Gedämpfte Konjunkturprognosen für die Schweiz

22.06.2014 |  Von  |  News
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Gedämpfte Konjunkturprognosen für die Schweiz
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Die Schweizer Wirtschaft ist hervorragend ins neue Jahr gestartet. Die hohen Erwartungen an steigende Exporte haben sich jedoch nicht erfüllt. Auch verschiedene Umfrage-Indikatoren – beispielsweise das Konjunkturbarometer der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Basel oder der Einkaufsmanager – verweisen derzeit nicht auf rasches Wirtschaftswachstum.

Erwartungsgemäss korrigieren die Konjunkturexperten ihre Prognosen nun nach unten. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr nur noch um 2 % wachsen wird. Ursprünglich hatten sie mit einem BIP-Zuwachs von 2,2 % gerechnet. Auch für 2015 gaben die Seco-Ökonomen eine leicht nach unten korrigierte Prognose ab: Das Schweizer BIP wird demnach nicht um 2,7, sondern „nur“ noch um 2,6 % wachsen.



Exportsektor bleibt die entscheidende wirtschaftliche Triebkraft

Das Seco verweist in diesem Kontext auf verschiedene internationale Entwicklungen als Bremsfaktoren für die Schweizer Wirtschaft. Die ökonomische Erholung in der Eurozone gehe bisher eher zögerlich vonstatten. Auch die Schwellenländer leiden derzeit unter steigenden Kapitalabflüssen sowie höheren Zinsen. Weitere negative Einflüsse ergeben sich aus der Ukraine-Krise, die zu Verunsicherungen in Osteuropa sowie konjunkturellen Hindernissen in Russland führe. Auf das Wachstum der Schweizer Exportwirtschaft wirkt sich ausserdem der starke Franken hemmend aus.

Trotzdem geht das Seco davon aus, dass der Exportsektor die entscheidende wirtschaftliche Triebkraft bleibt. Aus dem Inland seien ebenfalls positive Wachstumsimpulse zu erwarten.

Ausblick 2015: Rückgang der Bauaktivität, Wachstum von Unternehmensinvestitionen



Bauinvestoren in der Schweiz profitieren weiterhin von niedrigen Zinsen sowie vom Bevölkerungswachstum. Allerdings gehen die Seco-Experten davon aus, dass sich das Wachstum der Bauaktivitäten im kommenden Jahr deutlich abschwächt. Die Ursachen dafür liegen nicht zuletzt im politischen Bereich: Die Begrenzung von Zweitwohnungen sowie Planungsunsicherheiten nach dem Votum zur Masseneinwanderung dürften sich hier als Bremsfaktoren erweisen. Zurückgehenden Bauinvestitionen steht 2015 voraussichtlich ein Aufschwung der Unternehmensinvestitionen gegenüber, falls sich die bisher günstigen Exportprognosen als realer Trend erweisen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 3 %, für 2015 rechnet das Seco mit einem Rückgang auf 2,8 %.

Die Risiken: EU-Finanzsystem, Immobilienmarkt, Folgen der Zuwanderungsinitiative

Einige Risiken können nach Einschätzung des Seco die künftige wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz belasten. Hierzu zählen vor allem das auf absehbare Zeit fragile Finanzsystem der Eurozone und die deshalb nur zurückhaltende Vergabe von Unternehmenskrediten durch die Banken. Ob der im Herbst 2014 anstehende „Bankenstresstest“ in der EU neue Verunsicherungen auslöst oder das Vertrauen in die Branche stärkt, sei bisher völlig unklar. Sorgen bereitet den Seco-Experten ausserdem die Gefahr einer erneuten Überhitzung des Immobilienmarktes sowie die künftige Ausgestaltung der Beziehungen zur Europäischen Union. Die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative verunsichere potenzielle Investoren und könne mittelfristig durchaus das Wirtschaftswachstum bremsen.



 

Oberstes Bild: © M2A – Shutterstock.com


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