8 interessante Alternativen zur Websuche mit Google

08.04.2015 |  Von  |  Neue Medien
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8 interessante Alternativen zur Websuche mit Google
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Es gibt gute Gründe, die für eine Nutzung von Google als Suchmaschine sprechen: Ein grosser Index, der stündlich erweitert wird und damit die virtuelle Welt des WWW relativ exakt abbildet, schnelle und oft passende Ergebnisse und nicht zuletzt die Integration von weiteren Google-Diensten wie Google Maps oder der auch rekursiv arbeitenden Bildersuche.

Dennoch gibt es auch gute Gründe, Google nicht oder nicht mehr ausschliesslich zu verwenden: Datenschutz ist für Google ebenso fremd wie für andere US-amerikanische Internetunternehmen, und auch in Sachen Transparenz ist der Marktführer wenig vorbildlich. Und auch die Sucherergebnisse sind nicht immer optimal, was nicht zuletzt an den wirtschaftlichen Interessen des Konzerns liegt.

Dabei gibt es mittlerweile Alternativen, die nicht nur die Schwächen von Google ausgleichen und etwa beim Umgang mit persönlichen Informationen und Daten konform mit europäischen Datenschutzrichtlinien gehen. Auch was die Qualität der Sucherergebnisse angeht, können die Wettbewerber stellenweise den Platzhirschen in die Schranken verweisen und liefern auf Anhieb bessere Ergebnisse.



Google-Alternativen aus Europa

Wer angesichts des kaum vorhandenen Datenschutzes in den USA um seine persönlichen Daten fürchtet und sich nicht damit zufriedengeben will, dass Google sie zum eigenen Vorteil erhebt, auswertet und verkauft, sollte eine Suchmaschinenalternative nutzen, die nach europäischen Datenschutzrichtlinien betrieben wird. Und davon gibt es einige:

CENTIL

Mit aktuell rund 2,3 Millionen indexierter Webseiten nutzt die in der Schweiz gehostete Suchmaschine einen eher überschaubaren Index, auch wenn nach Angaben des Betreibers pro Woche bis zu 20.000 neue Seiten indexiert werden sollen. Die Suchmaschine ist seit 2004 online und fokussiert sich auf Seiten aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz). Eine Besonderheit: Sie indexiert nur den Text von Webseiten, sämtlicher Code wird entfernt, damit können Viren, Würmer oder andere Malware nicht über die Suchergebnisse verteilt werden.

suchportal-schweiz.ch

Swisscows

Einen anderen Weg beschreitet das ebenfalls in der Schweiz beheimatete Projekt Swisscows. Nach eigenem Bekunden handelt es sich um die erste intelligente Antwortmaschine, deren Server ausschliesslich in der Schweiz platziert sind und daher den hiesigen Datenschutzbestimmungen unterliegen. Nutzer des Dienstes hinterlassen keine Spuren, IP-Adressen und Suchverhalten werden nicht gespeichert. Zudem erhöht Swisscows die Relevanz der Suchergebnisse durch eine semantische Informationsanalyse und liefert die Ergebnisse erstaunlich schnell.

swisscows.ch

Ixquick/StartPage

Der Schutz der der persönlichen Daten hat auch für die beiden vom gleichen Betreiber angebotenen Suchmaschinen Ixquick und StartPage oberste Priorität. Die Suchmaschinen werden in Holland betrieben und speichern keine Informationen des Nutzers, also keine IP-Adresse, nicht den Browser oder den geografischen Standort. Integriert ist neben der Volltextsuche eine Video- und Bildersuche, zusätzlich können Telefonbucheinträge durchforstet werden. Darüber hinaus wird der Zugriff auf die Seiten durch SSL verschlüsselt und ist damit auch von aussen nicht mitlesbar. Die Einhaltung der Datenschutz-Versprechen wird durch regelmässige Kontrollen durch unabhängige europäische Sicherheitsunternehmen überprüft, der Anbieter ist seit Jahren Träger des europäischen Datenschutzsiegels.

