Rohstoff-Investments – mit Exchange Traded Commodities und Funds

07.04.2015 |  Von  |  News
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Rohstoff-Investments – mit Exchange Traded Commodities und Funds
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Rohstoffe bilden eine eigene Anlageklasse für sich. Edelmetalle, Industriemetalle, Energierohstoffe sowie Agrarerzeugnisse gehören zu dieser heterogenen Kategorie von Gütern. Auch in einem privaten Vermögensportfolio können sie ein sinnvoller Bestandteil sein.

Mit Exchange Traded Commodities und Funds stehen Anlegern moderne Instrumente zur Verfügung, um breit gestreut in Rohstoffe zu investieren. Im Folgenden werden sie näher erklärt.

Die Schweiz – internationale Rohstoff-Drehscheibe

Vielen ist gar nicht bewusst, dass die Schweiz ein Zentrum des internationalen Rohstoffhandels ist. Vor allem in Genf spielt sich das Geschäft mit diesen Ausgangsprodukten ab, ohne die die globale Industrieerzeugung und Wirtschaft nicht möglich wäre. Mehrere hundert Handelsfirmen mit gut 10.000 Mitarbeitern haben sich mittlerweile im Land etabliert, die unter anderem oder ausschliesslich vom Rohstoffhandel leben. Sie leisten spürbare Beiträge zum Schweizer Bruttosozialprodukt. Rund ein Drittel des Welthandels mit Rohöl und Rohölprodukten erfolgt über Genf, auch bei anderen Rohstoffen spielt die Schweiz eine führende oder bedeutende Rolle.

Der Handel mit Rohstoffen ist zwangsläufig mit grossen Geldströmen verbunden. In diesem Zusammenhang sind seit jeher nicht nur Kassa- sondern auch Termingeschäfte typische Handelsbestandteile. Der Terminhandel wurde ursprünglich vor allem zu Absicherungszwecken entwickelt, er dient aber auch spekulativen Zwecken. Dieser Umstand und die oft schwer kalkulierbare Preisentwicklung bei Rohstoffen hat zu ihrem Ruf als besonders riskantes Investment beigetragen. Der starke Preisverfall beim Öl innerhalb des letzten Jahres oder das Auf und Ab beim Goldpreis scheinen diese Einschätzung zu bestätigen.

Rohstoffe – hohe Volatilität und schwierige Prognosen 

Richtig daran ist, dass in der Regel viele Faktoren auf die einzelnen Rohstoffmärkte einwirken, die oft kaum vorhersehbar sind. Beim Gold beeinflussen zum Beispiel politische Ereignisse, Inflationsängste, die Fördermengen, die Goldpolitik der Zentralbanken, die Nachfrage nach Schmuck und einige andere Faktoren die Preisentwicklung. Die Volatilität des Goldpreises ist daher hoch. Ähnliches gilt auch für andere Rohstoffe. Das Risiko lässt sich aber einschränken, wenn man nicht nur in einen einzigen Rohstoff investiert, sondern in ganze Rohstoffbündel. Denn die Preise der einzelnen Rohstoffmärkte entwickeln sich keineswegs immer in die gleiche Richtung, zumindest sind die Ausschläge unterschiedlich stark. Der Fachmann sagt dazu, die Preise sind nicht vollständig positiv korreliert. Durch Mischung – das heisst das Investment in mehrere Rohhstoffe – lässt sich das Gesamtrisiko reduzieren. Das ist auf lange Sicht deutlich besser als auf einen bestimmten Rohstoff – zum Beispiel nur Gold oder nur Öl – zu setzen.

Exchange Traded Commodities und Funds

Mit Exchange Traded Commodities (ETC) und Exchange Traded Funds (ETF) stehen hierfür zwei Instrumente zur Verfügung, die auch von Privatanlegern genutzt werden können. Beide Instrumente besitzen viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede.

Die Bezeichnung „Exchange Traded“ weist dabei darauf hin, dass es sich um Wertpapiere handelt, die über die Börse erworben und verkauft werden können. Sie sind üblicherweise unbefristet. Beide leiten ihre Wertentwicklung von einer Bezugsgrösse ab, die mit Rohstoffen in Zusammenhang steht. Bei ETC können diese Bezugsgrössen sowohl einzelne Rohstoff-Preise als auch Rohstoff-Indizes sein. Bei Rohstoff-ETF sind es de facto immer Rohstoff-Indizes.

Es gibt dabei unterschiedliche Arten von Rohstoff-Indizes. Rohstoff-Preisindizes beziehen sich unmittelbar auf die Rohstoffpreise und werden in der Regel mit Hilfe von Futures oder Swaps abgebildet. Rohstoff-Aktienindizes beziehen sich dagegen auf Aktien von Unternehmen, die sich in bestimmten Rohstoffmärkten engagieren und von deren Entwicklung abhängig sind. Die Entwicklung der Aktienkurse ist dabei aber nicht immer unbedingt gleichläufig mit den jeweiligen Rohstoffpreisen. Sowohl bei den Preis-Indizes als auch bei den Aktien-Indizes gibt es solche, die eine grosse Rohstoffbandbreite abbilden als auch solche, die sich nur auf bestimmte Segmente – zum Beispiel ausschliesslich Edelmetalle, Energierohstoffe, Agrarrohstoffe usw. – beziehen.


