Ich bin ein Workaholic – na und?

28.02.2014 |  Von  |  Selbstmanagement
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Ich bin ein Workaholic – na und?
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Für die einen ist es Auszeichnung, für andere fast schon ein Schimpfwort – Workaholic. Irgendwie klingt das ja auch wie Alkoholiker, Sucht, Abhängigkeit oder einfach nur krank.

Dass Workaholics oftmals auch über viele Jahre hinweg ihrer Firma hervorragende Dienste leisten, bleibt eher ein Thema unter der Hand. Genauso unter der Hand gehandelt wird auch die Tatsache, dass Workaholics besonders gut organisierte Menschen sind, die durchaus auch Arbeit, Freizeit und Familie unter einen passenden Hut bringen können. Und der Drang zum Arbeiten, der einen gut sortierten Workaholic auszeichnet, muss nicht einmal krank machen.



„Ich arbeite quasi immer!“

Sagt`s und bummelt weiter entspannt auf der Promenade am Zürichsee entlang. Stefan B., 47 (Name geändert), sieht gerade jetzt nicht so aus, als ob er arbeiten würde. Geruhsam schlendert er mit den Händen in den Hosentaschen zwischen all den anderen Spaziergängern einher und wirkt weder angestrengt noch gestresst. Die beiden Kinder hat er gerade in der Tagesstätte abgeholt, nach Hause gebracht und wird dort in einer Stunde auch wieder bei Frau und Kindern landen. Zwischendurch wandert Stefan am Zürichsee und arbeitet. Der Webdesigner und Autor betrachtet auch diesen Spaziergang als Arbeit. Denn jetzt ist die beste Zeit, die Büroarbeit vom Vormittag und dem frühen Nachmittag abzuhaken und die Projekte für den späten Abend zu planen. Über sechs Stunden hinweg hat sich Stefan mit Webdesign, Usability, User-Experience und User-Research befasst, dann die Kinder abgeholt und macht jetzt eine Stunde Kreativspaziergang. Danach folgen vier Stunden Familie und dann eben noch einmal sechs Stunden Arbeit. Dann aber nicht Webdesign, sondern viel mehr Arbeit am Text. Denn Stefan bastelt nicht nur an Webseiten, er packt sie auch mit dem passenden Content voll. Hochwertig, hochkonzentriert, professionell.

14 Stunden Job, vier Stunden Familie und auch noch Zeit für ein Buch

Es scheint unglaublich, Stefan arbeitet wochentags so um die 14 Stunden täglich, nimmt sich mindestens vier Stunden am Stück Zeit für die Familie und hat trotzdem auch noch Zeit zum Lesen. Wann schläft dieser Mensch? „Ich bin ein Workaholic und auch noch stolz darauf! Arbeit kann für mich ebenso entspannend sein wie schlafen. Ausserdem reichen mir im Schnitt 5 Stunden Schlaf gut aus.“ Was Stefan von vielen anderen Arbeitstieren unterscheidet, ist der fast schon pikiert wirkende Tagesplan. Fast minutiös ist hier festgehalten, wann für was und für wen Zeit ist. Das Schema wiederholt sich an jedem Tag. Nur an den Wochenenden bleibt das Thema Arbeit zumindest offiziell ein Tabuthema. Im Kopf von Stefan rattern aber auch dann die Gedanken, so dass er am Montag schon mit fast fertigen Konzepten die Woche beginnt. Gestört hat das weder die Freizeit mit den Kindern noch den romantischen Weinabend mit der Frau. Lisa ist ihm bereits seit 20 Jahren treu und kann sich ihren Stefan nicht anders vorstellen. „Er ist bestens organisiert, nimmt sich Zeit für mich und die Kinder und arbeitet trotzdem viel. Ich will ihn gar nicht anders haben!“, so Lisa über ihren Mann.



Fleiss und Beständigkeit von der Sucht abgrenzen

Stefan ist stolz, wenn er als Workaholic bezeichnet wird. „Für mich ist es keine Schande, fleissig und ausdauernd zu arbeiten. Deshalb bin ich längst nicht arbeitssüchtig und weiss sehr gut, wie wichtig mir Familie und Freizeit sind.“ Damit macht der 47-jährige einen Unterschied auf. Während extrem arbeitssüchtige Menschen die Arbeit über alles stellen, sind Workaholics meist ganz anders gestrickt. Auch sie scheinen ständig zu arbeiten, verteilen aber ihre Zeit und Aufgaben ganz anders und sind viel besser organisiert als Leute, bei denen Arbeit zur Sucht geworden ist.



Auffällig an vielen Arbeitssüchtigen ist die Flucht vor Alltag und Familie. Sie vergraben sich lieber hinter ihrem Schreibtisch, machen Überstunden und Sondereinsätze wann immer es geht, sind aber letztlich gar nicht so besonders produktiv. Sie betrachten ihre Arbeit meist als Flucht vor den Anforderungen des normalen Alltags und fühlen sich nur hier sicher und gebraucht. Das macht die Arbeitssüchtigen auch so grundverschieden zum eigentlichen Workaholic. Der ist nämlich bestens orientiert und strukturiert, bleibt im gesellschaftlichen Umfeld verankert und liebt sogar seine Auszeiten.





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Auffällig an vielen Arbeitssüchtigen ist die Flucht vor Alltag und Familie. (Bild: Prod-akszyn / shutterstock.com)

Workaholics halten länger durch

Im Gegensatz zu Arbeitssüchtigen halten Workaholics auch länger durch. Ihre zielorientierte und strukturierte Arbeitsweise lässt Zeit und Raum für Ablenkungen und sogar Urlaub ist immer wieder drin. Arbeitssüchtige hingegen sind bereits nach zwei bis vier Jahren ausgebrannt, leer und kaputt. Die ständigen Aufenthalte am Arbeitsplatz, das Ausweichen vor verlässlichen sozialen Kontakten endet meist in Vereinsamung, Burnout und nicht selten in der Psychiatrie. Dazu kommen wechselnde Partnerschaften, weil eine vernünftige Beziehung mit den Arbeitssüchtigen kaum lange auszuhalten ist. Eigentlich muss sie auch gar nicht ausgehalten werden, weil der Arbeitssüchtige für den Partner kaum verfügbar ist.

Bei Stefan, Lisa und den beiden Jungs sieht das anders aus. Jeder weiss, wann der andere arbeitet oder für die Familie da ist. Die sauber strukturierten Anteile von zugegebenermassen viel Arbeit, klar abgegrenzter Freizeit und individuellen Auszeiten machen das Zusammenleben planbar und erfüllt. Zumal bei Stefan das Thema Arbeit ganz eng mit wirklichem Erfolg verbunden ist.



 

Oberstes Bild: © Gajus – shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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