Backlinks: Nicht alle sind nützlich für Ihre Website
von J. Florence Pompe Web
Jeder Websitebetreiber kennt das Problem: Einerseits sind viele Backlinks ein Erfolgszeichen und gut fürs Ranking. Aber viele, merkwürdige Backlinks von unpassenden Seiten, die sich plötzlich häufen, schaden der Seite und sind kein Grund zur Freude.
Normalerweise ist jeder natürlich gesetzte Backlink zur eigenen Website ein Grund zur Freude. Zeigt er doch an, dass die Inhalte der eigenen Seite für interessant, gut, lesenswert und empfehlenswert bewertet wurden von anderen Websitebetreibern.
Klar ist, dass Backlinks meist nicht natürlich wachsen, sondern SEO-Agenturen sehr dahinter her sind, für ihre Kunden ein gutes Backlinkprofil zu erstellen. Das bedeutet es wird gezielt nach guten, passenden Seiten gesucht, die zur Kundenseite verlinken könnten. Entweder wird dann mit dem jeweiligen Seiteninhaber ein Deal abgeschlossen, indem Backlinks getauscht werden oder man bietet Geld an.
In den meisten Fällen aber haben Seo-Agenturen bereits eine grosse Liste an Seiten zu den verschiedensten Themen und mit unterschiedlichsten Rankings zur Verfügung, über die sie Links zu den Kundenseiten streuen können. Auch gibt es natürlich einige Portale, in denen man sich Backlinks für jedes Thema und jedes Budget aussuchen kann.
Google mag diese Praxis, das Ranking zu verbessern zwar gar nicht, aber es ist einfach gängige Praxis. So weit so gut. Normalerweise ist jeder Backlink willkommen, denn so einfach ist es ja nicht, in den Weiten des Webs mit einer Webpräsenz einfach so wahrgenommen zu werden, ohne nachzuhelfen.
Backlinks kann man natürlich auch durch verschiedene Werbemassnahmen oder Aktionen bekommen. Blogger veranstalten dazu etwa Bloggerparaden, bei denen viele Blogger zu einem Thema etwas schreiben und dann eine Liste von Blogs verlinken. Der Idealfall aber ist, dass die Inhalte einer Seite so interessant, sinnvoll oder auch provokant sind, dass eben sehr viele Personen freiwillig auf diese verlinken.
Das ist das natürliche Prinzip, das Google eigentlich von allen Seiten erwartet. Man kann sich denken, dass besonders gute Informationsseiten genau so funktionieren. Aber es gibt viele Themen, die einfach nicht viele Menschen interessieren und es gibt oft eine grosse Konkurrenz unter den Websites, sodass die Seitenbetreiber selbst für Backlinks sorgen. Eben durch Tausch oder Kauf.
Aber das soll hier nicht das Thema sein. Nur soviel: Normalerweise freuen sich Seiteninhaber über Backlinks! Aber hat man plötzlich im Backlinkprofil viele merkwürdige, thematisch unpassende Seiten, oft auch noch in einer Fremdsprache, sollte man wachsam werden. Denn diese Backlinks können der eigenen Seite sehr schaden.
Wenn minderwertige oder spamartige Webseiten auf den eigenen Blogs verlinken
Wer kein SEO-Experte ist, wird nicht unbedingt wissen, was es mit diesen Backlinks auf sich hat und ob sie gut oder schlecht sind. Daher ist ein bisschen Hintergrundwissen für jeden, der eine Webpräsenz hat, wichtig. Wir erklären die Gründe für das Setzen solcher Links:
- Backlink-Spam: Schlechte Webseiten versuchen oft, ihre eigene Sichtbarkeit in den Suchmaschinen zu verbessern, indem sie Links auf verschiedene Seiten streuen, in der Hoffnung, dass dies ihre eigene Domain-Autorität erhöht. Sie verlinken dabei auf qualitativ hochwertige oder populäre Seiten.
- Traffic-Umleitung: Manche Seiten versuchen, Traffic von seriösen Blogs oder Webseiten abzugreifen, indem sie darauf verlinken und Nutzer dazu verleiten, auf ihre minderwertigen Seiten zu wechseln. Wie das geht, erklären wir weiter unten.
