F-35-Rückschlag: RUAG verliert einen Kampfjet

Das Schweizer F-35-Projekt «RIGI» gerät weiter unter Druck. Statt der ursprünglich vorgesehenen vier Kampfjets sollen bei der RUAG in Emmen LU nur noch drei Maschinen teilweise endmontiert und getestet werden. Die Reduktion bedeutet weniger Auftragsvolumen für den staatlichen Rüstungskonzern und wirft Fragen zur Wirtschaftlichkeit des Projekts auf.

Der SonntagsBlick berichtet am 11. Oktober 2026 über die Folgen der verkleinerten Schweizer F-35-Beschaffung für die RUAG. Besonders im Fokus stehen die geringeren Skaleneffekte und die Frage, ob sich die Investitionen in den Aufbau von Fachwissen mit weniger Flugzeugen ausreichend auszahlen.

Die Reduktion selbst ist allerdings nicht neu. Bereits Anfang Juni hatte SRF unter Berufung auf mehrere unabhängige Quellen berichtet, dass die RUAG nur noch drei statt vier F-35 in Emmen zusammenbauen könne. Nun rückt erneut die Frage in den Vordergrund, wie die Schweiz ihre künftigen Kampfjets möglichst unabhängig warten und unterhalten kann.

SCHWEIZERARMEE.CH INFORMIERT
Das Wichtigste auf einen Blick
Projekt: RIGI
Unternehmen: RUAG MRO
Standort: Emmen LU
Flugzeugtyp: Lockheed Martin F-35A
Ursprünglich geplant: 4 Kampfjets
Neu berichtet: 3 Kampfjets
Reduktion: 1 Flugzeug beziehungsweise 25 Prozent
Ziel: Aufbau von Fachwissen für Betrieb und Instandhaltung
Wichtig: Es geht um die Anzahl der in der Schweiz teilweise endmontierten F-35A. Die Gesamtzahl der von der Schweiz beschafften Flugzeuge ist davon zu unterscheiden.

Vom Prestigeprojekt zum Sparprogramm?

Mit dem Projekt «RIGI» verfolgt die Schweiz ein ehrgeiziges Ziel.

Ein Teil der neuen F-35A-Kampfflugzeuge soll nicht vollständig im Ausland gefertigt werden. Stattdessen übernimmt die RUAG am Standort Emmen bestimmte Arbeiten an den Maschinen.

Damit sollen Schweizer Fachkräfte praktische Erfahrungen mit dem modernen Kampfflugzeug sammeln.

Der Bund verspricht sich davon einen langfristigen Nutzen.

Je besser die Schweiz die Technik des F-35A versteht, desto mehr Kompetenzen kann sie beim späteren Betrieb und Unterhalt im eigenen Land aufbauen.

Die ursprüngliche Planung sah die Teilendmontage und das Testen von vier Flugzeugen vor.

Nun soll dieser Umfang auf drei Maschinen schrumpfen.

Damit reduziert sich die Zahl der vorgesehenen Flugzeuge um ein Viertel.

Warum die RUAG nur noch drei F-35 erhalten soll

Hinter der Reduktion stehen wirtschaftliche Fragen.

Bereits im Juni 2026 berichtete SRF, dass die Kosten für die Arbeiten bei der RUAG ein wesentlicher Grund für die Verkleinerung seien.

Demnach war der amerikanische Hersteller Lockheed Martin nicht bereit, die Fertigung von vier Maschinen in der Schweiz zu den vorgesehenen Bedingungen zu finanzieren.

Der SonntagsBlick stellt die Entwicklung nun zusätzlich in den Zusammenhang mit den gestiegenen Kosten der Schweizer F-35-Beschaffung.

Diese belasten das gesamte Programm.

Wenn die Schweiz weniger Kampfjets beschafft als ursprünglich geplant, wirkt sich dies auch auf die damit verbundenen Industrieprojekte aus.

Für die RUAG bedeutet ein kleinerer Auftrag weniger Möglichkeiten, ihre Investitionen auf mehrere Flugzeuge zu verteilen.

Was genau ist das Projekt «RIGI»?

«RIGI» ist ein industrielles Beteiligungsprojekt im Zusammenhang mit der Schweizer Beschaffung des F-35A.

Der Name verweist auf den Standort Emmen in der Zentralschweiz.

Die RUAG soll dort ausgewählte Arbeitsschritte an den neuen Kampfflugzeugen übernehmen.

Es handelt sich dabei nicht um eine vollständige Produktion des F-35A in der Schweiz.

