Gehälter – von Geringverdienern und Grosseinkommen

28.09.2014 |  Von  |  Finanzen
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Gehälter – von Geringverdienern und Grosseinkommen
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Zwar ist die Initiative zum Mindestlohn Geschichte, die Thematik an sich aber immer noch aktuell. Die Schweiz ist durch ein auffälliges Lohngefälle geprägt. Die Schere zwischen den Löhnen von durchschnittlichen Kleinverdienern und Menschen mit hohem Einkommen vergrössert sich zusehends. Was zwischen den beiden Extremen liegt, ist fraglich.

Dass häufig lediglich Nominallöhne zur Berechnung der Lohnentwicklung herangezogen werden, ist in diesem Fall bemerkenswert. Unter anderem werden inflationsbereinigte Zahlen auf diese Weise in der Statistik unzureichend beachtet. Gehört man eher zum einkommensschwachen Teil der Lohnskala, wird die Situation so noch verschärft.

Brisante Verhältnisse

Sollten Sie sich mit einem monatlichen Gehalt von 3’886 Franken zufriedengeben müssen, dann gehören Sie nicht nur zu der Gruppe, deren Einkommen nah an der Armutsgrenze liegt, sondern bekommen auch lediglich etwas mehr als ein Drittel im Vergleich zu den Gutverdienern mit Einkünften in Höhe von 11’512 Franken. Zur Menge der durchschnittlich Besserverdienenden wurden zusätzlich bereits diejenigen mit wesentlich höheren Löhnen gezählt, die man als Einkommensmillionäre bezeichnet. Übertragen auf die Welt des Sports entspricht das einem Ergebnis von 3:1 für die im Durchschnitt Besserverdienenden.

Das monatliche Gehalt der Schweizer beläuft sich somit durchschnittlich auf 6’118 Franken. Verglichen mit dieser Zahl können Sie individuell einschätzen, wie nah Sie selbst an den Durchschnittslöhnen liegen.

Die Brisanz des allgemeinen Zustandes ergibt sich aber nicht allein aus den Zahlen aus dem Jahr 2012. Bedeutsam ist vor allem die Tatsache, dass sich die Löhne der Besserverdienenden in den letzten Jahren um ca. 23 % gesteigert haben, während die niedrigeren Gehälter um gerade einmal 10 % gestiegen sind. Angewendet auf die Lebenswirklichkeit heisst das, dass die Nominallöhne der Gutverdienenden zweimal so stark gewachsen sind wie die der Geringverdienender. Geringverdiener spüren Preisanstiege und Inflation also erheblich stärker als Grossverdiener auf der anderen Seite der Lohnschere.

Eindeutige Zahlen sind gefragt

Aus der Differenz zwischen den niedrigsten Gehältern und den besten Posten allein lässt sich noch nicht schliessen, was das für die allgemeine Situation in der Schweiz bedeutet. Hier bedarf es einer deutlichen Zuordnung, wie hoch der Anteil der Geringverdiener ist, wie deutlich sich die Menge der Durchschnittsverdiener zeigt und welchen Stellenwert die Besserverdienenden innerhalb der Gesellschaft einnehmen.


Das monatliche Gehalt der Schweizer beläuft sich somit durchschnittlich auf 6'118 Franken. (Bild: © Syda Productions - shutterstock.com)

Das monatliche Gehalt der Schweizer beläuft sich somit durchschnittlich auf 6’118 Franken. (Bild: © Syda Productions – shutterstock.com)


Handfeste Zahlen gibt es dazu laut offiziellen Angaben jedoch kaum. Es kann wohl davon ausgegangen werden, dass das monatliche Einkommen eines Grossteils der Schweizer Arbeitnehmer zwischen 4’000 und 12’000 Franken anzusiedeln ist. Infolge solcher Unterschiede dürfte Beunruhigung aufkommen. Dass der Abstand zwischen den Löhnen von Männern und Frauen sogar angestiegen ist und aktuell bei durchschnittlich 18,9 % liegt, überrascht. Dabei wird hier eigentlich von einer Vergleichbarkeit von Ausbildung und Arbeitserfahrung ausgegangen.

Die Auswirkungen dieser Zahlen sieht man im alltäglichen Leben: Menschen, die sich am unteren Rand der Einkommensspanne befinden oder bereits finanzielle Unterstützung bei der Existenzsicherung benötigen, sind ein zunehmend sichtbares Bild für jemanden, der aufmerksam durch eine Grosstadt wie etwa Zürich läuft. Diese Entwicklung will nicht so recht in ein Land passen, das sich in seiner Selbstwahrnehmung in vorderster Reihe der internationalen Produktivitätsentwicklung positioniert und imagetechnisch einen hohen Lebensstandard beschwört.

Notwendige gesellschaftliche Debatte oder Neiddiskussion?

Die Gegenüberstellung von Löhnen und Gehältern erweckt oftmals den Eindruck, man vergleiche Äpfel mit Birnen. Es wird sogar behauptet, es ginge um eine rein neiderfüllte Debatte nach Art der benachbarten Deutschen. Im Vordergrund der Konflikte steht allerdings nicht der Neid, sondern der Unterschied zwischen Arm und Reich, welcher enormen sozialen Sprengstoff birgt. Insbesondere dann, wenn höhere Löhne weiterhin schneller wachsen als niedrige.

In meinen Augen bedarf es hier innerhalb der gesamten Gesellschaft einer Debatte darüber, welcher Wert der Erwerbstätigkeit in der Schweiz beizumessen ist. Das hat folglich nichts mit Neid zu tun, vielmehr damit, einem System gerechter Entlohnung näherzukommen und dafür zu sorgen, dass Arbeit nicht zum blossen Überlebenszweck degradiert, sondern als Wert an sich geschätzt wird.

Nach der fehlgeschlagenen Mindestlohn-Initiative ist wohl auch ein Diskurs darüber gefragt, inwiefern Leistung geachtet wird – und zwar losgelöst von Beruf, Alter und Geschlecht. Warum der Verdienst von älteren Kollegen wesentlich höher ist, auch dann, wenn sie die gleiche oder sogar weniger Arbeit verrichten, ist eine insbesondere von jungen und qualifizierten Arbeitnehmern aufgeworfene Frage. Es ist nachvollziehbar, dass gerade junge und bestens ausgebildete Berufseinsteiger keine niedrigere Bezahlung wollen als ihre erfahrenen Kollegen. Untermauert wird dieser Umstand durch eine immer schnelllebigere Zeit mit vielen Möglichkeiten zur Veränderung sowie die Tatsache, dass die ersten Schritte in eine selbstständige Existenz, nicht nur wegen der Möblierung der eigenen Wohnung, kostspielig sind. Und zwar hier und jetzt und nicht in ferner Zukunft.



So ist es für Wirtschaft wie Politik ratsam, die Einkommensdifferenz zwischen den 10 % der am wenigsten Verdienenden und den 10 % der am meisten Verdienenden zu mindern und dadurch schlussendlich auch die Arbeit neu zu bewerten. Und deren Wert kann nicht allein darin bestehen, das blosse Überleben sicherzustellen oder sich alljährlich einen neuen Mittelklassewagen zu gönnen.

 

Oberstes Bild: © Melpomene – shutterstock.com

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