Frauen verschenken bei Bewerbungen oft Chancen

21.04.2014 |  Von  |  Selbstmanagement

Geschätzte Lesezeit: 7 minutes

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Die Erwartungen von Arbeitnehmern an einen neuen Job sind in aller Regel nicht an ihr Geschlecht gebunden. Ganz oben auf der Wunschliste stehen interessante Arbeitsaufgaben, die den eigenen Fähigkeiten entsprechen, ein kollegiales Arbeitsklima, ein umgänglicher Chef und natürlich ein angemessenes Gehalt. Auch die Stellenausschreibungen der Unternehmen wenden sich bei den weitaus meisten Vakanzen an Frauen und Männer gleichermassen.

Trotzdem deutet vieles darauf hin, dass Frauen Stellenanzeigen anders lesen als Männer und bei Bewerbungen entweder nicht zum Zuge kommen oder sich auf die falschen Jobs bewerben. Oft verschenken sie dabei wichtige Chancen. Auch den Unternehmen entgehen auf diese Weise Potenziale, nach denen sie auf dem Arbeitsmarkt zum Teil händeringend suchen.



Männlich besetzte Formulierungen schrecken Bewerberinnen ab

Das Jobportal „Jobware“ hat in einer Eye-Tracking-Studie untersucht, wie Frauen und Männer auf digitale Stelleninserate reagieren. Offenbar beginnen die Probleme bereits mit der Bezeichnung der vakanten Stelle. Wenn sie für einen „Senior Manager“ ausgeschrieben ist, meinen viele Frauen bereits, dass die Position für sie nicht infrage komme. Mit dem Begriff verbinden sie offenbar eine männliche Besetzung – trotz des m/w-Zusatzes und sogar dann, wenn das ausschreibende Unternehmen qualifizierte Frauen ausdrücklich dazu ermutigt, sich auf die Stelle zu bewerben. Bewerberinnen fühlen sich dagegen dann willkommen, wenn die Firmen in ihren Inseraten weiblich besetzte Schlüsselbegriffe wie „gute Kommunikationsfähigkeiten“ verwenden und ihren Mitarbeitern „flexible Arbeitszeiten“ bieten.

Männer überschätzen sich, Frauen trauen sich zu wenig zu

Die Jobware-Studie zeigt auch, dass Frauen sich mit Stellenanzeigen deutlich kritischer und intensiver auseinandersetzen als männliche Bewerber. Zwar liegt hier bei beiden Geschlechtern einiges im Argen. Experten meinen, dass viele Stellensuchende nur die Überschriften der Inserate läsen, sich jedoch kaum Gedanken machten, welche Probleme der neue Mitarbeiter im Unternehmen lösen soll. Das Resultat: Anzeige und Bewerbung passen nicht zusammen, die unspezifischen Bewerbungen landen in den Personalabteilungen meist direkt auf dem „Nicht geeignet“-Stapel. Zudem überschätzen Männer ihre Fähigkeiten oft, Frauen trauen sich dagegen oft zu wenig zu und testen ihre realen Chancen gar nicht aus.



Wichtig: Analyse der ausgeschriebenen Stelle und des eigenen Profils



Laut der Studie beschäftigen sich Frauen beim ersten Lesen nicht länger als fünf Sekunden mit dem Anforderungsprofil eines Stelleninserats. Im Vergleich zu Männern ist das viel – für ihre „Orientierung“ benötigen diese im Schnitt nur 1,17 Sekunden. Für eine ausführliche Analyse des Inserats bleibt bei einem derart oberflächlichen Lesen natürlich keine Zeit, genau jene ist für eine erfolgreiche Bewerbung jedoch unverzichtbar. Die Grundfrage dabei muss lauten: Nach welchen Bewerbern sucht das Unternehmen wirklich – und in welchem Masse passt mein eigenes Profil dazu? Kandidaten, die sich genügend Zeit nehmen, dies zu recherchieren – und dabei auch reflektieren, ob ihre Persönlichkeit sowie ihre Vorstellungen von einem Job zur Kultur der Firma passen –, schaffen eine gute Basis dafür, mit ihrer Bewerbung tatsächlich eine Chance zu haben.