Vorgesehen ist eine Teilendmontage mit anschliessenden Tests.

Die abschliessende Abnahme erfolgt gemäss ursprünglichem Projektkonzept im italienischen Cameri.

Der Nutzen des Projekts soll über die eigentliche Montage hinausgehen.

Fachkräfte sollen Erfahrungen mit den technischen Systemen, der Flugzeugstruktur und den besonderen Anforderungen des modernen Kampfjets sammeln.

Dieses Wissen könnte später bei Wartung, Reparatur und Instandhaltung eingesetzt werden.

Die Entwicklung des Projekts im Überblick

September 2022: Die Schweiz unterzeichnet den Beschaffungsvertrag für 36 F-35A-Kampfflugzeuge.

Juni 2024: Armasuisse genehmigt das Offsetprojekt «RIGI» vorläufig. Vorgesehen ist die Teilendmontage von vier F-35A.

Oktober 2025: Das VBS bekräftigt die sicherheitspolitische Bedeutung des Projekts und verweist auf den geplanten Aufbau von Fachwissen.

Juni 2026: SRF berichtet erstmals über die geplante Reduktion von vier auf drei Flugzeuge.

11. Oktober 2026: Der SonntagsBlick thematisiert erneut die Reduktion und deren wirtschaftliche Folgen für die RUAG.

Weniger Flugzeuge bedeuten weniger Erfahrung

Die praktische Arbeit an einem Kampfflugzeug ist ein wichtiger Bestandteil des Wissenstransfers.

Techniker und Ingenieure können dabei Erfahrungen sammeln, die sich allein durch Schulungen und technische Unterlagen nur begrenzt vermitteln lassen.

Wenn statt vier nur drei Flugzeuge bearbeitet werden, stehen dafür weniger praktische Arbeitsschritte zur Verfügung.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Reichen drei Maschinen aus, um die gewünschten Fähigkeiten aufzubauen?

RUAG-Verwaltungsratspräsident Jürg Rötheli zeigte sich im Juni gegenüber SRF zuversichtlich.

Er verwies darauf, dass nach Einschätzung der beteiligten Experten auch drei Flugzeuge genügten, um die erforderlichen Kompetenzen zu erwerben.

Ob sich diese Einschätzung im späteren Betrieb bestätigt, wird sich erst zeigen.

Der Kampf um die künftigen Wartungsaufträge

Für die RUAG geht es beim Projekt «RIGI» um deutlich mehr als um die Montage einzelner Flugzeuge.

Der Rüstungskonzern möchte sich langfristig als Anbieter für den Unterhalt moderner Militärflugzeuge positionieren.

Dabei spielt der F-35A eine zentrale Rolle.

Zahlreiche europäische Staaten haben sich für den amerikanischen Kampfjet entschieden.

Entsprechend gross könnte künftig die Nachfrage nach spezialisierten Wartungs- und Reparaturleistungen sein.

Die RUAG möchte von diesem Markt profitieren.

Dafür muss sie allerdings nachweisen, dass sie die Arbeiten technisch zuverlässig und wirtschaftlich konkurrenzfähig ausführen kann.

Gerade die Kostenfrage dürfte deshalb entscheidend werden.

Warum der F-35 für die RUAG so wichtig ist

Bis heute übernimmt die RUAG wichtige Unterhaltsarbeiten an den F/A-18-Kampfjets der Schweizer Luftwaffe.

Diese Flugzeuge sollen im Zuge der Einführung des F-35A schrittweise ausser Dienst gestellt werden.

Damit verändert sich auch das bisherige Geschäftsmodell.

Arbeiten an den älteren Maschinen werden langfristig wegfallen.

Neue Aufträge im Zusammenhang mit dem F-35A sollen einen Teil dieser Tätigkeiten ersetzen.

Gelingt der Einstieg in das internationale Wartungsgeschäft, könnte die RUAG zusätzliche Kunden gewinnen.

Bleiben solche Aufträge aus, könnte die wirtschaftliche Bedeutung des Projekts geringer ausfallen als erhofft.

Was sind Offsetgeschäfte?

Das Projekt «RIGI» gehört zu den sogenannten Offsetgeschäften.

Dabei verpflichtet sich ein ausländischer Rüstungslieferant, im Zusammenhang mit einem Beschaffungsauftrag wirtschaftliche Leistungen zugunsten der Schweizer Industrie zu erbringen.

Solche Vereinbarungen sollen unter anderem Arbeitsplätze, technisches Wissen und industrielle Fähigkeiten im Inland fördern.

Allerdings sind Offsetgeschäfte umstritten.

