Ihnen fehlen die Fachkräfte? Suchen Sie einfach anders!

15.08.2014 |  Von  |  Organisation
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Ein Gespenst geht um in Europa. Nein, nicht das Gespenst des Kommunismus. Fachkräftemangel heisst das böse Wort, das eine Entwicklung beschreibt, die längst schon hätte erkannt werden können, wenn man es denn gewollt hätte. Bequem gemacht haben es sich Unternehmer und Staatenlenker, die den Mangel an Arbeitskräften mit der Rekrutierung ausländischer Fachkräfte ausgleichen wollten. Aber auch im Ausland werden die Fachkräfte gebraucht.

In vielen Unternehmen ist aber nicht wirklich der allgemein grassierende Fachkräftemangel für unbesetzte Stellen verantwortlich zu machen. Vielmehr sind es völlig überalterte Bewerbungsprozedere und die Suche an der falschen Stelle, die dazu führen, dass viele Unternehmen ihre Fachkräfte nicht finden, obwohl diese fast schon vor der Tür wohnen.



Stellenausschreibung oftmals an der Sache vorbei

Die Suche nach dem perfekten Mitarbeiter nimmt oftmals skurrile Züge an. So werden immer wieder Stellenausschreibungen veröffentlicht, die eher eine technische Beschreibung ausgereifter Hochtechnologie-Produkte zu sein scheinen. Hier wird das Idealbild eines Mitarbeiters gezeichnet, der eher einer Maschine als einem Menschen aus Fleisch und Blut ähnelt. Das ist der grundsätzlich falsche Weg, wenn Sie engagierte Fachkräfte für Ihren Bereich suchen.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch die eher flapsigen Angebote, bei denen praktisch das Mädchen für alles, nicht aber der kompetente Facharbeiter gesucht wird. Irgendwo in der Mitte zwischen technokratischer und oberflächlicher Stellenbeschreibung liegt wohl der Königsweg. Und den sollten Sie finden. Helfen können dabei professionelle Recruiter, die wissen, wo und wie die passenden Arbeitnehmer und Spezialisten anzusprechen sind.

Weg vom alten Bewerbungsprozedere



Die Suche nach passenden Fachkräften ist meist von einem Bewerbungsprozedere begleitet, das angesichts der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt längst überholt erscheint. Melden sich auf eine Stellenausschreibung unterschiedlich viele Bewerber, dann beginnt das grosse Aussieben. Bewerbungsunterlagen werden gesichtet, formale Aspekte betrachtet, nach Ausbildungszeugnissen und Arbeitszeugnissen gefahndet, die besten zur Seite gelegt, die anderen zurückgeschickt. Nicht selten wird auch aufgrund reiner Äusserlichkeiten entschieden, ob ein Bewerber „ins Unternehmen passt“. Nach der groben Vorauswahl beginnt die Feinarbeit. Jetzt werden die übrig gebliebenen Bewerber eingeladen und in mehr oder minder sinnvollen und durchstrukturierten Bewerbergesprächen immer wieder nach demselben Schema befragt. Nicht selten werden auch Dinge abgefragt, die gar nicht gefragt werden dürfen.

Gesucht wird der ideale Mitarbeiter, der perfekt ins Team passt und dort eine möglichst unauffällige, aber wertvolle Arbeit leistet. Oft wird hier von beiden Seiten gelogen, geflunkert oder mit mehr oder weniger schauspielerischem Geschick eine Rolle gespielt. Irgendwann fällt dann die Entscheidung, die sich nicht selten als falsch herausstellt.

Dabei gibt es auch zunehmend Fälle, in denen mit der Ausschreibung gar kein Bewerber gefunden wurde. Das liegt zum einen an oftmals völlig überfrachteten Stellenangeboten, unattraktiven Prämissen und immer wieder auch ganz einfach an der Suche an den falschen Stelle. Wer gezielt Mitarbeiter sucht, spricht diese dort an, wo sie sich bewegen. Internetspezialisten findet man im Internet, Maschinenbauer in Tages- und Fachzeitschriften, Krankenhauspersonal in einschlägigen Magazinen und natürlich auch über den Weg der Ausschreibung in der Presse und im Internet. Und wenn scheinbar gar nichts mehr geht, können sogar regionale Radiosender die passende Lösung sein.

Vergessen Sie Zeugnisse, schauen Sie nach Persönlichkeitseigenschaften. (Bild: Adam Gregor  / Shutterstock.com)

Vergessen Sie Zeugnisse, schauen Sie nach Persönlichkeitseigenschaften. (Bild: Adam Gregor / Shutterstock.com)

Vergessen Sie Zeugnisse, schauen Sie nach Persönlichkeitseigenschaften

Schulzeugnisse und Arbeitszeugnisse sind nur bedingt aussagekräftig. Hier wird oftmals in Ziffern, bei Arbeitszeugnissen zudem recht subjektiv über die Fähigkeiten und Fertigkeiten, Leistungen und Motivationen geurteilt. Damit ergibt sich immer wieder ein verschobenes Bild des möglichen künftigen Mitarbeiters, der aufgrund der Abweichungen vom Idealzustand schnell einmal mit ausgesiebt wird.



Was ist mit dem hoch spezialisierten Monteur, der in der vorhergehenden Anstellung lediglich die falschen Chefs und unpassende Arbeitsbedingungen vorgefunden hat? Dieser wird sicherlich kein überzeugendes Arbeitszeugnis haben, kann aber die genau richtige Person für die bei Ihnen vakante Stelle sein. Aufgrund der reinen Sachlage in den Zeugnissen werden Sie das nicht erfahren.



In einem anderen Beitrag habe ich bereits beschrieben, warum die praktische Erprobung von Bewerbern besser sein kann als die Beurteilung allein auf der Basis formaler Bewerbungen. Lassen Sie die Bewerber einfach dort arbeiten, wo diese künftig tätig sein werden. Dann sehen Sie schnell, wie sie mit der konkreten Arbeit klarkommen, ob sie ins Team passen und mit welcher Motivation sie auftreten. Ein klareres Bild können Sie kaum erlangen.

Und wenn das nicht geht, dann lassen Sie alle Bewerber an einem konkreten Projekt arbeiten. Vergleichbare Ergebnisse zeigen dann, wer am besten zu Ihrem Unternehmen passen dürfte. Ganz unabhängig von irgendwelchen Zeugnissen und worthülsenbeladenen Gesprächsrunden, in denen Sie selten etwas über die wahre Motivation erfahren.

Mittlerweile gibt es Chefs, die Ihre Bewerber danach fragen, ob diese glücklich sind. Ganz einfach aus dem Wissen heraus, dass ein Mitarbeiter, der mit sich und seiner Umwelt im Reinen ist, motivierter an die Arbeit geht als ein Akademiker, der ständig an sich selbst zweifelt und überall nur die Nachteile, kaum aber Vorteile entdeckt und allgemein zum Griesgram mutiert.

Neue Wege sind also auch im Recruiting angesagt, damit das Gespenst des Fachkräftemangels sein hässliches Gesicht verliert.



 

Oberstes Bild: © Photographee.eu – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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