Die Handelskammer Schweiz-Österreich-Liechtenstein feierte 100 Jahre im Stadtpalais Liechtenstein in Wien.

04.10.2021 |  Von  |  Presseportal

Wien (ots) –

Welche Rolle Bildung und Innovation in Zukunft einnehmen sollten, diskutierte ein hochkarätiges Podium. Die Keynote dazu hielt Prof. Detlef Günther von der ETH Zürich.

Seit 100 Jahren sorgt die Handelskammer Schweiz-Österreich-Liechtenstein (HKSÖL) für einen ausgezeichneten Ablauf der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Ländern. Welche Rahmenbedingungen in Sachen Bildung und Innovation in Zukunft gesetzt werden müssen, darüber diskutierte ein hochkarätiges Expertenpanel bestehend ausAndrea Stürmer (Vorsitzende des Vorstandes, Zürich Versicherungs-AG, Wien),Peter Spuhler (Executive Chairman und Group CEO a.i. von Stadler Rail AG, Bussnang/Schweiz),Georg Kopetz (Gründer und Vorstand der TTTech Computertechnik AG, Wien) undKlaus Risch (Präsident der Liechtensteinischen Industrie- und Handelskammer, Vaduz). In seiner Keynote-Speech forderte der Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen an der ETH Zürich,Detlef Günther, mehr Mut von den Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik: Wir sind auf einem Weg, an das Unmögliche zu glauben, wie z.B. synthetisches Kerosin herzustellen oder Fleischersatz. Die Zeit, wo revolutionäre Ideen in den Garagen entstanden sind, ist vorbei. Covid hat uns gezeigt, wie wichtig Grundlagenforschung ist. Es hat uns aber auch gezeigt, dass die Gesellschaft nicht weiß, wie Forschung funktioniert. Daher ist der Dialog mit der Gesellschaft enorm wichtig.

Standort Europa hat Zukunft, aber Gefahr durch zu viele Regularien

Eine Lanze für das Unternehmertum brach Peter Spuhler: Wir leben in einer Zeit, wo immer mehr Verantwortung an den Staat abgeschoben wird. Das ist nicht förderlich für das Unternehmertum. Wir müssen auch schauen, dass das, was an den Hochschulen entwickelt wird, auch ins Unternehmertum einfließen kann. Dazu braucht es aber auch die Unternehmer, die bereit sind ins Risiko zu gehen. Ohne Eltern, die einem eventuell eine ganze Firma kaufen?. Wie der Amtsschimmel wiehert, erfuhr Spuhler zuletzt beim verlorenen Milliardenauftrag von den ÖBB. Das Bundesverwaltungsgericht gab dem Einspruch des Mitbewerbers wegen einer fehlerhaften Signatur recht. Seit 15 Jahren nehmen wir an Ausschreibungen mit dieser Signatur teil. Erstmals gab es nun ein Problem in Österreich. Wir versuchen mit guten technischen Produkten zu gewinnen. Wir werden aber in die zweite Instanz gehen, zeigt sich Spuhler kämpferisch. Den Einfluss staatlicher Institutionen sieht auch Klaus Risch kritisch:Innovation ist auch in Liechtenstein ein zentrales Thema. Innovation macht nur Sinn, wenn sie für den Kunden umgesetzt werden kann. Man darf aber am Markt nicht vorbei produzieren. Die Zusammenarbeit der Institutionen ist für uns extrem wichtig. Wir wollen den Weg gemeinsam mit Europa gehen, aber die Regularien und Gesetzgebungen sind für uns manchmal schwer lösbar. Bei 40.000 Einwohnern haben wir 5.000 Unternehmen. Damit müssen wir umgehen. Stimmen die Rahmenbedingungen, verliert für Risch auch China als Mitbewerber seinen Schrecken. Für uns ist Europa nach wie vor ein Innovationsstandort. Es wird in China produziert, aber es wird diskutiert, dass strategisch wichtige Produkte wieder näher an den Märkten produziert werden sollten. Daher sehe ich eine starke Zukunft für Europa ? vorausgesetzt, es gibt bei den Regulatorien eine gewisse Einsicht. Firmen müssen auch atmen können, so Risch.

Einen Blick über den Tellerrand forderte Georg Kopetz: Wir haben in Europa mehr Softwareentwickler als in den USA. Trotzdem schaffen wir nicht die Wertschöpfung. Man muss das als globalen Wettbewerb sehen. Uns fehlt hier in Europa das internationale Sprachrohr, um zu sagen, wir machen etwas besser als andere. Da fehlt uns der Mut. Zudem muss sich Europa stärker vernetzen. Es mangelt auch oft an der Vernetzung zwischen Professuren und Unternehmen. Daher suchen wir an unseren Standorten den Kontakt zu Universitäten und bilden Leute aus. Man muss in die Ausbildung investieren. Eine goldene grüne Zukunft prognostiziert Andrea Stürmer: Früher haben wir uns vor Startups gefürchtet. Heute veranstalten wir weltweite Startup-Wettbewerbe, um an Innovationen zu kommen. Auch der „Green Deal“ wird einen Innovationsschub auslösen. Ich glaube, man muss nur mit den Regulatorien vorsichtig sein. Und es braucht ein präzises Arbeiten, um nicht dem Greenwashing ausgesetzt zu werden. Wir haben als Versicherung einen gesellschaftlichen Auftrag. Wir veranlagen die Gelder der Bevölkerung. Und wir sichern ab. Unser Gesamtportfolio soll bis 2050 auf netto null CO2 sein. Wir begleiten Unternehmen dabei, den CO2 Ausstoß zu verringern. Wem diese Transformation nicht gelingt, dessen Wert wird stark fallen. Schon 2017 haben wir uns von Unternehmen, die den Transformationsprozess nicht mittragen wollten, getrennt.

Auch der Generalsekretär der Kammer,Urs Weber, betonte die Rahmenbedingungen: Die Investition in ein attraktives ,Biotop` für den Übergang von der Universität zum Unternehmertum ist ein absolutes Muss. Dazu sollten aber auch die staatlichen Rahmenbedingungen stimmen.

Unter den Gästen:Roland Schubert (CEO der LGT Bank AG Vaduz), der Schweizer BotschafterWalter Haffner, Wirtschaftskammer Liechtenstein-PräsidentMartin Meyer,Ex-Nestlé-ChairmanPeter Brabeck-Letmathe,Urs Durrer (Amt für Wirtschaft Kanton Schwyz), Managing DirectorBernhard Egger(Air Partner International), HKSÖL-PräsidentHeinz Felsner,Alexandra Fink (Leiterin Niederlassung Swiss Life Österreich),Burkhard Gantenbein(Geschäftsführender Gesellschafter Ango Invest GmbH),Ina Gruber (Swiss Business Hub Austria), HaubenkochToni Mörwald,Emmi Österreich-Geschäftsführer Thomas Heller,die Schweizer BotschaftsrätinChristina BürgiDellsperger,Nikolaus Kawka(Geschäftsführer und Partner Zühlke Engineering Austria), die liechtensteinische BotschafterinMaria-Pia Kothbauer,Helvetia-CEO Georg Krenkel, Peter Laggner(Vorstand Trimetis AG), Wirtschaftskammer Liechtenstein-Geschäftsführer Jürgen Nigg,Schindler-GeschäftsführerDaniel Reisenberger, Alexander Riklin(CEO Alcar Holding), Markus T. Schweizer(Managing Partner, EMEIA Japan Business Services bei EY), , BIG-GeschäftsführerHans-Peter Weiss und Kneissl-GeschäftsführerDieter Weinreich.

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