Die Nachfolgeregelung in mittelständischen Unternehmen – gern verdrängt und doch eine zentrale Aufgabe

27.05.2014 |  Von  |  Finanzen, Organisation
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Die Nachfolgeregelung in mittelständischen Unternehmen – gern verdrängt und doch eine zentrale Aufgabe
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Seit Mitte der 90er-Jahre findet insbesondere in kleineren und mittleren Unternehmen, den sogenannten KMU, ein Generationenwechsel statt, der nicht immer mit der Übergabe des Stabes an die nächste Generation endet. Stattdessen steht eine Vielzahl dieser Betriebe ohne Nachfolger zur Disposition, mit der Folge, dass das Unternehmen verkauft oder der Geschäftsbetrieb ganz eingestellt wird. Unternehmensübertragungen in den verschiedenen Varianten sind nicht nur in der Schweiz ein bedeutsames Thema, sondern betreffen nahezu alle europäischen Staaten, darunter Österreich, Italien, Schweden, Frankreich, Grossbritannien und Deutschland.

Die aktuelle Situation



Schätzungen zufolge wird mindestens ein Viertel aller kleinen und mittleren Betriebe zumindest in der Schweiz auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger erfolglos bleiben. Die häufigsten Gründe für das Scheitern von Nachfolgeregelungen sind ein Kaufpreis, der von der Realität weit entfernt ist, und eine fehlende wirtschaftlich tragfähige Basis für eine sichere Existenz. Ein wichtiger Grund ist häufig auch die Tatsache, dass der Inhaber den richtigen Zeitpunkt und eine Planung für die Übergabe des Stabes an die nächste Generation oder für die Suche nach geeigneten Nachfolgeregelungen schlichtweg verpasst hat.

Gründe für die Notwendigkeit einer Unternehmensübertragung

Die Unternehmensnachfolge wird zunächst immer mit dem Alter eines Firmeninhabers in Verbindung gebracht. Doch es gibt eine Vielzahl weiterer Gründe, die eine Unternehmensübertragung zwingend erforderlich machen und durch eine rechtzeitige Nachfolgeplanung abgefedert werden könnten. Zu den Ursachen dieser unerwarteten Nachfolgeregelungen gehören beispielsweise Unfälle, Krankheiten oder Todesfälle, aber auch Ehescheidungen und andere familiäre Auseinandersetzungen. Darüber hinaus gibt es auch Inhaber, die aus verschiedenen Gründen einfach aussteigen und mit dem Verkauf des Unternehmens Kasse machen möchten.

Varianten der Unternehmensnachfolge



Die Standardlösung für die Unternehmensnachfolge ist die Nachfolge innerhalb der Familie, indem der Stab an die nächste Generation, den Sohn oder die Tochter oder auch an mehrere Kinder weitergereicht wird. Tatsächlich sieht die Realität anders aus und nur rund die Hälfte der Kinder übernimmt das Familienunternehmen, und diese Tendenz nimmt zu. Andererseits kommt es deshalb immer häufiger zu Verkäufen an externe Führungskräfte, an einen qualifizierten Mitarbeiter, an Existenzgründer oder an andere Unternehmen, wobei sich auch der Anteil ausländischer Unternehmen als Käufer erhöht. Eine noch vergleichsweise kleine Anzahl von Unternehmen wird mangels Nachfolger auch stillgelegt.

Neben diesen am häufigsten vorkommenden Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge gibt es noch weitere Alternativen. Dazu gehört beispielsweise die schrittweise Übertragung des Familienunternehmens, wenn eine vollständige Unternehmensübertragung zum angestrebten Zeitpunkt noch nicht möglich ist. Denkbar ist auch eine schrittweise Übertragung durch die Beteiligung eines oder mehrerer Nachkommen mittels einer gesellschaftsrechtlichen Beteiligung an einer Personen- oder Kapitalgesellschaft. Auf diese Weise erhält der Nachfolger die Möglichkeit, sich in den Betrieb einzuarbeiten oder sich über Jahre hinweg, beispielsweise durch ein Studium, durch Fortbildungen oder Auslandsaufenthalte entsprechend zu qualifizieren.

Emotionen, die der Planung im Wege stehen



Es ist wichtig, sich als Inhaber frühzeitig mit der Unternehmensnachfolge zu befassen. Zumeist laufen diesbezügliche Mahnungen und Aufforderungen ins Leere, was daran liegt, dass der Inhaber überhaupt nicht bereit ist, an seinen Abgang zu denken, geschweige denn ihn zu planen. Das Gefühl, noch nicht aufhören zu können beziehungsweise zu wollen, weil der Weggang gleichbedeutend mit dem Verlust des Lebenswerkes ist, dominiert und zögert die lästige Nachfolgefrage weiterhin hinaus.

Zukünftige Probleme sind vorprogrammiert, denn die Realität zeigt, dass der Generationenwechsel nun durch Krankheit, Unfall oder Tod quasi erzwungen wird. Weitere Probleme und mögliche Fehlentscheidungen folgen, weil der Wechsel nun überhastet, schlecht vorbereitet und nicht geplant vollzogen werden muss. Jeder Inhaber sollte sich bewusst sein, dass es sich bei der Unternehmensnachfolge um eine unternehmerische Grundsatzentscheidung handelt, die massgeblich ist für die weitere Entwicklung seines Unternehmens.

Wenn das Unternehmen verkauft werden soll



Wer sich für einen Verkauf als Unternehmensnachfolge entscheidet, sollte sich als Inhaber auch hier bewusst sein, dass ein Unternehmensverkauf nur dann erfolgreich verläuft, wenn das Unternehmen bestimmten Anforderungen genügt. Nur mit einem wirtschaftlich rentablen und wettbewerbsfähigen Betrieb lässt sich ein guter Verkaufspreis erzielen. Grundlage für den Verkauf ist ein professionell ermittelter Unternehmenswert, der Nachprüfungen standhält.

Der Unternehmensverkauf sollte auf einer exakten Planung basieren und die Umsetzung in verschiedene Teilaspekte gliedern. Dazu gehören unter anderem eine detaillierte Abstimmung und Optimierung der Inhalte des Kaufvertrages, Verhandlungen über den Kaufpreis auf der Grundlage des ermittelten Unternehmenswertes, die aufwendige Klärung der steuerlich optimalen Lösungen, das Erarbeiten des Vertragsentwurfes sowie die Ausarbeitung eines langfristigen Zeitplanes für die professionelle Umsetzung, wobei der Erfolg all dieser Bemühungen letztendlich mit dem Ergebnis der Finanzierungsverhandlungen des Käufers steht und fällt.

Ebenfalls beim Unternehmensverkauf zu berücksichtigen sind eine Analyse und die Sicherung der Altersversorgung des Inhabers und eine individuelle Erbregelung. Aufgrund der Vielzahl von Massnahmen und Entscheidungen ist die konkrete Umsetzung einer Unternehmensnachfolge im Falle eines Unternehmensverkaufs ein langwieriger Prozess, der einen zeitlichen Rahmen von sechs Monaten bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen kann.



 

Oberstes Bild: © Suzanne Tucker – Shutterstock.com


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