Der Handel mit Rohstoffen ist zwangsläufig mit grossen Geldströmen verbunden. (Bild: © Lisa S. - shutterstock.com)

Der Handel mit Rohstoffen ist zwangsläufig mit grossen Geldströmen verbunden. (Bild: © Lisa S. – shutterstock.com)


Beispiel: der Dow Jones-UBS-Commodity-Index

Ein bekannter Rohstoff-Preisindex ist der Dow Jones-UBS-Commodity-Index. Er ist ein typischer übergreifender Rohstoff-Preisindex, der mit Hilfe von Futures gebildet wird. In den Index gehen insgesamt 20 verschiedene Rohstoffe ein, wobei das Gewicht eines einzelnen Rohstoffs mindestens zwei Prozent, aber maximal 15 Prozent beträgt. Das Gewicht eines Rohstoffsegments darf dabei 33 Prozent nicht überschreiten. Die Zusammensetzung nach den einzelnen Segmenten sieht wie folgt aus:

Energierohstoffe : 32,64 % Erdgas, WTI-Erdöl, Brent-Erdöl, Heizöl, bleifreies Benzin
Industriemetalle: 18,64 % Aluminium, Kupfer, Nickel, Zink
Edelmetalle: 12,56 % Gold, Silber
Agrarrohstoffe: 30,41 % Baumwolle, Kaffee, Mais, Weizen, Zucker, Sojabohnen, Sojaöl
Lebendvieh: 5,74 % Rindfleisch, mageres Schweinefleisch

Es gibt zahlreiche andere Indizes mit ähnlichen oder anderen Zusammensetzungen und Gewichtungen. Bei der Auswahl von Rohstoff-Investments kommt es daher immer auch auf die jeweils zugrundeliegende Bezugsgrösse an.

Rechtliche Unterschiede zwischen ETC und ETF 

Ein wesentlicher Unterschied zwischen ETC und Rohstoff-ETF liegt in der rechtlichen Konstruktion.  Ein ETC ist rechtlich gesehen eine Schuldverschreibung und ähnelt damit einem Zertifikat. Bei einem ETF handelt es sich dagegen um einen typischen Investmentfonds, er bildet ein treuhänderisch verwaltetes Sondervermögen einer Investmentgesellschaft. Im Konkursfall des Emittenten fällt der ETC unter die Konkursmasse, das Sondervermögen beim ETF ist hingegen gegen Gläubigerzugriffe geschützt.

Man versucht häufig, das höhere Emittentenrisiko bei ETC durch verschiedene Sicherungsmassnahmen zu begrenzen, so dass auch diese Wertpapiere eine vergleichbare Sicherheit wie ETF bieten. So erfolgt die Emission oft nicht unmittelbar durch eine Geschäftsbank, sondern durch eine besondere Emissionsgesellschaft, um andere Geschäftsrisiken zu separieren. ETF werden ausserdem häufig besichert, zum Beispiel durch die physische Hinterlegung des jeweiligen Rohstoffs – bei Edelmetallen – oder durch Wertpapiere, die wiederum treuhänderisch verwahrt werden. 

Für Vermögensaufbau oder spekulative Zwecke 

Sowohl ETC als auch ETF sind relativ kostengünstig und zeichnen sich aufgrund ihrer Konzeption durch eine hohe Transparenz aus. Ihre Wertentwicklung kann anhand der Entwicklung der jeweiligen Bezugsgrössen unmittelbar nachvollzogen werden. Insbesondere ETC lassen sich dabei sowohl im Sinne einer langfristigen Vermögensbildung unter Portfolio-Gesichtspunkten einsetzen als auch für spekulative Zwecke.

Beim Portfolio-Gedanken geht es darum, im Vermögen mehrere Anlageklassen – darunter auch Rohstoffe – zu halten und die Entwicklung der Märkte möglichst breit gestreut nachzuvollziehen. Dafür eignen sich ETC und ETF, die übergreifend auf Rohstoffe ausgerichtet sind und die Märkte möglichst 1:1 abbilden. Bei Spekulationen geht es darum, von Marktveränderungen besonders zu profitieren. Dies bedeutet höhere Chancen, aber zwangsläufig auch grössere Risiken.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten der Spekulation:

  • es wird nur auf bestimmte Rohstoffe oder Rohstoff-Segmente gesetzt
  • es wird auf steigende oder fallende Preise gesetzt. Insbesondere im ETC-Universum stehen dafür sowohl entsprechende long- als auch short-Papiere zur Verfügung
  • es wird gehebelt. Preisveränderungen bei einem Rohstoff- oder Rohsstoffsegment bewirken in diesem Fall einen Multiplikator-Effekt bei der Wertveränderung des jeweiligen ETC

Ohne intensive Befassung mit den Rohstoffmärkten und Know-how zur Wirkungsweise der Instrumente ist allerdings grosse Zurückhaltung bei solchen Spekulationen zu empfehlen. Sonst ist das eingesetzte Kapital schnell verloren.



Auch an der SIX Swiss Exchange erhältlich

An der SIX Swiss Exchange, der grössten Schweizer Börse, werden zahlreiche ETC sowie ETF mit Rohstoff-Bezug gehandelt. Im ETC-Bereich werden aktuell 46 Produkte geboten, im ETF-Segment 90 Produkte. Dabei existieren sowohl Offerten, die auf Vermögensbildung ausgerichtet sind, als auch spekulativ orientierte ETC und ETF. Schweizer Anleger, die im Inland Rohstoff-Investments tätigen wollen, haben also eine breite Auswahl.

 

Oberstes Bild: © anekoho – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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