Start-Ups finanzieren mit Familiendarlehen: So bleibt der Deal stressfrei

18.08.2014 |  Von  |  Start-up
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Start-Ups finanzieren mit Familiendarlehen: So bleibt der Deal stressfrei
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Für junge Unternehmer kann es eine grosse Erleichterung bedeuten, Gründungskapital nicht über eine Bank oder einen staatlichen Zuschuss generieren zu müssen, sondern es sich privat in der Familie leihen zu können. Allerdings sind mit dieser Art der Finanzspritze ganz eigene, potenzielle Fallstricke verbunden, die es zu umschiffen gilt.

Denn während das Darlehen von externen Quellen wie Finanzinstituten oder Risikoinvestoren auf rein vertraglichen Füssen steht und meist recht emotionslos abgewickelt wird, können Familienbande durch eventuell auftretende Unternehmensschwierigkeiten erheblich belastet werden. Gleichzeitig sind auch die potenziellen Geldgeber von gutem Willen und manchmal hohen Erwartungen, aber oft wenig Wissen motiviert – hier gilt es, von Anfang an ausreichend Information zu transportieren. Wir geben Tipps, wie Sie das familiäre Investment annehmen können, ohne dass es langfristig zu Uneinigkeiten kommt.



1. Seien Sie absolut transparent.

Natürlich sind Sie geneigt, Ihre Start-Up-Idee in den rosigsten Farben zu schildern, vor allem gegenüber Eltern oder Geschwistern. Schliesslich geht es hier um Ihre Vision und die möchten Sie anerkannt sehen. Wenn Sie aber nicht nur mit Ihrer Familie, sondern gleichzeitig auch mit Ihren möglichen Geldgebern sprechen, dann sind Sie auch zur Risikoevaluation verpflichtet. Denn nun geht es nicht mehr um Anerkennung, sondern um Teilnahme. Listen Sie die möglichen Risiken absolut klar und deutlich auf, am besten schriftlich in Form eines Businessplanes.

Machen Sie klar, dass so gut wie jedes neue Unternehmen schwierige Zeiten wird meistern müssen und dass Ihres hier wahrscheinlich keine Ausnahme bildet. Vermitteln Sie diese Transparenz auch kontinuierlich während des gesamten Gründungsprozesses und der Konsolidierungsphase, indem Sie Zwischenberichte liefern und offen für Nachfragen und Vorschläge bleiben.

2. Machen Sie sich keine Illusionen.



Wie transparent und professionell Sie die Darlehensvergabe auch immer planen und umsetzen, Sie werden mit Ihrer Familie als Geldgebern niemals die oft angenehm distanzierte, sachliche und zahlenbasierte Beziehung haben wie mit Ihrem Bankberater oder einem externen Business-Angel. Sie und Ihre Familie haben eine Geschichte, die von gemeinsamen Erfahrungen, Emotionen, Wertediskussionen und anderen Parametern bestimmt sind, die sich nicht versachlichen lassen. Die damit einhergehenden Erwartungshaltungen und persönlichen Bedürfnisse lassen sich zwar situativ ausklammern, wenn es um Geschäftliches geht, aber sie schwingen unbewusst konstant mit. Machen Sie sich also klar, wie Sie zum Darlehensgeber stehen und noch wichtiger, von welchen Emotionen dessen Bindung zu Ihnen geprägt ist. Das hilft Ihnen, im Konfliktfall die Reaktionen Ihres Gegenübers (und Ihre eigenen) richtig einzuschätzen und damit umgehen zu können.

Nehmen Sie Ihre Geldgeber ernst. (Bild: R. Gino Santa Maria / Shutterstock.com)

Nehmen Sie Ihre Geldgeber ernst. (Bild: R. Gino Santa Maria / Shutterstock.com)

3. Nehmen Sie Ihre Geldgeber ernst.

Ungeachtet des eben angesprochenen, emotionalen Prozesses: Ihre Darlehensgeber haben dieselbe Professionalität verdient wie jeder andere Investor. Versuchen Sie so viele formalisierende Elemente zu nutzen wie möglich: Schliessen Sie in jedem Fall einen juristisch geprüften Darlehensvertrag ab und bieten Sie zu vorab vereinbarten Intervallen Entwicklungsberichte an (vor allem, wenn es ein zinsfreies Darlehen ist). Warten Sie nicht darauf, dass Fragen gestellt werden. Verteilen Sie so viele Informationen wie möglich pro-aktiv.

Diese werden vielleicht nicht notwendigerweise gelesen oder stossen auf grosses inhaltliches Interesse. Aber darum geht es auch gar nicht. Wichtig ist, dass Sie kommunizieren, wie ernst Ihnen ein solides und professionelles Verhältnis ist. Wenn Ihre Familie dies wünscht, dann können Sie sogar zu wiederkehrenden Zeitpunkten richtiggehende Meetings anberaumen, um Ihre Geschäftsentwicklung zu präsentieren.

4. Vergegenwärtigen Sie sich vorhandene Erwartungen



Tun Sie dies vor dem Abschluss der Darlehensvereinbarung. Bleiben Sie dabei so objektiv und realistisch wie möglich – sagen Sie sich nicht „Das schaffe ich schon“, nur weil Sie dringend auf der Suche nach einer Finanzierungsmöglichkeit sind. Denn wenn Erwartungen im Raum stehen, die Sie unmöglich werden erfüllen können, kann Ihnen das das Leben immens erschweren. Seien Sie einfach offen und ehrlich und zeigen Sie anhand von Datenmaterial auf, warum bestimmte Vorstellungen nicht wirtschaftlich machbar sind oder so branchen-unüblich, dass Sie die entsprechenden Risiken nicht einzugehen bereit sind. Versuchen Sie auch, nicht formulierte, implizite Erwartungshaltungen zu erkennen und zu adressieren, vor allem wenn das Investment von den eigenen Eltern kommt – selbst wenn es in Hinblick auf Geld nie zuvor Probleme zwischen Ihnen gab.



5. Nutzen Sie niemals Familienfeiern für Business-Updates.

Ziehen Sie niemals Ihre Geldgeber bei der Silberhochzeit Ihrer Grosseltern beiseite, um noch einige Details abzuklären. Lassen Sie sich auch umgekehrt nicht in entsprechende Unterhaltungen oder Fragerunden ziehen, wenn Sie Ihren Finanzier in geselliger Runde sehen. Weisen Sie freundlich, aber bestimmt darauf hin, dass der Rahmen einfach nicht passt, Sie aber ansonsten für ein offenes Gespräch jederzeit zur Verfügung stehen.

6. Nehmen Sie nur das richtige Geld.

Damit sind Investitionen gemeint, deren Verlust keine existenzielle Bedrohung für das gebende Familienmitglied darstellt. Auch wenn diese natürlich schlussendlich selbst entscheiden, welches Risiko sie einzugehen bereit sind – Sie möchten nicht für alle Zeit dafür verantwortlich sein, jemand aus Ihrem nächsten familiären Umkreis in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht zu haben. Machen Sie diese Voraussetzung absolut deutlich und lassen Sie sich bestenfalls Belege geben, die die finanzielle Situation untermauern. Stellen Sie klar, dass es ein – wenn auch hoffentlich geringes – Risiko gibt, dass das investierte Geld für immer verschwinden könnte. Nur wenn Ihr Gegenüber mit diesem Szenario leben kann, sollten Sie die Finanzspritze annehmen.



 

Oberstes Bild: © Barbaroses – Shutterstock.com


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