- Negative SEO: In seltenen Fällen können die Backlinks Teil einer „Negative SEO“-Taktik sein. Dabei verlinken minderwertige Seiten absichtlich auf die bessere Seite, um deren Suchmaschinen-Rankings zu schädigen, indem sie Google suggerieren, dass deine Seite mit Spam in Verbindung steht.
- Automatisierte Tools: Viele minderwertige Seiten verwenden automatisierte Tools, um massenhaft Links zu generieren. Diese Programme verlinken oft auf zufällige Webseiten, ohne eine klare Strategie dahinter.
- Link-Farming: Diese Seiten könnten Teil eines Netzwerks sein, das versucht, Links aufzubauen, um Suchmaschinen zu manipulieren. Sie hoffen, dass durch die Masse an Backlinks ihre eigene Seite von Google als relevanter eingestuft wird.
Aus all diesen Gründen ist es ratsam, minderwertige Backlinks zu überwachen und gegebenenfalls über die Google Search Console zu entwerten mit dem Disavow Tool. So können Sie negative Auswirkungen auf Ihr Suchmaschinenranking verhindern.
Wie funktioniert die Traffic Umleitung von der guten auf die schlechte Seite?
Die Traffic-Umleitung von minderwertigen Seiten funktioniert durch manipulative Methoden, um Nutzer dazu zu bringen, ihre Seiten zu besuchen. Dies kann durch folgende Methoden gelingen:
1. Verwirrende Links
Minderwertige Seiten können Nutzer dazu verleiten, auf vermeintlich hilfreiche oder relevante Links zu klicken, um diese zu einer anderen Seite zu leiten. Die schlechte Seite erweckt dann den Eindruck, dass der Link auf die gute Seite verweist, aber entweder leitet der Link über Umwege zurück zur schlechten Seite, oder der Nutzer landet zuerst auf der guten Seite und wird dann durch weitere Pop-ups, Werbung oder falsche Aufforderungen wieder zurückgeführt.
2. Zwischenziel-Seiten
Ein gängiger Trick ist, dass minderwertige Seiten sogenannte „Zwischenziel-Seiten“ einrichten, die wie eine echte Seite oder eine Suchergebnisseite aussehen, aber den Traffic letztlich wieder zurück auf die minderwertige Seite oder eine andere Affiliate-Seite lenken. Diese Seiten tun so, als wären sie eine legitime Verknüpfung zu Ihrer Website, zeigen aber dem Nutzer zwischendurch Werbeanzeigen oder andere Inhalte, bevor sie den Traffic umleiten.
3. Affiliate- und Partnerprogramme
Manche minderwertigen Webseiten nutzen Links zu populären oder vertrauenswürdigen Seiten, um ihr eigenes Affiliate-Marketing zu verstärken. Ein Beispiel: Sie verlinken auf Ihre Seite und hoffen, dass der Nutzer danach auf die eigene Seite zurückkehrt oder durch zusätzliche Aufforderungen auf Affiliate-Links klickt. So verdienen sie Geld durch den Traffic.
4. Clickbait oder gefälschte Inhalte
Das sind sensationelle Überschriften oder Inhalte, die behaupten, den Nutzer auf Ihre Seite zu leiten, aber in Wahrheit auf eine andere minderwertige Seite führen, sobald der Link angeklickt wird. Hier nutzen sie die Glaubwürdigkeit einer seriösen Seite, um Vertrauen zu gewinnen, lenken den Traffic aber zu ihren eigenen Inhalten um.
5. Technische Manipulation (z. B. „Redirect Chains“)
In manchen Fällen könnten minderwertige Seiten durch technische Tricks wie JavaScript-Umleitungen oder Meta-Refresh-Methoden versuchen, Nutzer unbemerkt von Ihrer hochwertigen Seite auf ihre eigenen Seiten umzuleiten. Dabei wird der Nutzer zunächst zu deiner Seite weitergeleitet, jedoch sofort im Hintergrund auf eine andere Seite umgeleitet, ohne dass er es bemerkt.
Wie profitieren die Linksetzer von diesen Methoden?
- Werbeeinnahmen: Wenn sie viele Nutzer auf ihre Seite lenken, können sie durch Klicks auf Werbung oder Affiliate-Links Geld verdienen.
- Verbesserung des eigenen Rankings: Sie könnten hoffen, dass durch die Verbindung mit einer höher eingestuften Seite ihr eigener SEO-Rang verbessert wird.
