Schlüsselqualifikation für Mitarbeitende: Virtuelle Kompetenz

Virtuelle Kompetenz beschreibt die Fähigkeit, in einem digitalen Arbeitsraum mit seinem Gegenüber in einer Qualität zu kommunizieren, die einer persönlichen Begegnung nahekommt.

Nachdem für viele Teams diese Art der Verbindung die einzig mögliche Form ist, braucht es einen empathischen Schlüssel. Dieser führt nicht nur zu einem intensiven persönlichen Erleben und einer neuen Form des Miteinanders, auch die Effizienz wird gesteigert und die damit verbundenen Arbeitsergebnisse begünstigt.

Betrachten wir die Digitalisierung und wie diese aufgrund der Pandemie drastisch beschleunigt worden ist, erinnert es an eine andere Zeit: Die Entwicklung der mobilen Kommunikation. Ein Blick zurück beweist: Es ist noch gar nicht so lange her, als Mobiltelefone sich den Weg durch unsere Gesellschaft bahnten. Von vielen zunächst skeptisch beäugt, gingen andere davon aus, dass es sich nur um eine Modeerscheinung handelt. Für den einen oder anderen, wenig technik-affinen blieb die Hoffnung, dass dem Ganzen bald Einhalt geboten wird. Weit gefehlt! Inzwischen ist die mobile und digitale Welt so präsent, dass eine Umkehr nicht mehr denkbar ist, auch wenn wir darüber philosophieren: Inwieweit ist das alles sinnvoll? Oder: Wie wollen wir zukünftig damit umgehen – als Menschen und Organisationen?

Lange Zeit beliebt und vehement gefordert: Das analoge Treffen

Obwohl die Kompetenz, sich virtuell gut bewegen und kommunizieren zu können, bereits mit der Jahrtausendwende Eingang in unser Bewusstsein gefunden hat, haben sich Unternehmen lange dagegen gesträubt. Als Trainerin und Beraterin begegnete mir in dieser Zeit häufig die Haltung, dass man rein theoretisch über diese technischen Neuerungen verfüge, dass sich jedoch bisher keine Notwendigkeit zu deren Nutzung ergeben habe. In den Gesichtern meines Gegenübers sah ich stets Erleichterung, wenn man sich statt für die virtuelle Möglichkeit dann doch letztlich für die konventionelle Variante eines analogen persönlichen Treffens entscheiden konnte. Auch in den folgenden Jahren hielt sich bei vielen Führungskräften und Mitarbeitenden vehement die Einstellung, dass es um jeden Preis möglich sein müsse, sich in Präsenz zu einer Besprechung, einem Workshop oder beispielsweise einem Vorstellungsgespräch zu verabreden – auch wenn es dazu einer enormer Reisetätigkeit und eines nicht minder zeitintensiven Organisationsaufwandes bedurfte.

Konfrontation mit der virtuellen Realität

Anscheinend brauchte es also die unvorhergesehene, schicksalhaft herbeigeführte Notwendigkeit, um uns mit den virtuellen Möglichkeiten zu konfrontieren und letztendlich zu verbinden. Viele Organisationen lehnten es vor der Pandemie vehement ab, Arbeitsplätze im Homeoffice einzurichten, geschweige denn, sie zu etablieren. Dies war in den Kulturen vieler Unternehmen undenkbar. Vor allem mangelte es bei vielen Führungskräften am Vertrauen. Und so schnell, wie sie eingerichtet waren, sollten die Homeoffice-Plätze auch wieder abgeschafft werden. Mit einem hatten die Unternehmen allerdings nicht gerechnet: viele Mitarbeitende wollten nicht mehr weg aus den heimischen Arbeitsplätzen.

Apropos … Arbeiten von zu Hause aus, oder auch von einem beliebigen Platz auf der Welt – stabile Internetverbindung vorausgesetzt – hat dazu geführt, dass sich eine komplett neue Denkrichtung entwickelt. Inzwischen locken sogar Urlaubsorte mit Angeboten, um die Bedarfe und Bedürfnisse der modernen Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter zu bedienen. Menschen sind zu Arbeitsnomaden geworden. Im Umkehrschluss gehen viele Unternehmen dazu über, ihre Büroräume anderweitig zu nutzen, zu vermieten oder sogar zu verkaufen.

Vor allem Empathie ist gefragt

Digitale Fähigkeiten werden oft gleichgesetzt damit, Programme und Instrumente bedienen zu können, die heute als moderne Kommunikationswerkzeuge zur Verfügung stehen. Jemand, der zur richtigen Zeit die richtigen Knöpfe drücken kann, hat zumindest einen Teil der virtuellen Kompetenz gut gemeistert. Für den anderen – mindestens ebenso wichtigen – Teil braucht es vor allem Empathie. Ob die virtuelle Kompetenz in ausreichendem Masse zum Einsatz kommt, lässt sich schnell daran erkennen, dass einem in der realen Begegnung die zuvor virtuell kennengelernte Person irgendwie sehr bekannt vorkommt.

