Flexible Arbeitszeiten – wo und wozu?

05.03.2014 |  Von  |  Organisation, Selbstmanagement

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Die Debatte um flexible Arbeitszeiten ist nicht neu, immer wieder aber interessant. Während vor allem in produzierenden Bereichen frei gestaltbare Arbeitszeiten nur selten möglich sind, lassen viele verwaltungstechnische und eher schöpferische Arbeiten eine Flexibilität zu, die sich sehr günstig auf die Arbeitnehmer und das Arbeitsergebnis auswirken kann.

Wie flexible Arbeitszeiten aussehen können, möchten wir hier an drei konkreten Beispielen darstellen. Dabei gehen wir davon aus, dass für jedes Beispiel ein Aufgabenumfang gilt, der eine durchschnittliche Arbeitszeit von 40 Stunden in der Woche rechtfertigt.



Das Montage-Modell

Keine Angst, die Rede ist hier nicht von einem Montagsmodell. Vielmehr beschreibt dieses Arbeitszeitmodell, wie bestimmte Montagearbeiten innerhalb einer festgesetzten Frist zu selbst gewählten Arbeitszeiten ausgeführt werden können.

In der deutschen EADS-Endmontage für den Eurofighter wird in klar strukturierten Abteilungen, aber zu flexiblen Zeiten montiert. Der einzelne Arbeitnehmer weiss genau, wann sein Anteil an der Montagearbeit am einzelnen Flugzeug erledigt sein muss. Ob er diesen Anteil in drei Tagen à 13 Stunden, in fünf Tagen à 8 Stunden, bei Tag oder in der Nacht leistet, bleibt dem Beschäftigten selbst überlassen. In diesem Montage-System zählt nicht die effektiv aufgebrachte Zeit, sondern ausschliesslich das Ergebnis. Daran wird die Arbeitsleistung gemessen und nicht daran, ob der Monteur acht Stunden täglich möglichst immer zur gleichen Zeit am Arbeitsplatz war.

Dieses Modell eröffnet dem Beschäftigten gewisse Spielräume für die Planung von Arbeitszeit und Freizeit, hält ihn aber ständig auch in der Verantwortung für das Gesamtergebnis. So können Arbeitszeiten zwar relativ frei und individuell ausgestaltet werden, vorausgesetzt der Beschäftigte ist in der Lage, den Arbeitsumfang in der von ihm eingeplanten Zeit auch vollumfänglich umsetzen zu können.



Arbeit nach Bedarf

Nicht immer steht ununterbrochen gleich viel und ausreichende Arbeit zur Verfügung. So gibt es unterschiedlichste Bereiche, in denen sich eine flexible Arbeit nach Bedarf als erforderlich und sinnvoll erweist. Ein gutes Beispiel dafür sind saisonal arbeitende Unternehmen, die zu bestimmten Zeiten mehr leisten müssen als zu anderen. Hier sind die Arbeitnehmer zwar nicht wirklich frei in der Ausgestaltung der Arbeitszeiten, kommen aber eben auch nur dann ins Unternehmen, wenn es wirklich etwas zu tun gibt. Hier zeigen sich schnell Rhythmen, die der Arbeitnehmer auch in die Planung seiner persönlichen Freizeit einbeziehen kann.



Selbst im Verwaltungsbereich müsste nicht ständig gearbeitet werden. So könnte es beispielsweise einem Lohnbuchhalter durchaus gestattet sein, seine Arbeitszeiten selbständig zu planen. Die liegen eben oftmals vor Monatsenden in der Regel konzentrierter beisammen als beispielsweise im ersten Monatsdrittel. Auch andere Büroarbeiter sollten nach Bedarf arbeiten. Ist dieser erledigt, können sie nach Hause gehen. Dazu braucht es einer komplexen Übersicht der Beschäftigten über die zu leistenden Arbeiten. Darüber hinaus müssen so eingesetzte Mitarbeiter auch in der Lage sein, auf Abruf zu arbeiten.

Das Wechsel-Modell

Das Wechsel-Modell ist gekennzeichnet von regelmässig schwankendem Arbeitsanfall. So kann es beispielsweise sein, dass in einem Betrieb in der ersten Wochenhälfte besonders viel zu tun ist, in der zweiten Wochenhälfte aber deutlich weniger. Hier muss es möglich sein, dass Arbeitnehmer am Montag, Dienstag und Mittwoch jeweils zehn Stunden arbeiten, am Donnerstag und Freitag aber nur noch fünf Stunden. Damit gleicht sich der grössere Aufwand in der ersten Wochenhälfte durch effektiv mehr Freizeit in der zweiten Wochenhälfte aus.



Solche Wechsel-Modelle können auch unter Kollegen getauscht werden, wenn beispielsweise immer gleichmässig viel Arbeit anliegt, diese für einen Kollegen zuviel, für zwei aber vielleicht zu wenig ist. Mitarbeiter 1 arbeitet dann eben dreimal zehn und zweimal fünf Stunden, Kollege 2 im Wechsel dreimal 5 und zweimal 10 Stunden. Damit entsteht für beide regelmässig ein leichtes Minus an Arbeitszeit, was die erhöhte Leistung in den 10-Stunden-Schichten aber wertschätzend ausgleicht. In vielen Fällen lässt sich das Wechselmodell auch im Schichtbetrieb umsetzen. Es ist durchaus dazu geeignet, regelmässige Arbeitsspitzen abzufangen und die Arbeitnehmer im Austausch entsprechend zu entlasten.

Über die drei vorgestellten Modelle hinaus sind natürlich noch viele andere Möglichkeiten offen, die sich aber immer an den betrieblichen Erfordernissen orientieren müssen. Je flexibler ein Unternehmen arbeitet, desto besser kommt es in aller Regel auch mit bestimmten wirtschaftlichen Gegebenheiten im Wirtschaftsalltag zurecht. Starre Systeme sind beispielsweise nur selten dafür geeignet, plötzlichen Mehrbedarf in der Wirtschaft zu decken. Bei vorübergehend geringerer Nachfrage neigen Unternehmen mit starren Arbeitszeiten schnell dazu, Mitarbeiter zumindest zeitweise zu entlassen oder ohnehin nur befristet einzustellen. Flexible Arbeitszeiten und Jahresarbeitszeit-Kontingente könnten solche Spitzen nach oben oder unten individuell ausgleichbar machen. Das ist ein interessanter Fakt, der nicht nur für die Bauwirtschaft gilt.

Arbeitszeit-ist-Leistungszeit-pinkypills-shutterstock.com

Arbeitszeit ist Leistungszeit. (Bild: pinkypills / shutterstock.com)

Arbeitszeit ist Leistungszeit

Der Vorteil flexiblerer Arbeitszeiten findet sich auch darin, dass in der Arbeitszeit an sich auch intensiver und effektiver gearbeitet wird. Hier geht es nicht um Anwesenheit schlechthin, sondern um echte Leistung. Können Mitarbeiter darüber hinaus ihre Arbeitszeiten sehr flexibel einteilen, so werden sie auch schnell ihre besonders produktiven Zeiten herausfinden. Und auch die liegen bei jedem Menschen etwas anders. Während die einen am frühen Tag besonders leistungsfähig sind, sind es andere vielleicht eher in der Nacht. Auch diese individuellen Eigenheiten lassen sich überall dort produktiv nutzen, wo flexible Arbeitszeiten möglich und sinnvoll sind. 



 

Oberstes Bild: © Cristi Matei – shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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