Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Digitalisierung in Ihrem Unternehmen

20.02.2018 |  Von  |  Digitalisierung, News
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Eigentlich ist es ja seltsam. Seit 30 Jahren gibt es PCs, seit 20 Jahren telefonieren wir mobil und surfen im Internet. Seit 10 Jahren sind wir mit unseren Smartphones sogar dauerhaft online. Sind wir denn nicht schon längst digital? Also alles nur alter Wein in neuen Schläuchen?

Was bedeutet Digitalisierung eigentlich genau? Und am wichtigsten: Was sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche digitale Transformation?

Digitalisierung = Wert für den Kunden schaffen

Wenn wir über Digitalisierung reden, macht es Sinn, sich erst einmal darüber klar zu werden, was Unternehmen eigentlich sind und was sie tun. Unternehmen sind Organisationen, die Werte schaffen und sie verkaufen. Klingt simpel – und das ist es auch. Was dieser Wert ist, entscheidet aber immer der Kunde. Digitalisierung ist folglich die Nutzung aller digitalen Möglichkeiten, um Mehrwert für den Kunden zu schaffen.

Deshalb ist Digitalisierung kein Prozess, den die IT-Abteilung oder „die jungen Wilden“ abwickeln und vorantreiben sollen. Sondern etwas, das das ganze Unternehmen betrifft. Damit ist die Unternehmensführung gefordert: Digitalisierung ist Chefsache. Und nein, mit dem Abarbeiten des E-Mail-Postfachs ist es nicht getan!

Digitalisierung ≠ Technik und Industrie 4.0

Zeit, um mit dem nächsten Vorurteil aufzuräumen: Digitalisierung sei immer etwas Technisches – eine neue Software oder ein neues Device. Nein, es geht nicht zwingend um Software, Algorithmen und Maschinen. Es geht um den bereits genannten Wert, den das Unternehmen für seinen Kunden schafft. Und das nicht nur heute, sondern auch in Zukunft. Dieser Wert kann durch ein neues Geschäftsmodell, ein neues Produkt oder durch den Fokus auf eine neue Zielgruppe entstehen.

Nur ein bisschen schneller und ein bisschen preiswerter zu produzieren, reicht nicht mehr aus. Prozesse zu automatisieren und zu optimieren, ist natürlich kein Fehler, das müssen Sie ohnehin tun. Aber Industrie 4.0 ist kein Allheilmittel, denn der Endkunde kriegt nichts davon mit, wenn Ihre Produktion digital mit dem Zulieferer kommuniziert.

Stattdessen müssen Sie den gesamten Kundennutzen im Blick haben. Schauen Sie sich die Automobilbranche an. Die grossen Marken haben erkannt, dass sie nicht mehr ausschliesslich Automobilhersteller sein können, sondern primär Mobilitätsanbieter. Der Kunde möchte von A nach B kommen – was für Prozesse dahinterstehen, ist ihm erst einmal egal. Er möchte nur eine einfache, schnelle und flexible Fortbewegung. Und auf einmal gibt es nicht nur das eigene Auto und den öffentlichen Verkehr mit Bus und Bahn. Nein, es gibt Mietwagen, Car Sharing, Mitfahrzentralen (wie Bla Bla Car aus Frankreich) oder das amerikanische Unternehmen Uber, das weltweit die Taxi-Branche aufmischte. Alles Lösungen für den Weg von A nach B. Immer an erster Stelle: der Wert für den Kunden.

Und wo fange ich an?

Zu Beginn ist es wichtig, sich einen ersten Eindruck über den Status quo des Unternehmens zu machen – wo stehe ich eigentlich? Intern sollten die eigenen Prozesse hinterfragt und auf den Prüfstand gestellt werden. Bei dieser Standortbestimmung muss geschaut werden, welche digitalen Lösungen bereits genutzt werden. Also wie digitalisiert ist das, was ich tue bereits?

Blicken Sie in alle Abteilungen, von der Buchhaltung bis zur Produktentwicklung. Ganz wichtig und oft übersehen: die Kommunikation mit dem Kunden. Muss er noch auf altmodische Weise via Fax bestellen oder verschiebt er das Produkt einfach und bequem in den Warenkorb, während er gleichzeitig mit Ihrem Kundenservice über Chat kommuniziert?

Wenn Sie hier Klarheit haben, werfen Sie als nächstes einen Blick auf den Markt, in dem Sie agieren. An welcher Position befinden Sie sich hier? Der Blick auf die Konkurrenz ist wichtig, damit Sie Entwicklungen nicht verschlafen. Sie müssen nicht immer der Erste sein, aber Sie müssen wissen, wann es an der Zeit ist umzusatteln. Nokia hat den Trend zum Smartphone verschlafen, VW und andere Automobilhersteller haben lange Zeit das „tote Pferd“ Dieselmotor geritten. Haben Sie den eigenen Markt nicht im Blick und reagiert die Konkurrenz, ist Ihr Geschäftsmodell schnell überholt. Oder schreiben Sie noch SMS?

Ziele festlegen

Niemand weiss genau, was die Zukunft bringt, aber es ist wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wo Sie mit Ihrem Unternehmen hinwollen. Und nicht nur das – Sie müssen durch Marktbeobachtung antizipieren können, wie die Welt in drei bis fünf Jahren aussehen wird. Erst dann setzen Sie sich wirklich mit Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen auseinander. Wenn Ihnen das zu abstrakt und zu viel Kaffeesatzleserei ist, helfen Sie sich mit einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah die Welt vor fünf Jahren aus? Die Smartphones waren noch deutlich kleiner und die Autos von Carsharing-Anbietern liessen sich auch in Grossstädten noch an einer Hand abzählen.