ixquick.com

startpage.com

Exalead

In Frankreich ging Exalead erstmals 2004 als europäische Suchmaschinenalternative online. Ihr Index umfasst mittlerweile mehr als 16 Milliarden Seiten, die Suchergebnisse werden dabei nicht nur als Text angezeigt, zu jeder Seite wird ein kleines Vorschaubild erzeugt, mit dem man sich schon vor dem Anklicken einen ersten visuellen Eindruck der Seite machen kann. Allerdings nutzt die Suchmaschine Google Analytics, womit persönliche Informationen, etwa über Suchanfragen oder den eigenen Standort an Google weitergegeben werden.

exalead.com/search


Datenschutz ist für Google ebenso fremd wie für andere US-amerikanische Internetunternehmen. (Bild: © wk1003mike - shutterstock.com)

Datenschutz ist für Google ebenso fremd wie für andere US-amerikanische Internetunternehmen. (Bild: © wk1003mike – shutterstock.com)


Qwant

Eine andere Suchmaschine aus Frankreich ist seit 2013 nutzbar: Qwant wirbt damit, dass sich der Betreiber strenge Datenschutzbestimmungen auferlegt hat. So werden Besucher statt mit Google Analytics mit Piwik getrackt, das eine Zertifizierung von der französischen Datenschutzbehörde erreichen konnte. Zudem kann man mit einem einfachen Mausklick auf der Startseite auch Piwik ausschalten und damit die Nutzung der eigenen Daten unterbinden. Die Suchergebnisse ergänzt Qwant durch News, Beiträge in den sozialen Netzwerken und Videos, allerdings wirken die Ergebnisse dadurch schnell unübersichtlich. Auch die Startseite des Dienstes wirkt auf den ersten Blick überfrachtet und erinnert eher an ein Magazin denn an eine Suchmaschine.

qwant.com

Unbubble

Unbubble ging erst im Jahr 2014 online und wird in Deutschland entwickelt und gehostet. Die Betreiber versprechen besonders neutrale Ergebnisse und den Schutz der persönlichen Daten ihrer Nutzer. Zwar werden für die ermittelten Suchergebnisse auch Google, Bing und andere Suchmaschinen genutzt, deren Ergebnisse werden jedoch nicht einfach durchgereicht, sondern nach Neutralität und Informationsgehalt selektiert. Damit erklärt sich auch der ungewöhnliche Name des Projektes: Die Betreiber wollen die Suchblase (engl. „Search Bubble“) platzen lassen und den Nutzern so möglichst neutrale Informationen liefern.

unbubble.eu

Neben europäischen Projekten gibt es auch in den USA Anbieter, die der Marktmacht von Google Paroli bieten wollen. Zwei besonders interessante Suchmaschinen mit gänzlich unterschiedlichen Ansätzen sind DuckDuckGo und WolframAlpha:

DuckDuckGo

Seit 2008 gibt es auch aus den USA eine Alternative zu Google, die dem Nutzer verspricht, keine persönlichen Informationen zu sammeln und zu speichern. DuckDuckGo war jedoch ursprünglich nicht mit dem Ziel angetreten, den Datenschutz zu verbessern, sondern wollte weniger Werbung und mehr Relevanz liefern. Die Suchmaschine setzt sowohl auf eigene Webcrawler, die Webseiten selber indexieren wie auch auf die Aufbereitung der Suchergebnisse von anderen Suchmaschinen wie Google oder Bing. DuckDuckGo kann in der aktuellen Version von Firefox als Standardsuchmaschine ausgewählt werden, wodurch das Suchvolumen des Anbieters weltweit deutlich zulegen konnte. Auch diese Suchmaschine setzt standardmässig auf eine verschlüsselte SSL-Verbindung, Suchanfragen können damit von Dritten nicht mitgelesen werden.

