Die Schweiz, der FC Bayern München und die Millionen

12.03.2014 |  Von  |  News
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Die Schweiz, der FC Bayern München und die Millionen
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Beim Prozess wegen Steuerhinterziehung gegen Uli Hoeness steht nicht nur eine Privatperson vor einem deutschen Finanzgericht. Uli Hoeness ist der Präsident des FC Bayern München und auch nach seiner Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung die unumstrittene Spitze des überaus erfolgreichen Fussballclubs.

Was am Fall Hoeness anders als in vielen anderen Steuerhinterziehungsprozessen ist, ob vielleicht sogar der FC Bayern München damit in Zusammenhang zu bringen ist und wie dieser Prozess öffentlich wahrgenommen wird, ist Inhalt dieses Beitrages.



Die Deutschen und die Schweiz

Während die deutsche Politik nicht immer einvernehmlich mit der Schweiz arbeitet, ist der deutsche Steuerbürger seit vielen Jahrzehnten nicht selten sehr eng mit der Schweiz verbandelt. Die besondere politische Rolle der Schweiz in Europa, ein bis vor einigen Jahren sehr sicheres, diskretes und nach aussen abgeschottetes Bankensystem waren für viele – besonders für vermögende – Deutsche Grund genug, ihr Geld am deutschen Fiskus vorbei in die Schweiz zu schaffen.

Die jüngste Entwicklung mit dem Ankauf von sogenannten Steuer-CDs und einer zunehmenden Aufweichung des Schweizer Bankgeheimnisses hat viele Deutsche in Bedrängnis gebracht. Darunter auch Prominente wie die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer oder jetzt den FC-Bayern-München-Präsidenten Uli Hoeness. Für Steuerhinterziehung gibt es in Deutschland durchaus empfindliche Strafen, aber auch unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit der strafbefreienden Selbstanzeige.

Egal wie man es dreht und wendet, die Beziehungen der Deutschen zur Schweiz sind durch die Fiskalpolitik Deutschlands beschädigt. Vertrauen geht zunehmend verloren und die Rolle der Schweizer Banken im internationalen Geldverkehr wird geschwächt.



Hoeness und die Millionen



Bereits im Vorjahr erhielt die deutsche Wochenzeitschrift „Stern“ Informationen über ein Schweizer Bankkonto, auf dem nicht nur 500 Millionen Euro gebunkert waren, sondern über das auch Finanztransaktionen in atemberaubender Millionenhöhe liefen. Nach aufwändigen Recherchen deutete sich an, dass dieses Konto dem deutschen Fussballmanager Uli Hoeness zuzuordnen sein dürfte. 

Uli-Hoeness-Fingerhut-shutterstock.com

Uli Hoeness, Präsident FC Bayern München. (Bild: Fingerhut / Shutterstock.com)

Was folgte, war eine überaus eilig zusammengezimmerte Selbstanzeige, die Hoeness über seinen Sohn bei den Finanzbehörden einreichen liess. Im selben Atemzug begann eine öffentliche Schlacht um die Person Hoeness, die dessen Position bei FC Bayern München jedoch nicht wirklich beschädigen konnte. Die Öffentlichkeit der mehr oder weniger braven Steuerbürger wird aufgehetzt, gegen die Steuerhinterzieher zu argumentieren, um damit die angebliche deutsche Steuergerechtigkeit zu manifestieren.



Erstaunlich am Fall Hoeness sind allerdings einige Argumente, die darauf schliessen lassen, dass Hoeness hier eher ein Strohmann für Millionengeschäfte ist. Welche Privatperson verfügt schon über mindestens 500 Millionen Euro, mit denen eben mal so immer wieder auch Finanzgeschäfte im grossen Massstab ins Laufen gebracht werden? Warum liess Hoeness nach der oberflächlich zusammengeschusterten Selbstanzeige die Zeit ungenutzt verstreichen, anstatt hieb- und stichfeste Fakten zu schaffen.

