Die Kunst, Nein zu sagen

21.02.2014 |  Von  |  Allgemein, Selbstmanagement
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Die Kunst, Nein zu sagen
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Schon von klein auf lernen die meisten Zeitgenossen, dass es nicht schicklich sei, Nein zu sagen. Besonders dann nicht, wenn ein anderer Wünsche äussert, die durchaus erfüllt werden könnten. Mit zunehmendem Alter lernen dann die meisten, dass es durchaus gut und wichtig ist, Nein zu sagen. Ein ständiges Ja zu Allem und Jedem ist nicht nur gefährlich, sondern oftmals auch gar nicht umzusetzen.

Und so bewegen wir uns im Leben ständig zwischen einem Ja oder Nein, das allerdings dann ins Ungleichgewicht kommt, wenn wir uns von irgendetwas einen Vorteil versprechen oder einfach nur gut dastehen wollen. Besonders prekär wird die Situation dann, wenn Führungspositionen besetzt werden oder vielleicht sogar die Leitung eines eigenen Unternehmens den Arbeitsalltag ausfüllt. Dann soll und muss das Wörtchen Nein unverzichtbar zu unserem Vokabular gehören.



Warum ein Nein Schwierigkeiten bereitet

Der Mensch mit Leitungsverantwortung soll konsequent, aber auch nett sein. Er soll tolerant, aber auch selbstbewusst, zugleich auch dominant, aber kollegial sein. Diese Wünsche an Leiter gehen oftmals mit der Vorstellung einher, dass ein Nein die möglichst seltenste Antwort auf die Anliegen der Interessenten, Kunden oder Mitarbeiter sein sollte. Zugleich macht es diese Konstellation für viele Menschen auch schwierig, Nein zu sagen. Entscheider möchten oftmals nicht nur respektiert, sondern auch beliebt sein. Dabei gehört ein Nein nicht gerade zu den günstigsten Wegen, sich ein Mass an Anerkennung und persönlicher Nähe zu verschaffen.

Deshalb bereitet es vielen Führungspersönlichkeiten vom Teamleiter bis hinauf ins obere Management oftmals Schwierigkeiten, ein klares ablehnendes Nein zu den verschiedensten Anliegen zu äussern. Dazu kommt, dass ein Nein in der Regel endgültig ist. Ein Ja hingegen kann irgendwie noch abgeschwächt oder korrigiert werden und scheinbar diplomatische Chefs hantieren gern auch mit einem unklaren Vielleicht. Das lässt letztlich viele Wege offen und bietet auch Zeit dafür, nochmals abzuwägen oder die Verantwortung für ein eigentlich gemeintes Nein an andere zu übertragen.

Fünf gute Gründe, Nein zu sagen



Situationen, in denen ein klares Nein erforderlich wäre, gibt es tagtäglich genügend. Dabei versuchen die meisten, das Nein irgendwie zu umgehen. Es wirkt schroff, abweisend und manchmal sogar ungehobelt. Dabei gibt es doch mindestens fünf gute Gründe, Nein zu sagen.

1. Grund: Mit einem Nein grenzen Sie sich von Belangen ab, die an Sie herangetragen werden, aber nicht Ihrer inneren Grundhaltung entsprechen.

Beispiel: Nein zur Masseneinwanderung. Das Plebiszit forderte auch Ihre Meinung, Ihre innere Grundhaltung war ein Nein. Also sollen und dürfen Sie das auch sagen.

2. Grund: Mit einem Nein können Sie Wünsche und Forderungen von sich fernhalten, von denen Sie wissen, dass sie nicht erfüllbar sind.



Beispiel: Sie haben fünf unterstellte Mitarbeiter, von denen vier zur kommenden Fussball-WM am Finaltag Urlaub nehmen möchten. Wenn Sie hier nicht Nein sagen, steht Ihre Abteilung trotz eines Grossauftrages an diesem Tag still. Das ist nicht erfüllbar.

