Wenn Mitarbeiter in den Ruhestand gehen

14.05.2014 |  Von  |  Allgemein, Organisation
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Wenn Mitarbeiter in den Ruhestand gehen
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Der demografische Wandel hat die Schweizer Unternehmen längst erreicht. Das wird besonders dann deutlich, wenn man sich die Altersstruktur in den Firmen genauer anschaut.

Über ein Drittel der Schweizer Wohnbevölkerung ist zwischen 40 und 64 Jahre alt; ähnlich sieht das auch in den Unternehmen aus. Der Anteil der älteren Arbeitnehmer steigt, junge Berufstätige werden zur Mangelware. Was wird, wenn immer mehr Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen, und wie sich Unternehmen darauf vorbereiten können, beschreibt dieser Beitrag.



Altersstruktur im Betrieb erfassen

Unternehmen, die auch auf zukünftige Entwicklungen vorbereitet sein wollen, erfassen unter anderem auch die Altersstruktur ihrer Beschäftigten. Damit lässt sich ein Überblick darüber gewinnen, wie sich die Mitarbeiterschaft zusammensetzt und welche demografischen Entwicklungen im Mikrokosmos Unternehmen zu erwarten sind.

Auf der Grundlage einer solchen Altersstruktur wird auch deutlich, wann mit dem altersbedingten Ausscheiden einzelner Mitarbeiter zu rechnen ist. Nur in den wenigsten Fällen kann davon ausgegangen werden, dass Beschäftigte auch nach dem Erreichen des Pensionsalters dauerhaft im Unternehmen verbleiben wollen und können.

Nachwuchsgewinnung planen



Ist erst einmal erkannt, wie viele Arbeitnehmer altersbedingt in den nächsten Jahren das Unternehmen verlassen werden, wird auch klar, welcher Bedarf an nachrückenden Beschäftigten eintreten wird. Dabei geht es nicht einfach nur um Zahlen, sondern auch um die berufliche Stellung im Unternehmen.

Ein Auszubildender kann nicht einen ausscheidenden Abteilungsleiter ersetzen, so dass neben der rein zahlenmässigen Auffrischung des Mitarbeiterbestandes auch die Besetzung von Funktionen in Betracht gezogen werden muss. Dadurch entsteht in vielen Unternehmen eine regelrechte Umschichtung der Mitarbeiterschaft, die nicht selten zu Unruhe in der Belegschaft mit all den entsprechenden Problemen führt.

Bei der Planung des Mitarbeiternachwuchses ist also zu bedenken, dass nicht einfach nur Stellen, sondern eben auch Funktionen neu besetzt werden müssen. Dazu wird ein ausreichendes Mass an Zeit erforderlich sein, um geeignete Mitarbeiter auf neue Arbeitsinhalte vorzubereiten und andererseits den Nachwuchs an Auszubildenden zu sichern. Selbstverständlich können auch fertig ausgebildete, gut qualifizierte Bewerber im Rahmen der üblichen Stellenausschreibungen gesucht werden. Diese sind dann allerdings meist auch schon in einem reiferen Alter und verändern die Altersstruktur im Unternehmen nur selten nachhaltig. Darüber hinaus sind sie mit den betrieblichen Abläufen weniger vertraut und müssen erst in das Unternehmen integriert und eingearbeitet werden.

Wenn der letzte Arbeitstag naht

Der letzte Arbeitstag für den Pensionsanwärter rückt näher. Jetzt beschäftigen sich die langjährigen Arbeitnehmer zunehmend mit Gedanken an den Ruhestand. Während sich die einen unbeeindruckt darauf freuen, wollen andere nicht abrupt und vollkommen aus dem Unternehmen ausscheiden. Immerhin haben sie hier einen guten Teil ihres Lebens verbracht und möchten jetzt nicht einfach nur zum alten Eisen gehören.

Auch für die Personalverantwortlichen im Unternehmen tickt jetzt die Uhr lauter. Für den pensionsreifen Mitarbeiter ist Ersatz zu finden. (Bild: Zerbor / Shutterstock.com)

Auch für die Personalverantwortlichen im Unternehmen tickt jetzt die Uhr lauter. Für den pensionsreifen Mitarbeiter ist Ersatz zu finden. (Bild: Zerbor / Shutterstock.com)

Auch für die Personalverantwortlichen im Unternehmen tickt jetzt die Uhr lauter. Für den pensionsreifen Mitarbeiter ist Ersatz zu finden, das Ausscheiden aus dem Berufsleben des Seniors muss vorbereitet werden. Dabei gibt es zwei, manchmal auch drei Möglichkeiten:



  1. Man entlässt den Pensionär ohne grosses Tamtam in den Ruhestand.
  2. Gemeinsam mit dem Ruheständler wird eine Phase des Übergangs vereinbart und ausgestaltet.
  3. Es wird die Möglichkeit eingeräumt, zumindest teilweise im Unternehmen zu verbleiben.

Hier muss zwischen dem künftigen Pensionär und dem Unternehmen selbst eine Regelung gefunden werden, die beiden Seiten am ehesten entspricht. Viele Unternehmen ziehen es vor, ihre Pensionäre einfach in den Ruhestand zu entlassen. Oftmals ist dann eine kleine Feier der reguläre Schlusspunkt eines langen Arbeitslebens.

Mit einem solchen abrupten Wechsel wird nicht nur so mancher Ruheständler selbst Probleme haben. Auch die Unternehmen verzichten hier vorschnell und unbedacht auf einen reichhaltigen Fundus an beruflichen Erfahrungen und menschlicher Reife, die sich auch nach dem Erreichen des Pensionsalters weiter für das Unternehmen nutzen liesse.

Den Ruhestand in Phasen vorbereiten

Klügere Unternehmen gestalten den Wechsel ihrer Mitarbeiter in gut strukturierten Phasen. Rechtzeitig vor dem absehbaren Ruhestand wird mit dem künftigen Pensionär der Wechsel in die neue Lebensphase vorbereitet. Dabei spielen persönliche Belange eine ebenso wichtige Rolle wie die Interessen den Unternehmens.

Bereits einige Monate vor dem offiziellen Ausscheiden des Mitarbeiters wird ein geeigneter Nachfolger gesucht. Dieser kann dann bei entsprechender Eignung vom künftigen Pensionär selbst am konkreten Arbeitsplatz eingearbeitet werden. Damit übergeben die Pensionäre nicht einfach nur Ihren Schreibtisch, sondern auch einen grossen Fundus an beruflichen Erfahrungen und menschlicher Reife.



Im Prozess der Übergabe des Arbeitsplatzes muss der pensionsreife Mitarbeiter am Tag X nicht sang- und klanglos das Unternehmen verlassen. Bei guter Vorbereitung und entsprechend ausgestalteten individuellen Verträgen kann der ältere Arbeitnehmer auch eine längere Phase des Übergangs in den Ruhestand wahrnehmen. Diese Phase kann auch über das eigentliche Pensionsalter hinausreichen und dann eine stundenweise Mitarbeit des Pensionärs im Unternehmen erlauben.

Damit geht die Ausgestaltung des Wechsels in den Ruhestand in die dritte Variante über, in der auch Pensionäre ein Teil der Belegschaft des Unternehmens bleiben und dort immer dann aktiv werden können, wenn ihre Kompetenz gefragt ist und sie das selbst wünschen.

Letztere Regelung ist übrigens für viele Ruheständler und Unternehmen die attraktivste Lösung, die beiden Seiten Vorteile einräumt, ohne in zwingende Abhängigkeiten zu führen.



 

Oberstes Bild: © Patrizia Tilly – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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