen nicht per se erfolgreicher sind. Der bisherige ungehemmte Drang nur nach objektiver Grösse hat oftmals zu einer Verflechtung von Unternehmensbereichen und Hierarchien geführt, die mittlerweile unüberschaubar geworden sind. Das gilt gerade dann, wenn sich ein Grossunternehmen in vielen unterschiedlichen wirtschaftlichen Bereichen engagiert.

Dann geht schnell die Übersicht darüber verloren, wer hier wofür zuständig und verantwortlich ist und wo die eigentlichen Verantwortungen und Zielstellungen liegen. Nicht selten wurden wenig erfolgreiche Unternehmensteile auch von den erfolgreichen Bereichen regelrecht subventioniert, was durchaus auch zu Wettbewerbsverzerrungen geführt hat.



Wenn sich beispielsweise eine Sparte eines Grossunternehmens mit der entsprechenden wirtschaftlichen Kraft um einen öffentlichen Auftrag bewirbt, sind hier die Voraussetzungen für den Gewinn der Ausschreibung deutlich besser als für ein kleineres konkurrierendes Unternehmen. Damit könnte mit der zunehmenden Zerschlagung der Konzerne in ferner Zukunft auch einmal Schluss sein.

Immer mehr Grossunternehmen und Konzerne gliedern sich in einzelne Sparten auf.(Bild : Pressmaster / Shutterstock.com)

Immer mehr Grossunternehmen und Konzerne gliedern sich in einzelne Sparten auf.(Bild : Pressmaster / Shutterstock.com)

Politik nicht unbeteiligt

Vor allem die Finanz- und Steuerpolitik ist an der Neustrukturierung vieler Grossunternehmen nicht ganz unbeteiligt. Mit dem Zerlegen eines Konzerns in seine unterschiedlichen Sparten ändern sich selbstredend auch finanzpolitische und steuerliche Aspekte. Darüber hinaus wird für die Unternehmen die Gefahr geringer, kartellrechtlich in den Fokus des Interesses zu geraten.



Interessant dabei dürfte sein, wie ernsthaft die Abspaltung von Unternehmensteilen wirklich betrieben wird. Oftmals firmieren abgetrennte Unternehmensteile einfach als Tochterfirmen des Kernunternehmens weiter, allerdings mit anderen Bedingungen. Selbst Lohnstrukturen lassen sich aufweichen, wenn ein Unternehmensteil vom Konzern abfällt. Dann nämlich können auf der Basis beispielsweise von Änderungskündigungen neue arbeitsrechtliche und lohnrechtliche Bedingungen ausgehandelt werden, die sich in der Folge nicht immer als günstiger für die betroffenen Arbeitnehmer erweisen.

Natürlich kann die Zerschlagung von Grossunternehmen aus eigener Initiative heraus auch positive Aspekte mit sich bringen. Die beziehen sich allerdings meist nur auf die Konkurrenten und auf die Auswahl zwischen unterschiedlichen Anbietern eines Produktes. Positiv dürfte sich oftmals auch die Tatsache herauskristallisieren, dass sich die Kernunternehmen wieder mehr auf ihre ursprüngliche Kompetenz besinnen und so erfolgreicher am Markt auch im Sinne der Kunden agieren können.

Die Kürze dieses Beitrages ist leider nicht dazu geeignet, die Tendenz der Selbstzerschlagung grosser Unternehmen und Konzerne genauer zu untersuchen. Dafür braucht es eine ganz gezielte Analyse der einzelnen betroffenen Unternehmen und eine durchaus breitere Betrachtung der Umgebungsvariablen. Festzustehen scheint indes, dass die Zerlegung grosser Unternehmen in einzelne Geschäftsbereiche vor allem dem jeweiligen Mutterunternehmen selbst zum Vorteil gereichen dürfte und entsprechend forciert werden wird.




 

Oberstes Bild: © Pressmaster – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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