Unternehmensnachfolge rechtzeitig regeln

09.04.2014 |  Von  |  Organisation
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Unternehmensnachfolge rechtzeitig regeln
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Jahr für Jahr verschwinden in der Schweiz viele Familienunternehmen vom Markt. Dabei sind es weder mangelhafte wirtschaftliche Ergebnisse noch drohende Konkurse die dafür sorgen, dass etablierte Kleinunternehmen in der Versenkung verschwinden. Es ist schlichtweg die fehlende Unternehmensnachfolge, die solche Betriebe von der wirtschaftlichen Landkarte verschwinden lässt.

Dabei sind es doch gerade in der Schweiz auch die vielen kleinen Familienbetriebe, die unverzichtbar zum wirtschaftlichen Rückgrat der Schweiz gehören. Wer den Weitererhalt seines Unternehmens sichern will, muss sich auch rechtzeitig um die richtige Unternehmensnachfolge kümmern, oftmals auch über die Grenzen der eigenen Familie hinweg.

Nach 40 Jahren ist Schluss



Urs Stadler hat hart gearbeitet. Mit Mitte Dreissig hat er das beschauliche Hotel seiner Eltern übernommen und daraus in jahrzehntelanger hartnäckiger Arbeit einen gut florierenden Betrieb mit mittlerweile zwei Aussenstellen gemacht. Die drei Hotels sind ständig ausgebucht, Erweiterungsbauten und spezialisierte Angebote für Familien und Reisende mit Haustieren haben den Erfolg manifestiert. Das alles hätte Urs Stadler ohne seine Frau Hildegard nicht geschafft. 

Das familiengeführte Unternehmen gehört seit nunmehr 40 Jahren zur Spitze in der regionalen Hotellerie. Jetzt, nach vier Jahrzehnten harter aber auch schöner und erfolgreicher Arbeit ist Schluss mit dem Hotelbetrieb Stadler. Die zwei Söhne Lars und Udo wollen nicht, die Tochter Heidrun ist schon längst mit ihrem Mann nach Frankreich gezogen. So wird der Familienbetrieb im kommenden Jahr wohl endgültig aufgegeben werden müssen.

Was aus den langjährigen Mitarbeitern wird, weiss Urs Stadler genauso wenig wie diese selbst. Der Verkauf der drei Häuser an einen finanzstarken Investor aus Deutschland ist angebahnt, allerdings will der das Unternehmen nicht als Hotelbetrieb weiterführen. So endet die Erfolgsgeschichte eines Familienbetriebes, der es wert gewesen wäre, fortgeführt zu werden.

Exemplarisches Beispiel als Symptom einer neuen Wirtschaft



Was ist bei Urs Stadler falsch gelaufen? Die Stadlers haben sich schlichtweg gar nicht darum gekümmert, was aus ihrem Lebenswerk wird, wenn sie es nicht selbst weiterführen können oder wollen. Die Suche nach einem Nachfolger für das Familienunternehmen kam für Urs Stadler nie in Frage. Der Hotelbetrieb war sein Baby und sollte auch in der Familie bleiben. Allerdings hat Stadler hier die Rechnung ohne seine Kinder gemacht. Das ist ein Symptom, an dem viele Familienunternehmen kranken und oftmals auch zugrunde gehen.

Das sture Festhalten an familiären Traditionen und der Glaube, nur man selbst könne das Unternehmen erfolgreich leiten, führen nicht selten zum späten Zusammenbruch erfolgreicher Kleinbetriebe. Davon sind Hotels und Gaststätten genauso betroffen, wie Landwirtschaftsbetriebe, das kleine Handwerk oder auch kleinere Dienstleistungsbetriebe. Wenn die Chefs irgendwann abtreten, ist oftmals Schluss.