3. Grund: Ein Nein schützt vor Überforderung.

Beispiel: Sie arbeiten bereits auf Hochtouren. Ein Kunde fragt an, ob Sie innert kürzester Zeit noch einen angeblich dringenden und wichtigen Auftrag übernehmen können. Wenn Sie hier nicht Nein sagen und andere Lösungswege anbieten, werden Sie schnell überfordert sein und auch andere Aufgaben weniger gut oder gar nicht bewältigen können.

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Ein Nein schützt vor Überforderung. (Bild: D. Braun / pixelio.de)

4. Grund: Ein Nein dient der interpersonellen Abgrenzung.



Beispiel: Allzu aufdringliche Personen fordern ständig Ihre Aufmerksamkeit und Toleranz. Geben Sie diesem Bestreben unbedacht nach, werden die persönlichen Wünsche an Sie grösser werden, letztlich können Sie sich von solchen Menschen gar nicht mehr abgrenzen und werden völlig vereinnahmt. Hier ist ein zeitiges Nein die bessere Option.

5. Grund: Ein Nein schützt vor psychischen und körperlichen Übergriffen.

Beispiel: Ein Ihnen nicht so wohl gesonnener Zeitgenosse fordert Sie ständig heraus und strebt vielleicht sogar eine körperliche Auseinandersetzung an. Wenn Sie hier nicht klar und deutlich Nein sagen, haben Sie sich quasi schon in die Opferrolle begeben. Tür und Tor stehen für psychische oder körperliche Übergriffe offen.

Ja, Nein, Vielleicht

Zumindest die vorgenannten fünf Gründe zeigen, wie wichtig es ist, Nein sagen zu können. Oftmals muss das aber auch trainiert werden. Ausser Nein kann natürlich auch Ja oder Vielleicht gesagt werden. Zum Üben der jeweils günstigsten Antwort eignen sich in fast allen Situationen vier Fragestellungen:

  • 1. Will ich das?
  • 2. Kann ich das?
  • 3. Darf ich das?
  • 4. Muss ich das?

Je nachdem, wie die Gewichtung der vier Antworten in der jeweiligen Situation ausfällt, entscheiden Sie sich in der Gesamtheit für ein Ja, ein Nein oder ein Vielleicht.

Beispiel: Ihre Frau möchte nach langer Zeit den heutigen Abend wieder einmal mit Ihnen verbringen. Sie haben sich in einem schicken Restaurant zum Abendessen verabredet und wollen anschliessend noch ins Theater gehen. Alles ist klar, bis Ihr Chef mit einem eiligen Sonderauftrag in Ihr Büro platzt. Schon jetzt ist klar, dass diese Aufgabe Sie nach einem langen Arbeitstag noch bis in die Nacht hinein beschäftigen wird.

Stellen Sie sich jetzt die vier Fragen.

  • Will ich das? – Nein. Sie wollen mit Ihrer Frau einen gemeinsamen Abend verbringen.
  • Kann ich das? – Ja klar. Sie sind der Experte auf diesem Gebiet.
  • Darf ich das? – Nein. Sie dürfen dass nicht, weil Sie sich bereits anderweitig verpflichtet haben. Und Familie heisst eben auch Verpflichtung dem Anderen gegenüber.
  • Muss ich das? – Nein, Sie müssen nicht. Ihre Arbeitszeit ist längst ausgereizt und wahrscheinlich gibt es keinen wirklichen Grund, warum Sie gerade jetzt noch in der Nacht arbeiten müssen.

Hier überwiegt 3:1 das Nein, also trauen Sie sich auch, Nein zu sagen. Selbst wenn es unbequem erscheint.

Lassen Sie in jedem Fall Ihr Bauchgefühl mitreden. Der Bauch hat meistens recht, weil er nicht nachdenkt, nicht abwägt und nicht koaliert. Im Zweifelsfall stellen Sie sich die Fragen erneut.

Übrigens ist ein Nein besonders in der Führungsposition oftmals anerkannter, als ein halbherziges Ja oder ein schwammiges Vielleicht.



 

Oberstes Bild: © bluedesign – Fotolia.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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