Steigende Heizkosten mit Sprengkraft

13.10.2021 |  Von  |  News

Europa steht ein teurer Winter bevor. Dies lassen zumindest die jüngsten Entwicklungen bei den Energiepreisen vermuten. Sämtliche Energieträger wie Gas, Erdöl und in letzter Instanz Strom sind deutlich im Preis gestiegen.

Die Gaspreise haben sich seit Jahresbeginn mancherorts mehr als versechsfacht. Schuld daran ist wie so oft eine das Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Tiefe Lagerbestände an Erdgas in Europa aufgrund des langen Winters, eine hohe Nachfrage nach Energie durch die anziehende Wirtschaft sowie Hamsterkäufe von Flüssiggas in China nach den jüngsten Stromausfällen. Hinzu kommen strukturelle Schwächen, welche aus der Energiepolitik der letzten Jahre resultieren. Und nun steht der Winter auf der Nordhalbkugel vor der Tür und man will sich für den Heizbedarf wappnen.

Die gestiegenen Elektrizitätspreise in Europa haben wiederum ihren Ursprung in den steigenden Gas- und Erdölpreisen der letzten Wochen. Denn aufgrund des Ausstiegs aus der Nuklear- und Kohleenergie sind Teile Europas, insbesondere Deutschland, zunehmend von Kombi-Gaskraftwerken zur Stromgewinnung abhängig, insbesondere im Winter. Höhere Energiepreise führen direkt und indirekt zu einer höheren Inflation. Sie belasten insbesondere die Margen von energieintensiven Branchen wie Düngemittel-, Chemie- oder Industrie, die versuchen diese Kosten weiterzugeben. Höhere Heizkosten belasten zudem die einkommensschwachen Haushalte überproportional, was auch eine gewisse soziale Sprengkraft mit sich bringt.

Vielfältige Massnahmen in Europa

Etliche europäischen Regierungen haben deshalb erste Massnahmen angekündigt, um die Belastung für die Bevölkerung zu lindern. Die Massnahmen umfassen die Beschränkung der Gewinne der profitierenden Versogungsunternehmen sowie Steuerreduktionen für betroffene Haushalte. Frankreich hat zudem die Preiserhöhungen für Erdgas gedeckelt. Trotz aller Massnahmen sind die Energiepreise in Ländern wie Spanien oder Italien bis dato um 15-30% gestiegen und eine Entspannung ist vorerst nicht in Sicht.

Entspannung erst im Frühjahr

Eine Entlastung der angespannten Situation ist kurzfristig nicht absehbar. Das Einzige, was helfen kann, ist ein milder Winter in Europa und entsprechend geringem Heizbedarf. Ansonsten ist eine gegenläufige Preisentwicklung erst im Frühjahr zu erwarten, wenn der Bedarf an Energie auf der Nordhalbkugel aufgrund des milderen Wetters zurückgeht.

 

Titelbild: New Africa – shutterstock.com

About Beat Schiffhauer

Beat Schiffhauer ist Senior Strategieanalyst der St.Galler Kantonalbank. Er ist mitverantwortlich für die globale Konjunkturanalyse sowie der Situation an den Finanzmärkten. Seine Analysen dienen als Grundlage für die Entscheide im Rahmen des Anlageprozesses. Er ist hauptsächlich verantwortlich für die interne und externe Kommunikation marktrelevanter Ereignisse und Themen. Davor war Beat Schiffhauer im Portfoliomanagement bei der UBS tätig. Er hat an den Universitäten Bern und Kopenhagen Volkswirtschaft studiert und ist ein CFA-Charterholder. Berufsbegleitend studiert er „Applied History“ an der Universität Zürich.


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