Unternehmensnachfolge sichert den Fortbestand kleiner Unternehmen

Wer sein Unternehmen auch nach dem eigenen Ruhestand in guten Händen wissen will, muss sich rechtzeitig um einen geeigneten Nachfolger kümmern. Kann der nicht aus der eigenen Familie rekrutiert werden, dann müssen andere Personen gefunden werden. Hier helfen Ausschreibungen zur Unternehmensnachfolge weiter. Gut qualifizierte Fachleute suchen nicht selten nach bestehenden Betrieben, um diese weiterführen zu können. Von gut am Markt eingeführten Betrieben profitieren nicht nur die Nachfolger, sondern eben auch die ehemaligen Inhaber.

Dazu bedarf es der richtigen vertraglichen Regelungen, die genau festlegen, was der ehemalige Inhaber im Unternehmen noch zu sagen hat und wie er am wirtschaftlichen Ergebnis beteiligt wird. Dabei muss selbstredend auch festgeschrieben sein, was mit dem Unternehmen des ehemaligen Inhabers nach dessen Tod geschehen soll. Das ist in vielen Fällen die schwerste Entscheidung. Wird diese jedoch nicht getroffen, wird der Betrieb unweigerlich aus der Liste der Unternehmen gelöscht werden.

Verantwortlichkeiten und Einfluss abgeben

Den meisten Chefs von Familienbetrieben fällt es schwer, Verantwortlichkeiten im Unternehmen abzugeben. Bislang haben sie alle Entscheidungen selbst getroffen. Damit haben sie auch dafür gesorgt, dass es das Unternehmen heute noch gibt. Jetzt sollen plötzlich Fremde die Geschicke des Unternehmens leiten. Damit fühlen sich viele Inhaber aus ihrem bisherigen Einflussbereich herausgedrängt und erleben nicht selten eine Art Ohnmacht. Diesen Zustand wollen viele Inhaber umgehen, indem sie das Unternehmen nicht in fremde Hände geben und praktisch bis zum Tod der Chef bleiben wollen. Damit riskieren sie den Fortbestand des Unternehmens und machen ihr Lebenswerk letztlich selbst zunichte.



Betroffen davon sind nicht nur die Chefs selbst, sondern auch die Familien und Angestellte. Ein Mangel an Fähigkeiten der Verantwortungs- und Einflussabgabe bedeutet in der Endkonsequenz eben auch den Verlust des gesamten Betriebes, da nicht rechtzeitig die Nachfolge gesichert wurde. Selbst dann, wenn Familienbetriebe vererbt werden heisst das längst noch nicht, dass diese von den Erben weiterbetrieben werden können oder wollen.

Den richtigen Zeitpunkt für die Unternehmensnachfolge bestimmen. (Bild: cherezoff / Shutterstock.com)

Den richtigen Zeitpunkt für die Unternehmensnachfolge bestimmen. (Bild: cherezoff / Shutterstock.com)




Den richtigen Zeitpunkt für die Unternehmensnachfolge bestimmen

Gerade in traditionell familiengeführten Betrieben ist es schwer, den richtigen Zeitpunkt zur Übergabe des Betriebes an einen geeigneten Nachfolger zu bestimmen. Stehen keine gesundheitlichen oder familiären Umstände entgegen, sollte die Übergabe spätestens mit dem Eintritt ins Pensionsalters in Angriff genommen werden. Schritt für Schritt müssen dann Verantwortlichkeiten abgegeben werden. Im selben Zuge sollte natürlich auch geklärt werden, wann sich der ehemalige Eigentümer ganz aus dem Geschäft zurückzieht.

Finanzielle Erwägungen sind dabei genauso wichtig, wie die Sicherung des nahtlosen und vollständigen Geschäftsübergangs an den Nachfolger. Der kann unter Umständen auch durch den Verkauf mit Auflagen geregelt werden. So wird aus dem alten Familienunternehmen ein neues, das vielleicht sogar den gut eingeführten Namen weiterführen kann. Gute Aussichten für ein Vermächtnis in die Zukunft.



 

Oberstes Bild: ©  Ilin Sergey – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.



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