„100 %“ erwarten potenzielle Arbeitgeber nicht

In den Stellenanzeigen finden sich normalerweise die Essentials, welche die Firmen von den Kandidaten für die Stelle mindestens erwarten. In der Regel geniessen dabei die fachlichen Fähigkeiten Priorität, soziale Kompetenzen sind demgegenüber etwas nachgelagert. Wer von sich sagen kann, dass er/sie 75 % der ausgeschriebenen Aufgaben erfüllen kann, sollte sich bewerben – gerade Frauen scheitern oft an dieser Hürde und der eigenen 100-%-Erwartung.

Allerdings sind bei der Bewertung von Stellenanzeigen auch das Lesen zwischen den Zeilen und Ehrlichkeit zu sich selbst gefragt: Wenn sich das Unternehmen einen neuen Mitarbeiter wünscht, der sehr belastbar ist, bedeutet dies in der Praxis meist mindestens eine 60-Stunden-Woche. Auch bei Attributen wie „Begeisterungsfähigkeit“ oder „Serviceorientierung“ ist eine kritische Sichtung der eigenen Wünsche angesagt.

Training on the Job. (Bild: Gemenacom / Shutterstock.com)

Training on the Job. (Bild: Gemenacom / Shutterstock.com)

Für sekundäre Fähigkeiten reicht oft ein „Training on the Job“

Als Faustregel kann gelten: Wenn dem Bewerber zu jeder der geforderten Fähigkeit ein Beispiel aus der eigenen Arbeits-Vita einfällt, steht einer Bewerbung nichts im Wege. Gleichzeitig hat er mit der Selbstbewertung schon eine wichtige Vorarbeit für ein überzeugendes Motivationsschreiben und sogar ein späteres Vorstellungsgespräch geleistet. Frauen haben jedoch oft Schwierigkeiten, ihre eigenen Leistungen und ihre Potenziale richtig einzuschätzen. Wenn ein Eventmanager für die Vorbereitung einer Grossveranstaltung gesucht wird, sie entsprechende Planungserfahrungen aber bisher nur in einem kleineren Rahmen sammeln konnten, sehen sie vielleicht bereits von einer Bewerbung ab.

Die potenziellen Arbeitgeber setzen in der Regel auch voraus, dass Bewerber sich auf ihrer nächsten Stelle neue Herausforderungen und eine Erweiterung bisheriger Aufgabengebiete wünschen. Sekundäre Fähigkeiten wie Kenntnisse einer bestimmten Software lassen sich meist auch „on the Job“ erwerben.

„Mut zur Lücke“ erhöht die Chancen auf Erfolg

Auch Anforderungen, auf die das eigene Profil tatsächlich nicht vollkommen passt, oder ein Lebenslauf mit Lücken sind nicht automatisch ein Bewerbungshindernis. Wichtig ist, dass Bewerberinnen und Bewerber deutlich machen können, dass sie für die Stelle wirklich motiviert sind, dem Unternehmen einen Nutzen bringen und bereit sind, zu lernen und sich in ihrem neuen Arbeitsumfeld weiterzuentwickeln. Eine „Work-and-Travel“-Phase nach dem Studium, Zeiten der Stellensuche oder eine Familienpause sind für die Personalverantwortlichen kein Problem und gehören in den Lebenslauf. Problematisch sind lediglich Lücken von mehr als einem Vierteljahr, für die es keine schlüssige Erklärung gibt.

Last, but not least: Auch die äussere Form der Bewerbung ist wichtig. Die Firmen legen Wert auf Aktualität, Präzision und eine ansprechende Gestaltung. Ein professionelles Foto sorgt für einen positiven Eindruck und kann – auch wenn es in der Schweiz nicht zwingend ist – durchaus einen Unterschied zu anderen Bewerbern machen. Das Gleiche gilt für positive persönliche Referenzen früherer Arbeitgeber. Und – unsere Botschaft an alle unentschlossenen Bewerberinnen: Haben Sie Vertrauen in Ihre eigenen Fähigkeiten. Kein Unternehmen kann sich heute leisten, auf die Einstellung qualifizierter Frauen zu verzichten.



 

Oberstes Bild: © wavebreakmedia – Shutterstock.com



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