Teilen ersetzt Kaufen –KoKonsum als der neue Tauschhandel

08.12.2014 |  Von  |  Finanzen
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Teilen ersetzt Kaufen –KoKonsum als der neue Tauschhandel
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Eine Erfolgsgeschichte in den USA ist die Plattform AirBnB. Hier können Privatpersonen gegen Bezahlung ihre Wohnungen Reisenden zur Verfügung stellen. Unter dem Begriff „Share Economy“ beginnen solche Angebote zurzeit ihren globalen Siegeszug. Kritisch beobachtet werden derart kommerzielle Angebote hier aber von Kommunen und alteingesessenen Unternehmen der Schweizer Hotelbranche. Etwas zu teilen, was man selbst nur zeitweise nutzt, scheint sinnvoll und überzeugt immer mehr Bürger.

Share Economy bedeutet auch Umweltschutz und Gemeinwohlbewusstsein auf dem Wege eigener Initiative. Die persönlich organisierte unabhängige Weise, Geld zu sparen oder sogar einzunehmen und gleichzeitig auch Ressourcen einzusparen, motiviert immer mehr Menschen, sich zu beteiligen. Der individuelle Konsum wird viel unabhängiger von Werbung und damit auch der Verbrauch selbstbestimmter. Wie mit Forschungen zum Thema Glück belegt wurde, bringen weniger Eigentum und Besitz eine grössere Zufriedenheit. Das auch unter dem Begriff Downscaling bekannte Weniger-ist-Mehr-Prinzip wird durch Teilen und Verleihen unterstützt. Die eigene Wahrnehmung verlagert sich hin zum Erleben und Erfahren.



Etwas zu brauchen, heisst nicht immer, es auch durch Erwerb zu besitzen. Unverzichtbar ist vielmehr der Zugang zu einer Ressource. Share Economy heute teilt sich auf in kommerzielle und nichtkommerzielle Angebote. Sie ist mittlerweile ein Wirtschaftsfaktor und nicht immer so uneigennützig wie man glauben mag. Grosse digitale Player wie Facebook haben das schon längst erkannt.

Ein anschauliches Beispiel für Share Economy ist der Dienst „Auto Share“ von Verizon, einem amerikanischen Mobilfunkunternehmen. Jeder kann sein Auto zum Verleihen anbieten, wenn er an der Windschutzscheibe seines Fahrzeuges einen scanbaren QR-Code befestigt. Das Unternehmen wiederum stellt auf seiner Plattform Identifizierungs- und Zugangsmanagementprogramme bereit. Auf lange Sicht sollen über das Internet die verschiedensten Objekte geteilt werden können.

Dem Nutzer solcher Dienste offenbart sich hier ein Dilemma. Ursprünglich war es sein Bestreben, mit dem Teilen weg vom globalen Austausch hin zum lokalen Teilen zurück zu kommen. Sein kritisches Verständnis gegenüber dem globalisierten Kapitalismus verkehrt sich dann ins Gegenteil, wenn er gleichzeitig die Dienste von Facebook oder Verizon für die Organisation und Management von Plattformen für Teilangebote nutzt. Deren Begehrlichkeiten richten sich auf die privaten Daten der Benutzer der Plattformen. Bei börsennotierten Unternehmen steht Gewinnmaximierung im Mittelpunkt ihres wirtschaftlichen Handelns.

Der Verzicht auf moderne digitale Kommunikationswege ist keine Lösung. Gerade die lokale Ausrichtung vieler Share-Economy-Initiativen, ermöglicht es auch, regional begrenzte Webseiten zu unterhalten. Die Plattform http://ch.myfoodsharing.org/ unterstützt ihre Nutzer dabei, der Vernichtung von Lebensmitteln entgegenzutreten, indem sie eine Tauschplattform für Lebensmittel betreibt. Andere lokal organisierbare Angebote sind die Mitfahrzentralen, eine der frühesten Ideen der Share Economy, Apps oder Webangebote wie leihdirwas unterstützen die Selbstorganisation. Viele hilfreiche Vorschläge kann man auf der Schweizer Webseite sharecon.ch finden, auf der weitere interessante Angebote recherchiert und zusammengestellt sind.



Den Ideen zum Teilen, Verleihen und Tauschen von Produkten oder Leistungen sind keine Grenzen gesetzt. In Städten wird die gemeinsame Bewirtschaftung und Nutzung von privaten Gärten immer beliebter. Unter dem Begriff Urban Gardening werden in Städten brachliegende oder vernachlässigte öffentliche Bereiche gemeinschaftlich nutzbar gemacht. In vielen Schweizer Städten gibt es inzwischen solche Initiativen, die auch von Familien gern genutzt werden.





Die Share Economy stellt der Konsumgesellschaft das Konzept des Teilens gegenüber. Wir zeigen Ihnen, wie Sie selbst am neuen Trend teilnehmen können. (Bild: Denis Vrublevski /Shutterstock.com)

Die Share Economy stellt der Konsumgesellschaft das Konzept des Teilens gegenüber. Wir zeigen Ihnen, wie Sie selbst am neuen Trend teilnehmen können. (Bild: Denis Vrublevski /Shutterstock.com)

Der Bedarf ist da, er muss nur erkannt werden. Der Eigenheimbewohner, der zwar ein Grundstück mit Garten hat, aber dessen Pflege kaum bewältigt und den Garten daher nur begrenzt geniessen kann, wird über Angebote und Anzeigen an schwarzen Brettern in Kirchen, Biomärkten, lokalen Supermarkt oder über eine kostenlose Zeitungsanzeige rasch interessierte Menschen finden. Wer in der Stadt lebt und gern etwas Grün geniessen und Blumen, Gemüse oder Obst anbauen würde, bekommt auf diesem Wege seinerseits eine Chance, sich in die Arbeit zu teilen.



Wenn Sie eine hauseigene Bibliothek haben, können Sie die nicht nur mit der Familie, sondern auch mit Freunden und Bekannten teilen. Eine Titelliste Ihrer Bücher können Sie gemeinsam mit Ihren eigenen Lesewünschen per E-Mail versenden und damit einen privat organisierten Bücheraustausch ins Leben rufen. So mancher Lesezirkel hat sich aus einem einfachen Teilen von Büchern entwickelt. Aus soziologischer Sicht wäre das ein ganz typischer Prozess, beim dem sich das Teilen zu neuen persönlichen Kontakten und einer erweiterten Dialogbereitschaft entwickelt.

Auch vor einem privaten Neukauf von Geräten oder Gegenständen, die man nicht häufig benötigt, ist es eine Überlegung wert, Freunde oder unter Umständen auch Fremde zu fragen, ob eine gemeinsame Anschaffung und Nutzung nicht besser wäre. Selbst Garderobe zum Ausgehen, Transportgeräte oder Urlaubs- und Freizeitausrüstungen könnten über das Sharing angeschafft und genutzt werden.

Auch im Kleinen kann Share Economy stattfinden. Vor jeder teuren Anschaffung kann man innerhalb der Familie oder bei Freunden nachfragen, ob sich jemand am Kauf beteiligen möchte. Praktischerweise einigt man sich mit einer schriftlichen Teilungsvereinbarung über die gleichberechtigte Kostenbeteiligung und Nutzung, gegebenenfalls auch über eine Ausstiegsmöglichkeit, um Konflikten vorzubeugen, wenn jemand umzieht oder unangemessene Forderungen hat.



 

Oberstes Bild: © Robert Kneschke – Shutterstock.com

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