Swiss Staffingindex: Nach Konjunkturabkühlung sinken Umsätze bei Personaldienstleistern

Dübendorf (ots) –

Enttäuschende Jahresbilanz für Personaldienstleister. Auch hochqualifizierte Profile sind betroffen. Wachstum verzeichnen der Bau und haushaltsnahe Dienstleistungen.

Das Jahr 2025 hat die Schweizer Personaldienstleister wirtschaftlich gefordert. Die geleisteten Einsatzstunden der Temporärarbeitenden sanken um 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der Swiss Staffingindex zeigt. Damit fällt das Temporärgeschäft erstmals drei Jahre in Folge. Das Feststellengeschäft ging ebenfalls zurück. Nach einem bereits schwachen Jahr 2024 fiel der Umsatz 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 23,3 Prozent. Der Rückgang der globalen Konjunktur, die Wirtschaftskrise in Deutschland und die hohe wirtschaftliche Unsicherheit – auch verursacht durch die US-Zollpolitik – sind Ursachen für diese Entwicklung. Wachstumsimpulse kamen dagegen insbesondere aus dem Bau und den haushaltsnahen Dienstleistungen.

Die Schweizer Personaldienstleister sind im Jahr 2025 von einer deutlichen konjunkturellen Abkühlung getroffen worden. Grund dafür war unter anderem die US-Zollpolitik, die über Monate zu einer hohen Verunsicherung in der Exportindustrie führte. Hinzu kam die anhaltende Wirtschaftsschwäche in Deutschland, einem der wichtigsten Absatzmärkte der Schweiz. Diese Schocks führten zu einem allgemeinen Abflauen der Wirtschaftsentwicklung. Aufgrund der schwachen Auftragslage agierten viele Unternehmen sehr vorsichtig bei der Personalplanung, insbesondere in der Industrie. Während die verhaltenen Wachstumsperspektiven das Feststellengeschäft besonders stark trafen, wirkte sich das Ausbleiben kurzfristiger Auftragsspitzen negativ auf das Temporärgeschäft aus. Der anhaltende Mangel an Wohnraum und die Zinssenkungen der Schweizerischen Nationalbank zeigten im Jahr 2025 Wirkung. Das Geschäft im Bausektor blieb stabil und verhinderte einen stärkeren Rückgang – mit der Abschaffung des Eigenmietwerts ein Trend, der sich im nächsten Jahr fortsetzen dürfte.

Personaldienstleister als Spiegel des Schweizer Arbeitsmarkts

Die Temporärbranche nimmt Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt gegenüber anderen Branchen voraus. Wie die Arbeitslosenstatistik des SECO zeigt, ist die Arbeitslosigkeit in Branchen wie Forschung und Entwicklung (+146 Prozent), Informationstechnologie (+96 Prozent) und pharmazeutischer Industrie (+91 Prozent) seit Dezember 2021 am stärksten gestiegen. Christian Biedermann, Managing Director bei der Coopers Group AG, stellt fest: „Die Nachfrage nach IT-Spezialisten für Cloud-Lösungen, Cyber Security und künstliche Intelligenz bleibt hoch.“ Doch Generalisten haben es schwer: „Der Arbeitskräftemangel in der IT ist vorbei. Unsicherheit und Kostendruck halten Unternehmen besonders von Festanstellungen ab.“ Der Temporärmarkt zeigt sich differenzierter. Biedermann erläutert: „Die Zurückhaltung der Unternehmen bei neuen Projekten ist geringer und laufende Einsätze werden fortgesetzt. Die Kombination aus IT-Kompetenz und Branchenexpertise in stark regulierten Branchen ist besonders gefragt.“ Ähnlich sieht es im Pharmasektor aus. Ramon Bodenmiller, Managing Direktor von Bodenmiller Recruitment GmbH, sagt: „Im Pharma-Bereich werden Spezialisten im klinischen Bereich, in der Regulierung oder im Qualitätsmanagement weiterhin intensiv gesucht.“ Geringere Nachfrage spüre man bei übergreifenden Funktionen wie Marketing, Finance und Sales.

Wachstum im Bau und bei haushaltsnahen Dienstleistungen

Die Arbeitslosigkeit ist gemäss SECO seit Dezember 2021 in mehreren Branchen weiter gesunken, besonders deutlich in den haushaltsnahen Dienstleistungen (-17 Prozent) und im Bau (-12 Prozent). Auch dieser Trend spiegelt sich in der Temporärbranche wider. „Der Bausektor hat sich im vergangenen Jahr gut entwickelt“, sagt Balz M. Villiger, Country Manager der Gi Group Schweiz. „Vor allem Schreiner, Elektriker und Bauführer sind gefragt. Diese Berufsgruppen lassen sich nicht durch KI ersetzen. Der Trend zeigt zugleich die Stärke der Schweizer Berufslehre: Ausbildungsberufe und damit das duale Bildungssystem erweisen sich in der aktuellen Arbeitsmarktlage als tragende Säule. Sie liefern genau jene Fachkräfte, die jetzt besonders benötigt werden.“ Mit Blick auf die kommenden Monate zeigt sich Villiger optimistisch: „Die Kombination aus der Abschaffung des Eigenmietwerts, den jüngsten Zinssenkungen und der anhaltenden Wohnungsknappheit wird die Nachfrage im Bau weiter erhöhen.“ Gleichzeitig warnt er vor einer zentralen Herausforderung: „Fehlende Fachkräfte könnten für viele Bauunternehmen zum limitierenden Faktor werden.“

Mit der Betreuung von Senior:innen zu Hause ist die Temporärbranche auch im Bereich haushaltsnaher Dienstleistungen aktiv. Béatrice Mast, CEO von Dovida Schweiz, beobachtet: „Aufgrund der demografischen Entwicklung besteht bei Senior:innen eine hohe Nachfrage nach Betreuung. Dementsprechend konnte unser Unternehmen entgegen der Marktentwicklung wachsen.“ Um der steigenden Nachfrage folgen zu können, fördert Dovida Schweiz niederschwellige Ausbildungsangebote für neue Mitarbeitende. Mast erklärt: „Dank Aus- und Weiterbildung können wir auch ältere Stellensuchende – ebenfalls aus der Nichterwerbstätigkeit – rasch bei uns integrieren.“

Die Wirtschaftslage in der Schweiz bleibt gemäss Prognosen des KOF und des SECO anspruchsvoll. Die CEOs der swissstaffing Mitgliedsfirmen erwarten für 2026 eine Bodenbildung. Gemäss einer Ad-hoc-Umfrage von gfs-zürich rechnen 79 Prozent in den nächsten sechs Monaten mit einer Seitwärtsbewegung oder einem Anstieg des Geschäfts. Nur 12 Prozent rechnen 2026 mit einem Rückgang. Dr. Marius Osterfeld, Leiter Ökonomie und Politik bei swissstaffing, erinnert: „Die negativen Marktsignale überwiegen aktuell. Gleichzeitig bieten künstliche Intelligenz, das Bevölkerungswachstum und die Demografie neue Marktchancen. Dieses Wachstumspotenzial wird unterschätzt.“

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Tel: 044 388 95 70 / 079 930 45 25
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