Frauen in die Unternehmen!?

13.05.2014 |  Von  |  Organisation
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Frauen in die Unternehmen!?
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Frauen in die Unternehmen – eine Aufforderung und Frage zugleich, wie die Interpunktion des Titels erahnen lässt. Nicht erst seit den umfangreichen Diskussionen um die sogenannte Frauenquote ist das Thema aktuell.

Die Thematik der Frauenbeschäftigung kann durchaus aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden, die wir hier leider nur anreissen können. Dabei werden einige widerstreitende Ansichten ebenso offenbar wie gesellschaftspolitische Entwicklungen, die vor allem von der Wirtschaft und den Lobbyisten genau so gewollt sind, gern aber völlig anders dargestellt werden.



Frauen haben nicht selten andere Lebenskonzepte

Es erscheint so, als ob Frauen in der Schweiz und anderswo nicht arbeiten dürften oder könnten. Dabei ist ein Grossteil der Frauen in der schulischen Bildung und in der gewünschten Berufsausbildung genauso hoch qualifiziert wie die Männer.

In Wahrheit sind es oftmals andere Lebenskonzepte, die viele Frauen von einer geregelten beruflichen Tätigkeit über Jahrzehnte hinweg abhalten. Frauen sind letztlich auch die Teile unserer Gesellschaft, die Kinder gebären, einen wichtigen Teil des Aufwachsens der Kinder begleiten wollen und im Austausch dazu nicht ihre Lebenszeit in Büros und an Werktischen verbringen möchten. Auf dieses weitverbreitete Lebenskonzept ist die Arbeitswelt, so, wie sie sich jetzt noch darstellt, nicht eingerichtet.

Dazu kommt eine Menge an Frauen, die wegen ihrer ethnischen und kulturellen Herkunft gar nicht arbeiten wollen, sondern in erster Linie aus freien Stücken und Überzeugung heraus den Haushalt und das Familienleben managen. Auch das ist ein wichtiger Teil an gesellschaftlicher Arbeit, sorgen doch gerade diese Frauen dafür, dass die Männer im Beruf den Rücken frei haben. Darüber hinaus werden hier auch Kinder als die Zukunft der Gesellschaft aufgezogen, fürsorglich betreut und über das Schulwesen hinaus gebildet.



Nicht strittig ist dabei, dass viele Frauen arbeiten wollen. Und zwar genauso verantwortungsvoll, qualifiziert und anerkannt wie ihre männlichen Kollegen.



Es ist also weniger die arbeitspolitische Grundhaltung unserer Gesellschaft als vielmehr ein teils selbst gewählter Lebensstil, der Frauen zumindest zeitweise nicht am Arbeitsleben teilnehmen lässt. Wer wirklich arbeiten will, kann das mit einer entsprechenden Bildung auch tun. Das gilt auch für Frauen! Dann sollten Frauen aber auch in gleichwertigen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten können.

Frauenquote als Instrument gegen den Fachkräftemangel

Der Ruf nach einer Frauenquote in den Unternehmen rührt weniger daher, dass sich Frauen im Arbeitsalltag nicht gebraucht fühlen würden. Vielmehr sind es die Wirtschaft und die Politik selbst, die erkannt haben, dass sie dem grassierenden Fachkräftemangel in der Wirtschaft nur Herr werden können, wenn sie zunehmend auch mehr Frauen in die Berufstätigkeit drängen.

Es wird ein öffentliches Bild entwickelt, in dem Frauen als unterprivilegierte Wesen dargestellt werden, die sich jetzt endlich von den Fesseln des Haushalts und der Kinderbetreuung befreien sollten. In Wirklichkeit stellt sich die Situation so dar, dass ein gut ausgebildeter Facharbeiternachwuchs in den Betrieben nur auf der Grundlage männlicher Auszubildender und junger Facharbeiter nicht mehr zu rekrutieren ist. Das geht auch aus der demografischen Entwicklung in der Wohnbevölkerung der Schweiz hervor.



Hier wird also ein doppeltes Spiel gespielt. Auf der einen Seite wird vermittelt, nicht berufstätige Frauen seien unterdrückt und wenig selbstbestimmt, auf der anderen Seite werden gerade jetzt Frauen genötigt, den Fachkräftemangel aufzuhalten und vakante Stellen in den Unternehmen zu besetzen.

Frauen brauchen keine Quote

Kommt man mit Frauen über die Frauenquote ins Gespräch, dann zeigen sich viele enttäuscht und verärgert. Über Jahrzehnte hinweg war das gesellschaftliche Leben so ausgerichtet, dass die Männer mit ihrem Einkommen den Familienunterhalt sichern konnten und die Frauen nicht ungern das Leben in der Familie organisiert haben. Dort, wo Frauen arbeiten wollten, konnten sie das auch tun, allerdings unter deutlich schlechteren Umständen als ihre männlichen Kollegen. Als Stichpunkt sei hier der geringere Lohn für Frauen bei gleichwertiger Arbeit genannt.

Auch das hat viele Frauen von einer Berufstätigkeit ferngehalten, da sie sich von einem solchen System der Ungleichbehandlung nicht versklaven lassen wollten. Dazu kommt, dass möglichst Frauen gesucht wurden, die keine Kinder bekommen wollten, damit sie möglichst lange und ohne unbequeme Umstände in den Unternehmen verbleiben konnten.

„Wir Frauen brauchen keine Quote!“, ist der überwiegend einheitliche Tenor. Frauen wollen nicht deshalb in Unternehmen beschäftigt sein, weil das eine Quote verlangt, sondern weil sie es können und wollen. Und zwar in jeder Position, nicht nur in den Etagen der Aufsichtsräte. Allerdings wollen die Frauen gleichberechtigte und gleichverpflichtete Kollegen ihrer männlichen Mitarbeiter sein. Mit gleichen Löhnen, mit gleichen Pensionen und mit gleichen anderen Leistungen.

Und dann erscheint es noch wichtig, dass die Zeiten der Schwangerschaft, Geburt und Kinderbetreuung nicht quasi als Krankheiten betrachtet werden, sondern als ein wertvoller Beitrag zum Erhalt einer modernen Gesellschaft. Hier kommen auch andere Arbeitszeitmodelle ins Gespräch, die die besondere natürliche Rolle der Frau berücksichtigen müssten.

Wer hier die Frauenquote missbräuchlich als Instrument der Arbeitsmarktregulierung einsetzt, muss sich nicht wundern, wenn das nicht ohne gesetzliche Festschreibungen funktioniert, die allerdings für eine noch tiefer gehende Diskriminierung der Frauen in unserem Land sorgen.

 



Oberstes Bild: © Pressmaster – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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