Kritiker argumentieren, dass zusätzliche industrielle Verpflichtungen die Beschaffung verteuern können.

Befürworter verweisen dagegen auf den langfristigen Nutzen für die Schweizer Wirtschaft und die sicherheitspolitische Unabhängigkeit.

Beim Projekt «RIGI» stehen beide Argumente besonders deutlich im Raum.

Interne VBS-Überlegungen stellen den Nutzen infrage

Der SonntagsBlick berichtet über ein internes Papier des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport.

Darin wird der volkswirtschaftliche Zusatznutzen von Offsetgeschäften unter bestimmten wirtschaftlichen Annahmen kritisch beurteilt.

Der Gedanke dahinter: Wenn Schweizer Unternehmen bereits vollständig ausgelastet sind, könnten zusätzliche Rüstungsaufträge andere wirtschaftliche Tätigkeiten verdrängen.

In diesem Fall entstünde nicht zwingend eine zusätzliche gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung.

Diese Betrachtung unterscheidet sich jedoch von der sicherheitspolitischen Bewertung.

Selbst wenn ein Projekt volkswirtschaftlich nur einen begrenzten Zusatznutzen erzeugt, kann es aus Sicht der Landesverteidigung sinnvoll sein, bestimmte technische Fähigkeiten im Inland aufzubauen.

Genau diese Abwägung steht im Zentrum der Diskussion um «RIGI».

Bund sieht sicherheitspolitischen Mehrwert

Das VBS hatte im Oktober 2025 ausdrücklich auf die sicherheitspolitische Bedeutung der Teilendmontage hingewiesen.

Der Bund argumentierte, dass die RUAG durch das Projekt zusätzliche Fähigkeiten für die Instandhaltung des F-35A erwerben könne.

Damit solle die Schweiz beim Betrieb ihrer künftigen Kampfjets unabhängiger werden.

Auch neue Kompetenzen im Strukturbau von Militärflugzeugen wurden als Vorteil genannt.

Gemäss damaliger Mitteilung sollten durch das Projekt rund 120 hochqualifizierte Arbeitsplätze im Jetbereich erhalten bleiben.

Zudem wurden Investitionen und industrielle Aktivitäten in der Romandie in Aussicht gestellt.

In welchem Umfang diese ursprünglichen Erwartungen nach der Reduktion auf drei Flugzeuge weiterhin erfüllt werden können, ist eine wichtige offene Frage.



Die wichtigsten Fragen zum Projekt

1. Wirtschaftlichkeit: Wie verändern sich die Kosten pro Flugzeug, wenn nur drei statt vier Maschinen bearbeitet werden?

2. Wissenstransfer: Welche technischen Fähigkeiten kann die RUAG mit drei Flugzeugen tatsächlich aufbauen?

3. Arbeitsplätze: Welche Auswirkungen hat die Reduktion auf die ursprünglich vorgesehenen Tätigkeiten und Stellen?

4. Internationale Aufträge: Kann die RUAG künftig Wartungsarbeiten für F-35-Flotten anderer Staaten übernehmen?

5. Schweizer Unabhängigkeit: Wie viel Unterhalt kann die Schweiz langfristig selbst durchführen?

Emmen bleibt ein wichtiger Standort

Unabhängig von der reduzierten Anzahl Flugzeuge bleibt Emmen für die Schweizer Militärluftfahrt von grosser Bedeutung.

Der Standort verfügt über eine lange Tradition in der Wartung und Instandhaltung militärischer Luftfahrzeuge.

Mit dem F-35A beginnt jedoch eine neue technische Ära.

Moderne Sensorik, vernetzte Systeme und spezielle Anforderungen an die Flugzeugstruktur stellen hohe Ansprüche an Personal und Infrastruktur.

Der Aufbau entsprechender Kompetenzen benötigt Zeit, Ausbildung und Investitionen.

Das Projekt «RIGI» soll dazu beitragen, diese Fähigkeiten in der Schweiz zu etablieren.

Wie geht es mit «RIGI» weiter?

Nach den aktuellen Berichten konzentriert sich das Projekt auf drei statt vier F-35A.

Für die RUAG steht nun die Frage im Vordergrund, wie sich der reduzierte Umfang wirtschaftlich und technisch sinnvoll umsetzen lässt.

Gleichzeitig bemüht sich das Unternehmen um zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten.

Der SonntagsBlick berichtet, dass die RUAG in der kommenden Woche über entsprechende Entwicklungen informieren möchte.

Ob daraus konkrete internationale Wartungsaufträge entstehen, bleibt abzuwarten.

