Windows 10 – offizieller Partner der NSA? So bändigen Sie Microsofts Datenkrake

25.08.2015 |  Von  |  Neue Medien
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Windows 10 – offizieller Partner der NSA? So bändigen Sie Microsofts Datenkrake
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Seit Windows 10 am 29.07.2015 veröffentlicht wurde, gibt es eine grosse Diskussion, ob es nun wirklich das Wunder-Windows ist, so wie es Microsoft bewirbt, oder ob es noch ein unfertiger Kompromiss von Bedienkonzepten ist.

Von der positiven Seite aus muss wenig gesagt werden: Das Startmenü ist wieder da, die Kachel-Oberfläche von Windows 8 ist fast vollständig verschwunden, die Sprachassistentin Cortana ist dabei und der Internet-Explorer wurde ersetzt.

Viel interessanter als all die Neuerungen und Verbesserungen sind die Dinge, die Microsoft weiterhin falsch macht und die teilweise sehr fragwürdig sind. Besonders wurde dabei in den letzten Wochen das Thema Privatsphäre behandelt, denn Windows 10 scheint darauf wenig Wert zu legen …


Windows 10 hat ein Problem mit der Privatsphäre.

Windows 10 hat ein Problem mit der Privatsphäre.


Windows 10 – Die Datenschleuder

Dass ein Betriebssystem Daten über dessen Nutzer erhebt, ist normal und an sich in Ordnung: Sobald man beispielsweise eine Datei sucht, wird das Ergebnis gespeichert, um es das nächste Mal schneller anzuzeigen.

Fraglich wird das Sammeln der Daten jedoch, wenn die Suchanfrage auf einem externen Server gespeichert wird und sich nicht mehr nur lokal auf dem eigenen Rechner befindet. Durch die Daten kann man dann zum Beispiel erfahren, ob jemand illegale Dateien oder Programme besitzt oder einfach nur, welche Musik/Filme/Bücher/Spiele jemand mag.

Mit Hilfe dieser Daten kann dann wiederum personalisierte Werbung geschaltet werden, welche dem Betreiber dieses externen Servers mehr Geld als normale (nicht personalisierte) Werbung einbrächte.

Das klingt alles sehr abstrus und ist viel zu kompliziert, um in der Wirklichkeit angewendet zu werden? Pustekuchen.

Google zum Beispiel verwendet die Eingaben der Benutzer, um personalisiert Werbung zu schalten, genauso macht es Facebook auch. Wer das nicht möchte, kann regelmässig Browserverlauf und Cookies löschen, die Internetverbindung anonymisieren oder Alternativen benutzen.

Seit dem 29.07.2015 betreibt jedoch noch ein weiterer Gigant diese Art von Datensammelei: Microsoft mit seinem neuen Betriebssystem Windows 10.

Hier wird genau das getan, was oben steht.

Wer mit Cortana eine Suchanfrage stellt, einen Termin anlegt oder Informationen haben möchte, muss sich darauf gefasst machen bald zu diesem Thema Werbung zu bekommen.

Windows 10 sendet nämlich alle Daten, die durch Eingaben, Cortana, die Suchfunktion, Bing etc. entstehen, an Microsoft, welche diese auswerten und damit Anzeigen personalisieren.


Screenshot von Windows 10 (Bildquelle: Wiki / Nutzer: MDXDave)

Screenshot von Windows 10 (Bildquelle: Wiki / Nutzer: MDXDave)


Interessante Datenschutzbestimmung

Man könnte jetzt meinen, dass die Daten sicher auf dem Microsoft Server liegen und dort ausgewertet werden, doch leider stimmt das nicht ganz. In den Datenschutzbestimmungen von Microsoft wird beschrieben, wer Zugriff auf diese Daten hat und wann diese preisgegeben werden.

So werden Daten an Dritte weitergegeben, sobald man eine E-Mail sendet oder ein Dokument in die Cloud (sprich Microsofts OneDrive) hochlädt.

