Der Chef ist immer da oder: Müssen Führungkräfte wirklich länger arbeiten?

03.03.2014 |  Von  |  Organisation, Selbstmanagement
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Der Chef ist immer da oder: Müssen Führungkräfte wirklich länger arbeiten?
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Es ist ein spannendes Thema. In der öffentlichen Wahrnehmung sind Führungskräfte und Top-Manager schwer beschäftigte Leute, die deutlich mehr arbeiten als der gewöhnliche Arbeitnehmer. Kann sein, kann aber auch nicht sein.

Oftmals sind Führungskräfte nur deshalb solange im Unternehmen, weil sie meinen, ständige Präsenz zeigen zu müssen. Manchmal trauen sie ihren Vertretern auch keine verantwortungsvolle Leitungstätigkeit zu oder glauben, alles immer selbst im Griff haben zu müssen. Wie Leitungsarbeit so aber auch ganz anders gehen kann, zeigt dieser Beitrag.



Die Weisheit der Seefahrer

Was hat die Seefahrt mit der Arbeit von Managern zu tun? Eine ganze Menge. In den Unternehmen sind die Manager und Führungskräfte das, was auf hoher See der Kapitän und seine Offiziere sind. Zu jeder Zeit steuern sie Schiffe und Unternehmen durch ruhige oder aufgewühlte See, vorbei an gefährlichen Klippen und schwer erkennbaren Untiefen. Dabei haben Kapitäne und Top-Manager das Ruder fest in der Hand. Aber nicht ununterbrochen. Immerhin sind da noch die Offiziere und die Führungskräfte der nachgeordneten Hierarchie. Deren Aufgabe ist es, die Führung zu übernehmen, wenn der grosse Chef seine Ruhe braucht. Und die brauchen Kapitäne grosser und kleiner Schiffe genauso wie die Kapitäne der Wirtschaft.

Arbeitskräfte brauchen Erholungszeiten

Wer Macht hat und damit auch ein grosses Mass an Verantwortung trägt, muss mit seinem gesamten Können agieren. Das ist nicht neu. Neu ist auch nicht, dass eine solche Arbeitsweise jede Menge Kraft kostet. Kraft, die gebraucht wird um tagtäglich in Entscheidungssituationen den Mann oder die Frau zu stehen. Die Energie, die hier verbraucht wird, muss wieder aufgeladen werden. Und zwar ausreichend. Geschieht dies nicht oder nur in einem unzureichendem Mass, besteht die Gefahr, dass Führungskräfte vom Teamleiter bis ins Spitzenmanagement hinein schnell und vorzeitig verschleissen.



Die Folgen eines solchen Verschleisses betreffen nicht nur die einzelne Person, sondern das gesamte Unternehmen. Eine hohe Fluktuation in den Führungsetagen schafft ständige Unruhe, erschwert Entscheidungsprozesse und macht letztlich ein mittel- und langfristiges Arbeiten am Erfolg unmöglich. Für Betroffene bedeutet das darüber hinaus Unzufriedenheit, Burnout oder gar den Totalzusammenbruch. Wichtig für Führungskräfte in allen Bereichen und auf allen Hierarchieebenen ist also ein angemessener Ausgleich zwischen beruflicher Forderung und entspannter Freizeit.

Wenn der Chef nicht nach Hause geht

Wenn der Chef scheinbar immer arbeitet, läuft etwas falsch im Unternehmen. Entweder steckt die Firma tatsächlich in einer schweren Krise oder die Arbeit wird falsch verteilt. Die Kunst des Leitens ist es, Aufgaben und Verantwortungen an die jeweils passenden Stellen zu delegieren. Gut gemachte Leitungsarbeit ist also Verteilungsarbeit und muss nicht zwingend in ständiger Präsenz ausgeführt werden. Manche Leiter getrauen sich nicht, ihr Büro vor der Zeit zu verlassen. Oftmals besteht hier das Bedürfnis, den untergeordneten Beschäftigten zu zeigen, dass man fleissig und unabkömmlich ist.

Das kann der Manager auch sein, wenn er vor den anderen das Haus verlässt. Vorausgesetzt, er hat seine Arbeit getan. Echte Leitungsarbeit ist ohnehin nicht nur an den Schreibtisch und den Konferenzraum gebunden. Geschäftsessen, Aussentermine, wichtige Treffs mit Geschäftspartnern und kommunalen Entscheidern gehören auch zur Arbeit der Manager. Und diese Tätigkeiten spielen sich eben nicht im Büro ab. Also sind auch solche Zeiten Arbeitszeiten, die durch entsprechende Ruhezeiten ausgeglichen werden müssen.



Der Manager muss sich nicht erklären

Zumindest nicht gegenüber den normalen Arbeitnehmern. Das ist weder seine Aufgabe, noch gibt es einen wirklichen Grund dafür. Das Einzige was geklärt sein muss, ist die Vertretung des Leiters bei Abwesenheit. Diese Information in die entsprechenden Bereiche ist unerlässlich. Kein Leiter muss seinen Unterstellten gegenüber erklären, was er in der Zeit seiner Abwesenheit tut. Dennoch sind immer wieder Entscheidungsträger anzutreffen, die sich wortreich entschuldigen, dass sie schon jetzt gehen, weil doch die Tochter einen wichtigen Arzttermin hat. Das ist unprofessionell und kontraproduktiv. Die Angestellten im Unternehmen müssen darauf vertrauen können, dass der Leiter die jeweils richtige Entscheidung für sie, für sich und für das Unternehmen trifft. Dazu bedarf es keiner Erklärungen nach unten.



Schnaps ist Schnaps

… und Arbeit ist Arbeit. Diese Trennung empfiehlt sich nicht nur im Hinblick auf abstinente Arbeitszeiten. Sie gilt auch für die klare Unterscheidung von Anspruch, Leistung und Erholung. Wenn vom Führungsverantwortlichen die momentan abverlangte Leistung getan ist, gibt es nur selten echte Gründe, im Unternehmen zu bleiben. Es sei denn, starre Arbeitszeitmodelle gelten auch für Führungskräfte. Das ist in der Regel jedoch nicht der Fall. Erfahrene Führungskräfte und Manager arbeiten nach Bedarf und erkennen diesen Bedarf auch.

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Wenn der Chef scheinbar immer arbeitet, läuft etwas falsch im Unternehmen. (Bild: Pressmaster / shutterstock.com)

Dazu braucht es einer gewissen Übung und Routine, die sich aber erst dann einstellt, wenn die Möglichkeiten der freizügigen Entscheidung über Präsenz- und Abwesenheitszeiten ausreichend erprobt wurden. Schnell stellen dann Leiter fest, dass das Unternehmen bei guter Führungsarbeit auch ohne sie funktioniert. Wenn verantwortliche Leiter häufiger und länger im Unternehmen sind als die Unterstellten, dann stimmt meistens etwas nicht. Das haben auch schon krisenerprobte Arbeitnehmer erkannt, die sich nicht unbegründet Sorgen um das Unternehmen machen, wenn im Büro des Chefs ständig auch in der Nacht noch das Licht an ist.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass in diesem Beitrag die Wörter muss, müssen und alle Formen von gross besonders häufig auftauchen.



 

Oberstes Bild: © YanLev – shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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