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Fachkräftemangel im technischen Bereich: Die Probleme fangen in der Schule an

09.09.2014 |  Von  |  Allgemein

Geschätzte Lesezeit: 7 minutes

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In der öffentlichen Debatte in der Schweiz beansprucht der drohende Fachkräftemangel immer grösseren Raum. Nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Politik ist alarmiert. Aus der Perspektive der IT- und Technik-Branche beginnen die Probleme bereits im Bildungswesen: Die Schulen vermitteln oft nicht genügend Wissen für eine IT- oder Ingenieurskarriere.

Die Softwarefirma Ergon Informatik mit dem Standort Zürich zählt im IT-Bereich zu den einheimischen Stars. 2012 wurde sie mit dem “Swiss Arbeitgeber Award” als bester Arbeitgeber in der Branche ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielt das Unternehmen auch einen Preis als bester Lehr- und Ausbildungsbetrieb für IT-Fachkräfte. Ergon Informatik müsste also eigentlich für Fachkräfte und Auszubildende besonders interessant sein und keinerlei Probleme haben, talentierte Mitarbeiter anzuziehen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Das mittelständische Unternehmen hat, ebenso wie viele andere technikorientierte Firmen auch, Schwierigkeiten, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden.

Bis 2020 fehlen in der Schweiz 25’000 Informatiker und Ingenieure

Der Branchenverband ICT-Berufsbildung prognostiziert, dass im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (ITC) bis zum Jahr 2020 rund 25’000 Fachkräfte fehlen werden. Dabei geht es nicht nur um IT-Experten, sondern auch um viele andere technische Berufe. Beispielsweise gibt es in der Schweiz auch zu wenige Ingenieure. Der Berufsverband Swiss Engineering hat dazu kürzlich seine rund 13’000 Mitglieder befragt – 70 % von ihnen teilen diese Wertung.

Mathematik und Naturwissenschaften – an vielen Schulen nicht im Fokus

Durch die sehr hohen Gehälter für technische Fachkräfte lässt sich das Problem nicht lösen. Der Medianlohn für Ingenieure liegt derzeit in der Altersgruppe über 45 Jahren bei mehr als 120’000 Franken. Auch junge Ingenieure können mit grosszügigen Salären rechnen, die Bestverdiener unter ihnen sind Informatiker mit einem Medianlohn von rund 90’000 Franken. Der Arbeitsmarkt für Techniker, Informatiker und Ingenieure ist jedoch unter anderem deshalb leer gefegt, weil nicht genügend Nachwuchs ausgebildet wird. Den Grundstein für den Fachkräftemangel im technischen Bereich legen aus Sicht der Unternehmen und Verbände bereits die Schulen: Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer würden oft vernachlässigt, entsprechende Begabungen weder erkannt noch gezielt gefördert. Als Resultat zögen zu wenige Schulabgänger die Wahl eines technisch-naturwissenschaftlichen Berufes in Betracht.

Qualifizierte Zuwanderung ist unverzichtbar

Allerdings werden eine verbesserte naturwissenschaftliche Ausbildung in den Schulen und neue Massnahmen zur Nachwuchsförderung nicht reichen, um das Problem des Fachkräftemangels zu beheben – auch der demografische Wandel beginnt sich hier immer stärker auszuwirken. Boris Zürcher, Chef des Bereiches Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), prognostiziert, dass die durch die Masseneinwanderungsinitiative vorgegebene Beschränkung der Zuwanderung den Fachkräftemangel in der Schweiz in absehbarer Zeit verschärfen und zu Wohlstandseinbussen führen könnte. Zürcher plädiert dafür, dass sich die Schweiz in ihrer Zuwanderungspolitik an anderen kleinen, jedoch wirtschaftsstarken Ländern orientiert. Konkret hat er dabei Luxemburg mit seinem hohen Ausländeranteil und einer starken Arbeitsmigration im Blick, was dort jedoch bisher keine gesellschaftspolitischen Konflikte nach sich zieht.

 

Oberstes Bild: © Robnroll – Shutterstock.com


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