Vor allem der Einsatz der Körpersprache wird im virtuellen Raum häufig unterschätzt. Dabei ist es gerade die Beobachtung der Gestik und Mimik, die Menschen miteinander verbindet. Über die Spiegelneuronen stellen wir uns auf das Gegenüber ein und richten unsere Reaktionen dementsprechend aus. Jemandem, der mürrisch und schlecht gelaunt am Bildschirm erscheint, können wir selbst nur schwerlich die beste Laune entgegenbringen. Hingegen werden wir eine gewisse Leichtigkeit empfinden, sobald die Gesprächspartner im virtuellen Raum gut gelaunt und motivierend in die Begegnung einsteigen. Man lässt sich selbst dann gerne davon einladen und kommt schnell in eine entsprechende Motivationslage.

Fazit

Auf jeden Moment des virtuellen Ablaufs flexibel zu reagieren und dabei den positiven Grundton der Kommunikation aufrechtzuerhalten, ist das erklärte Ziel der virtuellen Kompetenz. Mit der Zeit finden sich so auch im virtuellen Kontext stabile Strukturen, die ein individuelles Auftreten mit Wiedererkennungswert nach sich ziehen. Auf das Unvorhersehbare vorbereitet zu sein ist eine grundlegende Haltung, die viel Gelassenheit in den virtuellen Raum bringt, um einer neuen Form der Kreativität freien Lauf zu lassen: Prepair for the unprepairable!

Weiterführende Lektüre



Petra Motte

Online moderieren & virtuell gestalten:

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Über das Buch 

Der digitale Umbruch in den letzten Jahren hat Unternehmen und Mitarbeitende gleichermaßen (heraus-)gefordert! Uns alle zusammen manches Mal an den Rand der Verzweiflung gebracht. Mit eruptionsartiger Macht und Geschwindigkeit haben sich Prozesse verändert. Über Nacht wurden wir in die virtuelle Neuzeit katapultiert und haben manchmal notgedrungen, das andere Mal mit einem Lächeln gelernt, damit umzugehen: Besprechungen und Meetings zwischen verbindungsschwachen Home-Offices, Recruiting, das plötzlich komplett online ablaufen mussten oder Workshops, bei denen sich die Teilnehmer räumlich getrennt und trotzdem irgendwie menschlich zusammenfinden mussten. Inzwischen gehört all das zum Alltag.

Virtuelle Kompetenz hat sich nicht nur etabliert, sie ist inzwischen sogar zu einer Schlüsselqualifikation unserer Zeit geworden. Auch, wenn wir uns technisch in vieles eingearbeitet haben, uns Systeme und Programme inzwischen vertraut sind, stellt uns das Ganze persönlich manchmal doch vor die eine oder andere Herausforderung. Die Kommunikation soll menschlich, interaktiv spannend, unterhaltsam und lehrreich sein.

In der Praxis erfordert die virtuelle Arbeit ganz besondere Kompetenzen: Ein hoher Grad an Empathie ist digital ebenso notwendig wie kulturelles Verständnis und persönliche Wertschätzung. Es braucht immer wieder die Lust, locker zu improvisieren (wenn es denn notwendig ist – und das ist es durchaus öfter) und besonders kreativ zu arbeiten (wenn der direkte zwischenmenschliche Kontakt mimisch und gestisch auf ein kleines Quadrat am Bildschirm beschränkt ist).

Im Buch „Online moderieren & virtuell gestalten“ lädt die Autorin Petra Motte mit einem gewissen Augenzwinkern auf diese Reise ein und begleitet den Leser mit zahlreichen Geschichten und Fallbeispielen aus der virtuellen Realität sowie Praxistipps für ein gelungenes digitales Miteinander.

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Titelbild: varuna – shutterstock.com

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Mehr zu Petra Motte

Petra Motte arbeitet seit vielen Jahren als Trainerin, Beraterin, Coach und Mediatorin. In Südostasien sammelte sie über 10 Jahre lang internationale Erfahrungen, die sie inzwischen auf Konzern- und Unternehmensebene einbringt. Prozessoptimierung, ganzheitliches Change-Management, virtuelle Entwicklung oder interkulturelle Fragen – die grosse Leidenschaft von Petra Motte sind die Menschen, die hinter den Zahlen stecken. www.movasis.com

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