„Zum Beispiel teilen wir Ihre Inhalte mit Drittanbietern, wenn Sie uns anweisen, dies so zu tun, wie zum Beispiel, wenn Sie eine E-Mail an einen Freund, Fotos und Dokumente auf OneDrive oder Konten mit einem anderen Dienst verknüpfen.“

Sobald ein Softwarehersteller also eine App bereitstellt, die eine Verknüpfung mit dem Microsoft-Konto verlangt, hat diese App bzw. der Hersteller Zugriff auf Teile der persönlichen Daten (z. B. Kontaktdaten, Positionsdaten, Nutzungsverhalten etc.). Genauso können dann Dokumente oder Bilder, die auf OneDrive hoch geladen wurden, vom Softwarehersteller unter Umständen eingesehen werden.


Die Datenkrake Windows 10 sollte gebändigt werden. (Bild: © Lukiyanova Natalia frenta - shutterstock.com)

Die Datenkrake Windows 10 sollte gebändigt werden. (Bild: © Lukiyanova Natalia frenta – shutterstock.com)


Datenkrake bändigen

Natürlich liegt es in den seltensten Fällen im Interesse der Benutzer, dass Ihre persönlichen Daten und Verhaltensmuster irgendwo im Internet gespeichert werden und dann eventuell an Dritte weitergereicht werden.

Deswegen hier nun ein paar Tipps zum Bändigen von Windows 10:

1. Datenschutzeinstellungen anpassen

Wer die Datenschutzbestimmungen von Microsoft liest, wird sehr schnell feststellen, dass dort nicht nur ein wenig gesammelt wird, sondern alles an Microsoft gesendet wird, was irgendwie aus Bits und Bytes besteht. Um das zu verhindern, gibt es unter Start→Einstellungen→Datenschutz→Allgemeines einige Einstellmöglichkeiten, die das Schnüffeln abschalten. Dort sollten mindestens der 1. (Abschalten von Werbung) und der 3. (Senden des Eingabeverhalten abschalten) Regler auf „Aus“ stehen. Wenn alles auf „Aus“ steht, ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Die grundlegendsten Einstellungen kann man direkt unter Start→Einstellungen→Datenschutz machen. Dort sollten alle Schalter auf „Aus“ stehen.


Bei Start→Einstellungen→Datenschutz sollten alle Schalter auf „Aus“ stehen.

Bei Start→Einstellungen→Datenschutz sollten alle Schalter auf „Aus“ stehen.


2. Tracking abschalten

Ebenfalls in den Datenschutzeinstellungen befindet sich der Reiter „Position“, in dem man das Senden der Position an Microsoft abschalten kann. Dies ist besonders für mobile Nutzer wichtig, damit Microsoft keine Bewegungsprofile oder Ähnliches erstellen kann.

Durch das Abschalten der Positionserkennung kann Tracking vermieden werden.


Im  Reiter „Position“ lässt sich das Senden der Position an Microsoft abschalten.

Im Reiter „Position“ lässt sich das Senden der Position an Microsoft abschalten.


3. Eingabegeräte kontrollieren

Neben der Position können Apps auch auf die Kamera, das Mikrofon oder andere Eingabemöglichkeiten zugreifen. Damit man nicht ungewollt gefilmt oder abgehört wird, kann man das jedoch verhindern. Auch hier kann man einfach unter Datenschutz→Kamera/Mikrofon allen oder nur bestimmten Apps Zugriff auf Kamera und Mikrofon gewähren.


Unter Datenschutz→Kamera/Mikrofon kann man allen oder nur bestimmten Apps Zugriff auf die Kamera gewähren.

Unter Datenschutz→Kamera/Mikrofon kann man allen oder nur bestimmten Apps Zugriff auf die Kamera gewähren.


Auch der Zugriff auf das Mikrofon lässt sich regeln.

Auch der Zugriff auf das Mikrofon lässt sich regeln.


