Zünden Sie den Manager-Turbo!

27.01.2015 |  Von  |  Organisation
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Führungsjobs sind fordernd. Sie verlangen einem ehrgeizigen Manager, einer engagierten Managerin alles ab. Kein Wunder, dass einer der häufigsten Wünsche von Führungskräften im Executive Coaching lautet: „Ich muss leistungsstärker werden. Gibt es so etwas wie einen Turbo für Manager?“ Gibt es das?

Führungskräfte tun viel, um die eigene Leistungsfähigkeit zu steigern. Einige gehen regelmässig Joggen oder ins Fitness-Studio. Andere helfen mit Pillen nach. Alle wollen „stärker“ werden. Das leuchtet ein, ist aber die falsche Tugend. Stärke würde helfen, wenn Manager Gewichtheber wären. Das sind sie nicht. Wenn man sie schon mit Höchstleistern vergleicht, dann doch besser mit jenen, die unter ähnlichen Bedingungen arbeiten.

Mit jenen zum Beispiel, bei denen auch unter grösstem Stress „jeder Schuss“ sitzen muss. Und nicht nur sozusagen: Scharfschützen der Special Ops aller Nationen müssen tatsächlich selbst im schlimmsten Stress zuverlässig ihr Ziel treffen. Wie machen die das? Mit Stärke? Im Gegenteil.

Ruhig schlägt stark

Jeder gute Armee-Ausbilder weiss: Scharfschützen sind nicht stark, sondern ruhig. Ein zittriger Finger am Abzug erzielt höchstens eine Fahrkarte. Manager fragen oft: „Wie soll man denn bei diesem Stress im Management ruhig bleiben?“ Gegenfrage: Wie soll man denn im Kugelhagel feindlichen Feuers ruhig bleiben? Eben das ist die Kunst. Das, was unter Feuer und im Management am schwersten fällt, verleiht paradoxerweise die grösste Leistungsfähigkeit: Cool bleiben, Nerven bewahren, ruhig Blut, erst mal ausatmen. Wann immer dieses simple Rezept im Executive Coaching zur Sprache kommt, beschweren sich Führungskräfte: „Aber wenn die Hektik zu gross wird, kann man einfach nicht ruhig bleiben.“ Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist: Wer kann das nicht?

Zum Manager geboren

Viele glauben, dass man „zum Manager geboren“ sein muss. Das weiss jeder gute Feldwebel besser. Er weiss, dass niemand zum Einzelkämpfer geboren wird. Man wird dazu ausgebildet. Dasselbe gilt für die Leistungsstärke einer Führungskraft: Training macht den Turbo. Das Problem dabei ist dasselbe wie in jeder Sportart: Viele wollen mitspielen, aber nur wenige ernsthaft trainieren. Dabei sind die Übungen aus dem Turbo-Training denkbar einfach. Zum Beispiel die Atempause-Übung.

Die Atempause-Übung

Eine der simpelsten Übungen des Executive Trainings lautet schlicht: In Ihrem nächsten Gespräch, ganz gleich in welchem, machen Sie vor jeder Ihrer Antworten zunächst eine Atempause. Nicht lange. Nur einen Atemzug lange. Natürlich empfiehlt es sich, nicht gleich ein Gespräch mit dem cholerischen Chef oder einem schwierigen Kunden anzufangen, sondern sich wie in jedem anderen Training auch von sicheren Anfängen aus zu steigern. Bevor Sie antworten, atmen Sie erst einmal tief aus. Leise, nicht schnaubend. Selbst wenn Sie diese Übung beim Lesen dieser Zeilen gerade eben unwillkürlich imitiert haben, werden Sie bereits eine körperliche Veränderung wahrgenommen haben. Sie werden ruhiger. Und wer ruhiger wird, wird stärker. Das leuchtet ein. Und trotzdem fällt diese einfache Übung den meisten Führungskräften (und anderen Menschen) sehr schwer. Warum?

