So wichtig kann Rechtschreibung in einer Bewerbung sein

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So wichtig kann Rechtschreibung in einer Bewerbung sein
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Ein Rechtschreibfehler in der Bewerbung und schon landet sie im Papierkorb? Was hart klingt, ist für US-Unternehmer Kyle Wiens ganz normal. Er zieht selbst aus den kleinsten Fehlern Rückschlüsse auf die Persönlichkeit und Arbeitsphilosophie eines potenziellen Angestellten – aber geht das nicht zu weit, handelt es sich um Pedanterie an der richtigen Stelle?

Keine Toleranz gegenüber Fehlern



Wiens drückt es wenig schmeichelhaft aus: Grammatikfehler in einer Bewerbung würden nur dazu führen, dass die Person vielleicht ins Foyer seines Unternehmens und bis zum Haupteingang geführt würde – aber sicherlich nicht in die Büros. Er vertritt eine Einstellung, die keinerlei Toleranz zulässt. Nach eigenen Aussagen geht er so pedantisch beim Aussieben der Kandidaten vor, weil er etwas gegen Menschen habe, die sich selbst dumm aussehen lassen würden.

Dabei geht es ihm nicht nur um die Grammatik: Rechtschreibfehler, falsche Kommata, ein sinnlos platziertes Semikolon und schon schickt Wiens den vielversprechenden Bewerber nach Hause. Er meint es dabei auch wörtlich, denn selbst wenn die Bewerbung ansonsten völlig ausreichend ist und alle Qualifikationen vorliegen, seien Fehler im Satzbau nicht akzeptabel – und liessen seiner Meinung nach Rückschlüsse auf die spätere Arbeit in seinem Unternehmen zu. Eine Überreaktion oder berechtigte Kritik an den häufig zu hastig geschriebenen Bewerbungen?

Gnade in Sonderfällen

Kyle Wiens leitet die in der Branche sehr bekannten Unternehmen iFixit und Dozuki. Beide beschäftigen sich in gewisser Weise mit Reparaturen oder Anleitungen für technische Produkte. Er sieht daher eine gewisse Verpflichtung, diese winzigen Fehler stark zu gewichten: Mangelhafte Beschreibungen für Geräte etwa könnten zu einer fehlerhaften Nutzung führen, die Verantwortung dafür würde dann Dozuki tragen. Wer sich hingegen vornimmt, seinen Computer nach den Anleitungen von iFixit zu reparieren und dabei über falsche Syntax stolpert, macht wohl ebenfalls Fehler.



Damit es gar nicht erst so weit kommt, siebt Wiens schon bei der Bewerbung aus – denn wer hier nicht ordentlich arbeite, werde es auch später im Beruf nicht tun. So zumindest sieht es der Leiter dieser Unternehmen. Gnade kennt er jedoch auch: Wer beispielsweise unter Legasthenie leidet oder kein Muttersprachler ist, bekommt mildernde Umstände zugesprochen. Einen Buchstabe zu viel an einer Stelle, der andere Mitbewerber den Job kostet, winkt er dann hin und wieder doch durch.

Übertreibt Mr. Wiens?

Auch ausserhalb seiner Unternehmensgrenzen sieht er jedoch Bedarf an korrekter Grammatik: Selbst dann, wenn ein Beruf eigentlich nicht viel mit Wort und Schrift zu tun hat – wie vielleicht als Mechaniker –, sollte die Muttersprache dennoch perfekt beherrscht werden. Wiens selbst lässt vor der Einstellung von Bewerbern daher einen Grammatiktest durchführen und denkt, dass dies auch jedes andere Unternehmen tun sollte – denn gerade im heutigen Internetzeitalter sieht er dafür einen hohen Bedarf.

Gute Grammatik setzt Wiens mit Glaubwürdigkeit und Professionalität gleich: Blogs, Unternehmenswebsites und E-Mails würden sich ausschliesslich auf geschriebene Worte verlassen. Andere Werte zählten dort nicht. Die Korrektheit eines Textes lasse daher auch Rückschlüsse auf die Person zu: Wer einen Text voller Fehler abgebe, erwecke schnell den Eindruck, hastig, unkonzentriert, dilettantisch und einfach schlecht zu arbeiten. Aus diesem Grund müsse auch jemand perfekt schreiben können, der ansonsten überhaupt nicht mit Schriftsprache in Kontakt kommt.

Interessant ist auch Wiens' These, dass sich aus den Grammatikkenntnissen einer Person ableiten lasse. (Bild: Marco2811 / Fotolia.com)

Interessant ist auch Wiens‘ These, dass sich aus den Grammatikkenntnissen einer Person ableiten lasse. (Bild: Marco2811 / Fotolia.com)




Übertragung auf andere Bereiche



Interessant ist auch Wiens‘ These, dass sich aus den Grammatikkenntnissen einer Person ableiten lasse, wie der Mitarbeiter andere Tätigkeiten ausführen würde. Eine richtige Grammatik sei schliesslich ein Zeichen dafür, dass die Person in der Lage sei, sich an einfache Regeln aus der Schule zu erinnern und sie ein Leben lang beizubehalten. Wer Jahrzehnte brauche, um sich an diese meist recht simplen Regeln zu gewöhnen, habe in seinem Unternehmen keinen Platz – denn schliesslich würde die Person es auch an anderen Stellen so handhaben.

Menschen mit guten Grammatikkenntnissen hingegen würden auch in ganz anderen Bereichen weniger Fehler machen – wie etwa beim Einräumen von Waren in einer Lagerhalle. Der für eine fehlerlose Rechtschreibung notwendige Sinn für Ordnung würde auch auf diese Abschnitte übergreifen, was dann insgesamt die Arbeitsleistung positiv beeinflussen würde.

Ein Körnchen Wahrheit

Einige Leser mögen jetzt denken, dass die Einstellung des Herrn Wiens sicherlich etwas zu radikal ist. Andererseits lassen sich seine Argumente auch nicht von der Hand weisen: Eine Bewerbung beispielsweise lässt sich heute innerhalb weniger Sekunden von kostenlosen Programmen auf grobe Rechtschreib- oder Grammatikfehler prüfen. Wenn jemand nicht einmal die Zeit, den Willen oder den Sachverstand aufbringt, diese einfachen Mängel zu überprüfen – wie soll diese Person dann in einem Unternehmen einen möglichst makellosen Job verrichten?

Möglicherweise gehören Sie nicht zu den Personen, welche auf eine absolut perfekte Rechtschreibung Wert legen – und damit haben Sie recht, denn Perfektion kann in der Regel nicht als Massstab dienen. Aber sehr wahrscheinlich möchten Sie Kollegen in Ihrem Unternehmen sehen, welche ebenso gewissenhaft wie Sie vorgehen. Die Bewerbung kann daher in der Tat sehr aufschlussreich sein. Wenn Ihnen das nächste Mal ein vielversprechender Kandidat eine Bewerbung zukommen lässt, können Sie ja einfach ein wenig genauer prüfen und daraus Ihre Rückschlüsse ziehen – aber bitte gehen Sie etwas milder damit um als Kyle Wiens aus den USA.



 

Oberstes Bild: © Alexander Raths – Fotolia.com


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