4. Verläufe löschen & Werbung abschalten

Wie oben bereits erwähnt, werden von Cortana gesammelte Daten ebenfalls an Microsoft gesendet. Dadurch sollen die Suchergebnisse besser und schneller angezeigt werden. Wer jedoch nicht möchte, dass Suchergebnisse bei Microsoft auf deren Servern liegen und eventuell von anderen eingesehen werden können, der kann auch diese Funktion abschalten. Unter https://www.bing.com/account/personalization kann man den Suchverlauf von Bing und Cortana sowie die gespeicherten persönlichen Daten verwalten und auch löschen.


Den Suchverlauf von Bing und Cortana sowie die gespeicherten persönlichen Daten kann man löschen.

Den Suchverlauf von Bing und Cortana sowie die gespeicherten persönlichen Daten kann man löschen.


Man findet dort zudem einen Link (http://choice.microsoft.com/de-de/opt-out) zu den Einstellungen bezüglich der Werbung, die man ebenfalls abschalten kann.


Auch die Werbung lässt sich abschalten.

Auch die Werbung lässt sich abschalten.


Microsoft-Account Zwang

Wer Windows 10 benutzen möchte, wird von Microsoft quasi zu einem Microsoft-Account gezwungen. Wer jedoch Wert auf Privatsphäre legt, sollte lieber keinen Account anlegen, sondern ein klassisches lokales Benutzerkonto, wie bei Windows XP oder 7, erstellen.

Mit einem lokalen Konto bleiben auch Daten, die bei der Nutzung entstehen, auf dem heimischen Rechner. Der Nachteil ist jedoch, dass man Cortana und andere personalisierte Dienste nicht mehr oder nur eingeschränkt nutzen kann.

Wer also auf Cortana verzichten kann, sollte kein Microsoft-Account verwenden.

Vorsicht bei Anti-Spy-Tools

Bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung von Windows 10 gab es erste Anti-Spy-Tools, die einem die obigen Einstellungen abnehmen/zusammenfassen sollten. Leider gab es ein paar Vorfälle, bei denen diese Werkzeuge selbst zum Spion wurden und Daten sammelten, was eigentlich verhindert werden sollte. Wer sich also nicht die Mühe machen möchte, die obigen Schritte einzeln abzuarbeiten, kann ein solches Tool benutzen, sollte sich jedoch informieren, ob dieses seriös ist.

Hier ein paar Werkzeuge, die die Datensammelwut eindämmen sollen:

  1. ShutUp10 von O&O Software (Download: http://www.oo-software.com/de/shutup10)
  2. WinPrivacy (Download: http://www.winprivacy.de/download/)
  3. xp-Anti-Spy ist eigentlich für Windows XP gedacht, wird nun aber überarbeitet und steht eventuell in wenigen Wochen für Windows 10 zur Verfügung.
  4. Achtung: Das Tool DoNotSpy sollte man jedoch NICHT verwenden, da es selbst Daten sammelt.


Arbeiten Microsoft und NSA zusammen?

Am Anfang des Artikels stand – mehr oder weniger – die Frage „Ist Windows 10 Partner der NSA?“ im Raum. Ob Microsoft bei Windows 10 mit der NSA zusammenarbeitet, ist (noch) nicht bekannt, doch da sie es in der Vergangenheit des Öfteren getan haben (z. B. auch bei der Weitergabe von verschlüsselten Nachrichten aus Skype), ist eine Kooperation auch hier nicht auszuschliessen.

 

Oberstes Bild: © Sangoiri – shutterstock.com

Über Hauke Stieler

Ich bin seit 2014 Informatik Student im wunderschönen Hamburg und blogge leidenschaftlich über alle möglichen Themen aus der IT-Sicherheit und über Kuriositäten, die mir so begegnen. Neben dem Bloggen und dem Studium arbeite ich am liebsten an eigenen Softwareprojekten, spiele gerne Klavier und natürlich auch ab und zu Computerspiele.


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