Erfolge haben kurze, Misserfolge lange Beine

18.08.2014 |  Von  |  Organisation, Selbstmanagement
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Erfolge haben kurze, Misserfolge lange Beine
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Lange Beine gelten besonders bei Frauen als Schönheitsideal, bei Misserfolgen eher als Makel. Die Sicht der Dinge ändert sich mit der Veränderung der Perspektive, aus der wir sie betrachten. Gerade in Leistungsgesellschaften wie der unseren wird ausgiebig über Erfolge schwadroniert, Misserfolge werden eher verschwiegen oder schön geredet. Dabei haben Erfolge doch viel kürzere Beine und dürften so eigentlich nicht pauschal als etwas Schönes, Andauerndes betrachtet werden.

Bereits ab Kindesbeinen an wird uns eingetrichtert, dass wir uns anstrengen müssen, einen guten Notendurchschnitt schaffen müssen und viele dergleichen Lebensweisheiten mehr. „Und wenn du fällst, dann steh wieder auf!“ Wie schwierig es aber sein kann, mit den langen Beinen des Misserfolgs wieder auf Höhe zu kommen, wird gern verschwiegen.



Erfolg ist meist von kurzer Dauer

Wenn wir von Erfolg reden, sollten wir in erster Linie einmal unsere Sichtweise darauf klären, was Erfolg eigentlich ist. Während der Wenigverdiener sich stolz und erfolgreich schätzt, wenn er einmal im Jahr für eine Woche mit der ganzen Familie im Billigflieger zum Pauschalurlaub nach Mallorca fliegt, würden die Schönen und Reichen dieser Welt das eher als Schmach und Abstufung bewerten. Geschasst und in den Misserfolg gedrängt fühlen sich die Grössen des Business und der oberflächlichen Show-Gesellschaft, wenn sie doch einmal Fehler eingestehen oder dafür vielleicht sogar büssen müssen.

Erfolg ist also durchaus eine Sache der Betrachtungsweise und die ändert sich regelmässig mit dem erreichten Stand des Vermögens, der Arbeitsergebnisse, den Ansprüchen und der gesellschaftlichen Sicht darauf. Und in einer schnelllebigen Zeit wie der unseren bleibt der Erfolg aus dieser Sicht ein flüchtiger Geselle.

Misserfolge leben länger



Ganz anders stellen sich Misserfolge dar. In aller Regel treten sie schneller auf als der Erfolg, leben länger und wirken bedeutsamer auf das persönliche Leben und das gesellschaftliche Umfeld. Da hilft es auch nicht, einen Misserfolg als Teilerfolg zu deklarieren, nur damit das Scheitern schöner klingt. Und auch solche demagogischen Begrifflichkeiten wie Null-Wachstum sind nicht dazu geeignet, aus einem Stagnieren ein Wachstum, geschweige denn einen tragfähige Erfolg zu generieren.

Allein unsere Sprache zeigt schon, wie schwer wir uns in der Leistungsgesellschaft damit tun, Misserfolge und Scheitern als das zu bewerten, was sie sind. Nämlich eigentlich nichts Schlimmes, eher etwas Normales. Und wo keine Misserfolge, kein Scheitern, keine Fehler und keine Verlierer sind, da wird es auch keine Erfolge, Sieger und Gewinner geben.

Die eigentliche Problematik offenbart sich dort, wo die durchschnittliche Lebens- und Wirkungsdauer der Misserfolge mit denen der Erfolge verglichen wird. Um aus einem Misserfolg wieder schadfrei aufzustehen, bedarf es meist sehr langer Zeit, viel Ausdauer und einiger Mühen. Vor allem dann, wenn Gescheiterte im öffentlichen Blickwinkel stehen. Dann braucht es viel Zeit und Geduld, die Fehler aus dem öffentlichen Gedächtnis zu streichen und mit neuen Erfolgen vergessen zu machen.





Fehler gehören zum Leben. (Bild: Palto / Shutterstock.com)

Fehler gehören zum Leben. (Bild: Palto / Shutterstock.com)

Fehler gehören zum Leben

Eine ausschliesslich auf Erfolg und Leistung getrimmte Gesellschaft tut sich schwer damit, Fehler als Chancen einzugestehen. Bestenfalls wird dann davon gesprochen, dass doch jeder eine zweite Chance verdient hätte. Wie aber sieht es mit der dritten, vierten oder gar fünften Chance aus? Auch die hat sich jeder verdient. Wichtig ist es nur, die gleichen Fehler nicht immer wieder zu machen. Dafür dürfen aber auch andere Fehler passieren.

So fällt es beispielsweise in Insolvenz geratenen Menschen äusserst schwer, wieder in ein normales und geregeltes Leben zurückzukehren. Dabei fragt keiner nach den wirklichen Umständen der Insolvenz. Jeder sieht nur die Pleite, nicht aber die zigfachen Umgebungsvariablen, die zur Zahlungsunfähigkeit geführt haben. Ist der Status der Insolvenz dann einmal erreicht, fällt es äusserst schwer, sich daraus wieder zu befreien. Gläubiger schielen auf jeden verdienten Franken, Kollegen und Nachbarn tuscheln hinter vorgehaltener Hand, Geschäftspartner entziehen das Vertrauen und auf diese Weise wird der Weg aus den Schulden noch schwerer als nötig. Misserfolge haben eben lange Beine.



Dabei bietet gerade ein solch schwerwiegendes Scheitern beste Möglichkeiten, daraus neu und erfolgreicher wieder aufzustehen. Wenn man denn dürfte. Die Gesellschaft verzeiht Fehler ungern und auf Dauer auch nur selten. Dazu fehlt es in Leistungsgesellschaften einfach an einer ausgeprägten Fehlerkultur. Oftmals wird nur darauf gewartet, ob und wann jemand einen Fehler macht, um dann in diese Bresche zu schlagen und den eigenen Erfolg aus dem Misserfolg anderer zu generieren.

Fehler gehören zum Leben und bieten die Chance, es beim nächsten Mal besser oder einfach nur anders zu machen. Allerdings nur dann, wenn man darf und wenn es ein nächstes Mal gibt.

Theorie ist der Lebensrealität weit voraus

Wer mit offenen Augen durch die einschlägigen Regalreihen im Buchhandel schweift, entdeckt jede Menge mehr oder minder guter Ratgeber, wie mit Misserfolgen umzugehen sei. Die Schlagworte reichen hier von „Simplify Life“ bis hin zu „Think positive!“ Viel sinnvoller wäre „Down to earth“, denn auf dem Boden der Realitäten bleiben, immer wieder geerdet zu sein, ist für Erfolgreiche ebenso wichtig wie für die, die an kleinen oder grossen Fehlern gescheitert sind. Zeit also zum Umdenken und dafür, Erfolge als etwas Flüchtiges zu sehen, an dem es immer wieder zu arbeiten gilt. Und dabei kommt es eben auch immer wieder zu Fehlern.



 

Oberstes Bild: © karen roach – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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