Für die Schweizer Luftwaffe ist vor allem entscheidend, dass der Betrieb der neuen Kampfjets langfristig zuverlässig sichergestellt werden kann.

Ein Kampfjet weniger – viele Fragen bleiben

Die Reduktion des Projekts «RIGI» von vier auf drei F-35A mag auf den ersten Blick überschaubar erscheinen.

Tatsächlich berührt sie jedoch zentrale Fragen der Schweizer Rüstungs- und Sicherheitspolitik.

Wie viel darf der Aufbau eigener technischer Fähigkeiten kosten?

Welche Arbeiten müssen aus sicherheitspolitischen Gründen im Inland möglich sein?

Und wie lässt sich sicherstellen, dass Investitionen in die Schweizer Industrie langfristig einen Nutzen bringen?

Die RUAG muss nun zeigen, dass sie ihre Ziele auch mit einem kleineren Projektumfang erreichen kann.

Denn beim F-35A geht es nicht nur um die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge, sondern auch darum, wie die Schweiz diese über Jahrzehnte betreiben und unterhalten wird.

SCHWEIZERARMEE.CH | WISSEN & HINTERGRUND
F-35A: Das Projekt «RIGI» im Überblick
Zahlen, Hintergründe und offene Fragen zur Teilendmontage bei der RUAG in Emmen.
Die wichtigsten Projektzahlen
Kennzahl Wert
Ursprünglicher Projektumfang 4 F-35A
Neu berichteter Umfang 3 F-35A
Reduktion 1 Flugzeug / 25 %
Ausführendes Unternehmen RUAG MRO
Schweizer Standort Emmen LU
Art der Arbeiten Teilendmontage und Tests
Projektziel Wissenstransfer und Unterhaltskompetenz
Arbeitsplätze Rund 120 Stellen sollten gemäss VBS-Angaben von 2025 erhalten bleiben
Was steht für die Schweiz auf dem Spiel?
1. Technisches Fachwissen
Die RUAG soll durch die praktische Arbeit an den F-35A wichtige Kenntnisse erwerben. Dieses Wissen kann beim späteren Unterhalt der Schweizer Kampfflugzeuge helfen. Die Reduktion auf drei Maschinen verringert den Umfang der vorgesehenen Arbeiten, bedeutet aber nicht automatisch, dass die Ausbildungsziele unerreichbar werden.
2. Industriestandort Emmen
Für die RUAG ist das Projekt ein wichtiger Baustein ihrer künftigen Tätigkeit im Bereich der Militärluftfahrt. Die Erfahrungen aus der Teilendmontage könnten dazu beitragen, spezialisierte Arbeitsplätze und technisches Know-how am Standort Emmen zu erhalten.
3. Internationale Wartungsaufträge
Viele europäische Staaten setzen künftig auf den F-35A. Für spezialisierte Unternehmen könnte daraus ein Markt für Wartung und Reparaturen entstehen. Ob die RUAG entsprechende Aufträge gewinnen kann, hängt unter anderem von Zulassungen, technischen Fähigkeiten und wettbewerbsfähigen Kosten ab.
4. Sicherheitspolitische Unabhängigkeit
Eigene Kompetenzen bei Wartung und Instandhaltung können für die Einsatzbereitschaft der Schweizer Luftwaffe wichtig sein. Allerdings wird auch beim F-35A eine Zusammenarbeit mit ausländischen Herstellern und Partnern notwendig bleiben.
5. Kosten und Wirtschaftlichkeit
Ein kleinerer Projektumfang kann die Wirtschaftlichkeit beeinflussen. Investitionen in Infrastruktur, Ausbildung und technische Verfahren müssen auf weniger Flugzeuge verteilt werden. Ob sich das Projekt langfristig rechnet, hängt auch davon ab, welche zusätzlichen Fähigkeiten und Aufträge daraus entstehen.
Entscheidend ist der langfristige Nutzen
Nicht allein die Anzahl der in Emmen bearbeiteten Flugzeuge entscheidet über den Erfolg von «RIGI». Ausschlaggebend wird sein, ob die RUAG die geplanten Fähigkeiten tatsächlich aufbauen, den Unterhalt der Schweizer F-35A unterstützen und wirtschaftlich tragfähige Perspektiven entwickeln kann.

 

Quellen: belmedia-Redaktion; SonntagsBlick vom 11. Oktober 2026; SRF vom 6. Juni 2026; Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), Medienmitteilungen vom 25. Juni 2024 und 9. Oktober 2025.
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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