- Phishing: In manchen Fällen könnten betrügerische Seiten versuchen, persönliche Daten oder Anmeldedaten zu stehlen, indem sie Nutzer zu gefälschten Anmeldeseiten oder Formularen leiten.
Um sich dagegen zu schützen, ist es wichtig, minderwertige Backlinks in regelmässigen Abständen zu überwachen und, falls erforderlich, über Google Search Console das Disavow Tool zu verwenden, um solche Links zu entwerten.
Ab welcher Anzahl solcher Links sollte man hellhörig werden und diese beim Disawow Tool melden?
Die Entscheidung, ab wann man minderwertige Backlinks über das Disavow Tool entwerten sollte, hängt weniger von der genauen Anzahl der Links ab, sondern mehr von der Qualität und dem potenziellen Schaden, den sie verursachen könnten. Hier sind einige Orientierungspunkte für Seitenbetreiber.
1. Qualität vor Quantität:
Einzelne minderwertige Links, die von fragwürdigen Seiten kommen, sind normalerweise kein Grund zur Sorge. Google kann dies gut analysieren und diese Links ignorieren.
Bei massiven Mengen von minderwertigen Links und auch dann, wenn sie immer mehr werden, heisst es, einschreiten. Eine plötzliche Zunahme kann ein Zeichen für Negative SEO oder eine unorganische Verlinkung sein. Ein Wettbewerber könnte Ihrer Seite schaden wollen. Aber auch, wenn Ihre Seite einfach seriös und erfolgreich ist, kann sie massenhaft solcher Backlinks anziehen, für die Reputation der schlechten Seiten.
2. Herkunft der Links
Spam-Seiten oder Seiten mit schlechter Reputation: Wenn Sie Links von Seiten sehen, die offensichtlich Spam sind, gefährliche Inhalte haben (z. B. Malware-Seiten), oder Teil eines Link-Farming-Netzwerks sind, ist es ratsam, sofort Massnahmen zu ergreifen.
Nicht themenrelevante oder irreführende Seiten: Links von Seiten, die nichts mit Ihrem Inhalt zu tun haben oder auf Spam-/Clickbait-Methoden setzen, können problematisch sein. Diese Links sind oft ein Zeichen für manipulative SEO-Praktiken.
3. Unnatürliche Ankertexte
Wenn viele der Backlinks unnatürliche Ankertexte verwenden (z. B. Keyword-Stuffing, kommerzielle Begriffe, die nichts mit Ihrem Content zu tun haben), kann das ein weiteres Zeichen für minderwertige oder schädliche Verlinkungen sein.
4. Negative Auswirkungen auf Ihr Ranking
Wenn Sie bemerken, dass Ihr Ranking plötzlich und unerklärlich fällt, könnte es sein, dass minderwertige Links dazu beitragen. In diesem Fall sollten Sie die Backlink-Profilanalyse intensivieren und potenziell schädliche Links über das Disavow Tool entwerten.
Wann das Disavow Tool verwenden?
Verwenden Sie das Disavow Tool nur dann, wenn Sie sicher sind, dass minderwertige oder schädliche Links Ihr Ranking beeinträchtigen könnten, und Sie diese Links nicht auf natürlichem Wege entfernen können (z. B. durch Kontaktaufnahme mit dem Webmaster der verlinkenden Seite).
Anzahl der Links: Es gibt keine feste Zahl, aber wenn Sie z. B. mehrere Dutzend bis Hunderte von minderwertigen Links entdecken oder Ihre Zahl stetig steigt, sollten Sie dies ernsthaft in Betracht ziehen.
Lesen Sie hier die genaue Anleitung von Google.
Schritte zur Überprüfung und zum Disavow:
- Backlink-Profil überwachen: Nutzen Sie Tools wie Google Search Console, Ahrefs oder SEMrush, um regelmässig Ihr Backlink-Profil zu überwachen.
- Verdächtige Links analysieren: Schauen Sie sich verdächtige Domains und ihre Inhalte an, um zu entscheiden, ob sie tatsächlich problematisch sind.
- Entwerten (Disavow): Wenn Sie genügend minderwertige oder schädliche Links identifiziert haben, die Ihre SEO-Ranking beeinträchtigen könnten, erstellen Sie eine Liste mit diesen Links und reichen sie über das Google Disavow Tool ein.
Titelbild: Zhanna Hapanovich – shutterstock.com