Management und Empathie – was geht da zusammen?

21.10.2014 |  Von  |  Organisation
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Micaela arbeitet als Angestellte in einem mittelständischen Unternehmen, das überwiegend kleine Haushaltshelfer produziert und vertreibt. In der Entwicklungsabteilung ist sie für die Tests neuer Produkte zuständig. Bis vor drei Monaten arbeitete sie unter einem Chef, der zwar sehr streng, dafür aber auch fachkompetent und kompromissbereit war. Der Umgang mit ihm war nicht immer leicht, aber irgendwie doch zielführend.

Seit einem Vierteljahr agiert jetzt ein neuer Vorgesetzter. Der erscheint irgendwie weich gespült. Ständig fragt er nach dem Befinden, neuen Ideen oder eventuellen Arbeitshindernissen. Am Anfang war das zwar spannend und interessant, mittlerweile indes ist die Luft wieder raus. Micaela wünscht sich ihren alten Chef zurück.



Ist Empathie der neue Führungsstil?

Managementexperten unterteilen die Entwicklung des Managements seit der Industriellen Revolution in unterschiedliche Phasen. Die hier im Einzelnen zu beschreiben, würde zu weit führen. Im Kern geht es darum, dass ein überlieferter Management-Stil das Unternehmen als Maschine sieht, gefolgt von der Ära der Fachkompetenz, die jetzt allmählich in das Management der Empathie überführt werden soll.

Grund für diese andere Sichtweise auf das Management ist vor allem, dass sich in den Unternehmen immer mehr sogenannte Wissensarbeiter entwickeln, die ihre Produktivität vor allem aus der Verarbeitung von Informationen beziehen. So geht praktisch zum Feierabend das Kapital des Unternehmens auch nach Hause. Eine Situation, die scheinbar nach einem neuen Führungsstil ruft.

Regelrecht beschworen wird jetzt das Management der Empathie. Chefs sollen nicht nur mit den Kunden des Unternehmens mitfühlen und entsprechende Lösungsansätze entwickeln, sie sollen sich jetzt auch in die Lage ihrer Mitarbeiter einfinden. Eine Situation, die genau den weich gespülten Chef-Typ entwickelt und favorisiert, den Micaela mittlerweile erlebt hat.



Das Beispiel der erfahrenen Mittvierzigerin zeigt aber auch, dass Empathie, selbst wenn sie mit Fachkompetenz untermauert wird, nicht ausreichend für ein zielorientiertes und modernes Management erscheint.

Haben wir bis vor einigen Jahren vor allem bissige, kompromisslose Chefs erlebt, so werden diese heute zunehmend abgelöst von Weichzeichnern, die ähnlich der Arbeitsweise von Psychotherapeuten bei ihren Mitarbeitern mit angenehmen Stimmungen Produktivität erzeugen wollen. Dass das nicht wirklich funktioniert, zeigt das Beispiel Micaela auch. Sie möchte an ihrem Arbeitsplatz nicht wie in einem Streichelzoo behandelt und mit Empathie gefüttert werden, sie möchte viel mehr mit klaren und fachlich untermauerten Forderungen konfrontiert und auf diesem Weg in ihrer Entwicklung gefördert werden.

Und warum nicht Empathie?

Betont werden soll, dass hier die Empathie nicht unter Wert verkauft werden soll. Klar sein sollte aber auch, dass Empathie allein nicht die Grundlage für den Führungsstil der Zukunft sein kann. Vielmehr bestehen die Arbeitnehmer nicht umsonst auf klar fordernde Chefs, die sich allerdings auch in die Arbeit einbringen, die Probleme erkennen und verstehen und sich auch auf die Situation der Beschäftigten einstellen können. Es wird also so etwas wie eine Mischung aus Forderung, Kontrolle, Zielentwicklung, Mitarbeit und Empathie eingefordert.

Ein Konglomerat an Führungsqualitäten, das so manchem Jungmanager nicht geheuer sein dürfte. Allerdings sollte hier auch nicht zu viel Wert auf Empathie gelegt werden. Die kann nur ein Teil der Leitungsstrategie, nicht aber der bestimmende sein.



Micaelas Ehemann ist Bauarbeiter. Als er vom neuen Stil des neuen Chefs seiner Frau hört, kommt er schlichtweg ins Lachen. Er stellt sich vor, wie ein solcher Chef als Vorarbeiter auf der Baustelle ankommen würde. „Nun, liebe Mitarbeiter, wie fühlen Sie sich heute? Haben Sie die innere Kraft, die Betontreppen heute in das Gebäude einzuziehen, oder sollten wir uns doch erst einmal mental stärken?“ Eine sicherlich überspitzte Vorstellung, die aber gut zeigt, wo die Grenzen der Empathie liegen. Nämlich dort, wo Forderungen an das Leistungsverhalten nicht mehr klar artikuliert werden, sondern mit dem Weichspüler der Empathie durchtränkt als softe Bitte zum Mitarbeiter durchdringen. Und das ist es nicht, was Beschäftigte wünschen, zumindest nicht ständig und schon gar nicht auf Dauer.

Das Management der Empathie scheitert dann, wenn unternehmerische Ziele der Befindlichkeit der Mitarbeiter untergeordnet werden. (Bild: Goodluz / Shutterstock.com)

Das Management der Empathie scheitert dann, wenn unternehmerische Ziele der Befindlichkeit der Mitarbeiter untergeordnet werden. (Bild: Goodluz / Shutterstock.com)

Klare Kompetenzen, mehr Fachlichkeit und gern auch einen Hauch Empathie



Sowohl der Wunsch der Arbeitnehmer als auch die Erfordernisse in der Wirtschaft verlangen ein klares Management, das sich in erster Linie durch Kompetenzen im Fach, durch Problembewusstsein und Entscheidungssicherheit und sicherlich auch durch einen gewissen Anteil an Empathie auszeichnet. Allerdings sollte hier das Mit- und Hineinfühlen in die Situation der Mitarbeiter nicht die Oberhand gewinnen. In der modernen Arbeitswelt geht es letztlich weniger um die aktuelle Befindlichkeit der Leistungsträger, sondern vielmehr um klare Ziele, deren Umsetzung in geeigneten Schritten passiert, verbunden mit deutlich artikulierten Forderungen. Darauf beruht letztlich jede Leistungserbringung, vor allem wenn eine Gewinnerzielungsabsicht dahintersteht.

Das sollte auch allen Theoretikern klar sein, die jetzt die vermeintliche Ära der Empathie im Management regelrecht beschwören und einläuten.

Der neue Chef von Micaela ist übrigens nach bereits einem halben Jahr gescheitert. Die Arbeitsmoral in seinem Bereich sank dermassen in den Keller, dass ein ständig steigendes Mass an Unzufriedenheit entstand, die letztlich darauf zurückzuführen war, dass das Übermass an Empathie nicht dazu geeignet war, den Beschäftigten klar abrechenbare Ziele vorzulegen und an deren Erfüllung zu arbeiten. Kein Schlag gegen die Empathie, aber ein deutliches Zeichen dafür, dass im Arbeitsprozess mehr als weich gespülte Einfühlsamkeit gefragt bleibt.




 

Oberstes Bild: © Minerva Studio – Shutterstock.com



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Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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