duckduckgo.com



WolframAlpha

Einen gänzlich anderen Weg als klassische Suchmaschinen geht WolframAlpha, die im Jahr 2009 erstmals vorgestellt wurde. Sie wertet Informationen auf Webseiten mit komplexen Algorithmen aus und ist damit, ähnlich wie Swisscows, eine semantische Suchmaschine. Allerdings setzt die Umsetzung dieser Logik hier voraus, dass nicht einfach nur Stichwörter zur Suche eingegeben werden, sondern konkrete Fragen, auf die WolframAlpha dann eine faktenbasierte Antwort liefert. Das braucht in der Praxis durchaus seine Zeit, die Suchmaschine gehört zu den langsameren Vertretern und kann bisweilen mehrere Sekunden benötigen, bis sie eine Antwort auf die Frage gefunden hat. Inzwischen werden neben dem WWW auch soziale Netzwerke ausgewertet und fliessen in die Antworten ein.

wolframalpha.com

Abschliessend lässt sich feststellen, dass es inzwischen ausreichend Alternativen zum Marktführer gibt, deren Suchergebnisse denen von Google nicht nachstehen und stellenweise deutlich schneller zum gewünschten Ergebnis führen. Ob für mehr Sicherheit für die eigenen Daten oder einfach für bessere, da relevantere Suchergebnisse. Einen Blick sind die kostenlosen Alternativen in jedem Fall wert.

 

Oberstes Bild: © new photo – shutterstock.com

Über Christian Praetorius

Christian Praetorius, Jahrgang 1969, gelernter Controller und Logistiker mit jahrelanger Berufserfahrung. Seit 2012 gemeinsam mit seiner Frau Christine als freier Texter und Autor selbständig, erfolgreich und glücklich. Seine Kunden schätzen ihn für klare Worte, originelle Slogans und kreative Wortspiele ebenso wie für seine absolute Zuverlässigkeit und Kundenorientierung. Schreibt aus Berufung und mit Leidenschaft für die Sprache, die Botschaft und den Leser.


1 Kommentar


  1. Besten Dank an den Autor für die Erwähnung von CENTIL.

    Unser Index wurde seit der Publitzierung des Artikels hier, auf 6.4 Millionen indexierte Websites erhöht. Leider ist jedoch der Server letzten Donnerstag ausgefallen, so dass aktuell nur eine Hinweis-Seite aufgeschaltet werden konnte.

    Eine alternative Suchmaschine mit mehr als 100 Webspidern aufzubauen, ist in Europa praktisch unmöglich. Der Grund liegt im mangelnden Interesse der Werbetreibenden, SEO Beratern und den Investoren. Dies obwohl eine europäisch gut aufgestellte alternative Suchmaschine mit eigenem Index, etwas von den Werbe-Milliarden abgewinnen könnte und somit die Wertschöpfung in Europa bleiben würde. Aber ohne eine einzige Werbeeinblendung, welche zumindest Mikroeinnamen generieren würde, ohne entsprechende Investoren, die hinter dem Projekt stehen, ist es für uns ein extrem langer und schwieriger Weg, einen qualitativ hochwertigen Index aufzubauen und diesen zu pflegen. Mit dem fehlenden finaziellen Background sind hardware-seitige Absicherungen gegen Ausfälle nur schwer umsetzbar.

    Im Oktober 2016 währe eigentlich in der Geschichte von CENTIL mit ca. 450’000 Suchanfragen der beste Monat gewesen, seit es CENTIL gibt. Der Hardware Ausfall wirft uns etwas zurück, deswegen aufgeben kommt allerdings nicht in Frage.

    Für die Zukunft ist geplant, weitere Clients für die Spider einzusetzen. Das bedingt jedoch auch eine Server-Erweiterung. Desweiteren suchen wir im 2017 Investoren. Wir sind für unseren Pitch bereits seit 2 Monaten am vorbereiten. Entweder finden wir Investoren in Europa oder in den USA. Falls wir in den USA entsprechende Unterstützung finden werden, würde dies einen Umzug in die USA nach sich ziehen. .

    Mit der Zeit müsste dies sowieso genauer geprüft werden, aufgrund von Faktoren wie künftige Steuerbelastungen, Strompreise, Mietpreise und anderes. Als Alternative zur Schweiz würde Deutschland in Frage kommen, oder eben die USA. Die Zukunft und die weitere Entwicklung werden es zeigen.

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