Wer nicht trainiert, verliert


Es kommt nicht so sehr auf das an, was wir sagen, sondern wie wir es sagen. (Bild: © Monkey Business Images - shutterstock.com)

Es kommt nicht so sehr auf das an, was wir sagen, sondern wie wir es sagen. (Bild: © Monkey Business Images – shutterstock.com)


Viele kommen noch nicht einmal dazu, die Übung im Gespräch anzuwenden. Sie wenden noch im Coaching ein: „Pause? Wozu? Sobald ich bei unserer Alltagshektik auch nur eine Sekunde zögere, haut mich der andere doch verbal in die Pfanne! Zögern bedeutet Schwäche!“ Manager müssen wie aus der Pistole geschossen antworten, sonst …! Klingt logisch, wie die meisten Irrtümer. Es gibt inzwischen genügend Studien, die zeigen: Lässt man zwei Redner vor zwei Testgruppen exakt dasselbe sagen, den einen von ihnen auf jede Frage aus dem Publikum jedoch sofort losquasseln und den anderen zwei Sekunden Pause („21, 22“ zählen) machen, wirkt der eine wie eine Quasseltüte und der andere charismatisch – obwohl beide exakt dasselbe sagen. Eigentlich wissen wir es alle: Es kommt nicht so sehr auf das an, was wir sagen, sondern wie wir es sagen.

Wie in der Kommunikation, so im Management

So wie in der Ruhe vor der Antwort die Kraft der überzeugenden Redner liegt, liegt in der Ruhe vor der Tat die Kraft der leistungsstarken Manager. Während der Happy Hektiker drei Entscheidungen in fünf Sekunden trifft und dabei zweimal schwer danebengreift, legt der „starke“ Manager erst mal eine Ruhe- und Denkpause ein, bevor er entscheidet, handelt, anweist, antwortet, delegiert, organisiert, interveniert oder verändert. In exakt diesen zwei Sekunden Pause zündet der Turbolader. Natürlich erscheint diese Zündung erst einmal kontraintuitiv. Wir alle werden täglich von Medien und Vorgesetzten dazu erzogen, Hektik mit Dynamik zu verwechseln, Input mit Output, Atemlosigkeit mit Effizienz. Wirklich leistungsstarke Führungskräfte (und andere Menschen) fallen auf diese Verlockungen unserer stressigen Zeiten nicht herein. Das macht sie so erfolgreich. Sie bewahren buchstäblich unter allen Umständen ruhig Blut. Auch und gerade dann, wenn sie sich dazu zwingen müssen. Denn dann ist die Zwangspause, die den Turbo zündet, am nützlichsten. Das ist ein einfaches Rezept. Warum gelingt es nur den wenigsten?

Wir Adrenalin-Junkies

Weil wir in diesen stressigen Zeiten alle längst stress-süchtig sind. Wenn wir nicht 24/7 mit massig Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol im Blut auf 180 rotieren, entwickeln wir Entzugserscheinungen, fühlen uns unausgelastet, unwichtig, unsicher. Das ist eine Sucht – aber eine, die sich relativ leicht überwinden lässt: Wer lernt, sich tagsüber aufmerksam selbst zu beobachten, merkt recht schnell, wann er wieder „zur Nadel“ greifen möchte, wann er hektisch werden möchte – und kann sich selbst zur Ruhe gemahnen, ausatmen. Bevor er erneut der Sucht zum Opfer fällt. Warum steigert diese simple Technik die Leistungsfähigkeit so deutlich?

Keine Reserven

Die Erklärung ist fast banal: Wer ständig am Anschlag operiert, hat keine Reserven mehr. Und genau das verschafft die geistige Zwangspause: Sie macht stark, weil sie Reserven aktiviert. Wer ständig mit 9.000 Umdrehungen unterwegs ist, kann diese Reserven nicht nutzen. Am allerwenigsten dann, wenn er sie am nötigsten hat. Es ist wie auf der Autobahn: Wer flott überholen möchte, schaltet vorher einen Gang runter. Tun Sie das. Schalten Sie runter – und spüren Sie den Turbo zünden.

 

Oberstes Bild: © Ollyy – shutterstock.com

Über Matthias Wölkner

Matthias Wölkner macht Manager, Unternehmer, Führungskräfte und ihre Mitarbeiter sozusagen „Olympia-fit“, indem er sie in die Kunst der Gelassenheit und Souveränität einweist. Früher selber Topmanager auf Geschäftsführungsebene ist er heute der Coach, der den Menschen und Organisationen hilft, Dauerhöchstleistung zu bringen, ohne vor die Wand zu fahren.



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