Ist dieses Geld oder zumindest ein Teil davon vielleicht sogar dem Verein FC Bayern München zuzuordnen? Warum sitzt Hoeness noch immer auf seinem Vorstandssessel, während jeder andere Steuerhinterzieher in Windeseile aus Amt und Funktion entfernt wird? Welche Rolle spielen die hochdotierten Sponsoren des Münchener Fussballclubs

Jede Menge Fragen, von denen mit Sicherheit nicht jede öffentlich beantwortet werden wird. Warum auch? Letztlich steht hier Hoeness selbst vor Gericht und nicht das deutsche Steuersystem, nicht der FC Bayern München und auch nicht hochrangige Vorstandsmitglieder wie beispielsweise Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber. Der zeigt entgegen seiner sonst so harschen Haltung eine fast schon sanftmütige Art, mit der Steueraffäre Hoeness umzugehen.

Prozess mit Überraschungen?

Schaut man sich in Europa nach den finanziellen Machenschaften so einiger Politiker und Prominenter um, dann ist der Fall Uli Hoeness nur einer in einer ganzen Kette von ähnlich gelagerten Fällen der letzten Jahre. Warum auch nicht? Allerdings ist im Prozess gegen Hoeness nicht wirklich mit Überraschungen zu rechnen. Und selbst wenn es diese gäbe, würde wohl alles versucht werden, diese sauber unter dem Deckmantel der Steuergerechtigkeit zu verstecken.

Man stelle sich vor, die von Hoeness am Fiskus vorbei gebunkerten Millionenbeträge seien wirklich dem FC Bayern München zuzuordnen. Ein unvorstellbares Szenario würde in Gang gesetzt werden. So wird es eher wahrscheinlich sein, dass Hoeness als allein Schuldiger abgeurteilt werden wird. Wie bei immer noch nicht klaren Zusammenhängen das Strafmass ausfallen wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht gibt es hier die wahren Überraschungen. Wird Hoeness hinter den Gittern der deutschen Steuerpolitik landen? Eine interessante Frage, die durchaus auch Schlaglichter wirft, egal wie das Urteil ausfällt.

Und was meint die Bevölkerung?

Auch wenn es die deutschen – nur selten wirklich unabhängigen – Medien gern so darstellen, dass der deutsche Otto-Normal-Bürger dem Steuerverhalten Hoeness verurteilend gegenübersteht, grassieren in der Bevölkerung ganz andere Meinungen. Bei der Art und Weise, wie deutsche Finanzämter auf die Gelder der Bürger zugreifen, wird jedem zugestimmt, dem es gelingt, sein Geld sicher zu verwahren. Neider gibt es meist nur in den Kreisen, in denen vergleichbare Sicherungsmechanismen nicht erfolgreich sind.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch die braven Steuerbürger, die gern auch mehr Steuern zahlen würden, egal was der Staat damit macht. In Deutschland sind Steuern nämlich nicht zweckgebunden, so dass beispielsweise auch Kraftfahrzeugsteuern für die Stärkung des Privatunternehmens Deutsche Bahn eingesetzt werden können, anstatt damit die zunehmend maroden deutschen Strassen und Brücken zu sanieren.

Stellen sich abschliessend die eigentlichen Fragen: Wem hat Hoeness wirklich Schaden zugefügt? Wessen Gelder wurden hier unversteuert über Jahre hinweg bewegt und gebunkert? Wer hat noch davon gewusst? Denn wenn Hoeness nur über einige dieser Fragen schweigt, bleiben wichtige Details im Dunkeln. Und das wird nicht immer unerwünscht sein.

Bemerkenswert hier auch ein Vorfall in der Talkshow „Günther Jauch“ am 9. März 2014 in der ARD, die sich auch mit dem Fall Hoeness befasste. Hier stürmte ein Mann aus dem Publikum gleich zu Beginn der Talkrunde auf das Podium. Abgefangen wurde er von zwei Sicherheitskräften. Sein Ausruf „Alles Verarsche!“ war indes nicht zu überhören.



 

Oberstes Bild: © iluistrator – shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus…die Berater.

Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.

Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt – die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.




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