Wenn Sie eine Vision haben, wie die Welt aussehen könnte, müssen Sie sich klarmachen, welche Rolle Sie in dieser Welt spielen wollen. Erst wenn hier ein Ziel feststeht, kann es um Strategie gehen. Brauchen Sie zum Beispiel neue Mitarbeiter, neue Organisationsformen oder Fortbildungen für das bestehende Personal?

Kultur frisst Strategie

Ein häufiges Problem in Organisationen: Strategie muss auf den fruchtbaren Boden einer Unternehmenskultur treffen, die strategisches Handeln überhaupt zulässt. Den Mitarbeitern wird häufig gesagt, sie sollen „ganz neue Wege gehen“, „out-of-the-box denken“ oder „einfach mal kreativ sein“. Wenn die Mitarbeiter aber an „alten“ Kennzahlen wie Umsatz gemessen werden, bleibt dieser Ansporn zum Querdenken ein blosses Lippenbekenntnis. Denn wer weder Anerkennung noch Raum für Kreatives bereithält, muss sich nicht wundern, wenn Mitarbeiter weiter Arbeit nach Schema F verrichten.

Bremsklotz Aufschwung

Eigentlich eine paradiesische Situation für Unternehmen: Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, der Umsatz stimmt und es läuft alles nach Plan. Doch häufig täuscht die Hochphase über organisatorische Mängel hinweg. Die Zahlen blenden die Geschäftsführung und strategische Entwicklungen bleiben unbearbeitet. Denn in Hochphasen ist die Arbeitsbelastung meist hoch. Es bleibt kaum Zeit für nachhaltige Strategie.

Und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, den Anschluss an die Konkurrenz zu verpassen. Es müssen nicht immer junge Start-ups sein, die hippe, disruptive Innovationen auf den Markt bringen. Auch Traditionsunternehmen fangen damit an, neue Werte für Kunden zu schaffen. Zum Beispiel die Otto Group: Der einstige Katalogversender macht heute den Grossteil seiner Umsätze online – und hat sich so zum lokal grössten Konkurrenten des Marktführers Amazon entwickelt. Oder Kloeckner-i, bei dem ein alter Metallhandelskonzern den eigenen Markt gnadenlos in Unruhe bringt.

Loslegen statt zögern

Als letztes ein altbekannter, aber immer noch wertvoller Rat: Stundenlange Diskussionen über Digitalisierung nützen nichts, wenn Sie danach nicht loslegen. Der Weg beginnt immer mit einem Schritt ins Unbekannte. Stehenbleiben und philosophieren bringt Sie nicht weiter – „Trial and Error“ ist Bestandteil jedes innovativen Fortschritts. In diesem Sinne halte ich mich gerne an Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.“ Das gilt auch für die digitale Transformation.

Das Buch:



Unternehmen wissen, dass sie digitalisieren sollten: Aber was genau ist damit eigentlich gemeint? Wo und wie fangen sie damit an? Das Buch „In einem Jahr digital“ gibt die Antwort: Einen kompakten Überblick über alle Aspekte der Digitalisierung und wie Sie diese für Ihr Unternehmen nutzen können. Von den Grundlagen bis zur täglichen Praxis, gespickt mit Beispielen und in einem unnachahmlich lockeren Schreibstil.

Zugegeben, der Titel ist eine Herausforderung. Sie werden in einem Jahr nicht fertig sein. Aber wenn Sie jetzt starten, werden Sie Ihr Unternehmen in einem Jahr nicht wiedererkennen!

In einem Jahr digital: Das Praxishandbuch für die digitale Transformation Ihres Unternehmens
  • Ömer Atiker
  • Herausgeber: Wiley-VCH
  • Auflage Nr. 1 (08.03.2017)
  • Gebundene Ausgabe: 313 Seiten

 

Titelbild: chombosan – shutterstock.com

Über Ömer Atiker

Ömer Atiker hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und ist ein in Deutschland führender Experte für digitale Strategie. Seine Keynotes und Vorträge zeigen auf unterhaltsame und kluge Art, was die Digitalisierung für Unternehmen und Menschen bedeutet. Als Berater hilft er Firmen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer individuellen digitalen Strategie. Mit seiner Agentur Click Effect macht er seit über zehn Jahren digitales Marketing für mittelgrosse und grosse Unternehmen.


1 Kommentar


  1. Hallo Herr Atiker,

    sehr guter Beitrag zu einem derzeit sehr relevanten Thema. Vor allem der Punkt, wie man die Digitalisierung überhaupt anfängt, ist sehr wichtig. Ich denke, dass viele Unternehmen von den wachsenden Anforderungen überfordert sind und gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen.
    Ich interessier mich sehr für dieses Thema und bin auf eine Studie gestoßen, in der es heißt, dass vor allem kleine Unternehmen viel in die Digitalisierung investieren müssen (vgl. https://www.hrblue.com/de/die-richtige-organisation-zur-digitalen-transformation/ ). Können Sie das bestätigen?
    Vielen Dank im Voraus!

    Phillipp Thalberg

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