Unter schwierigen Bedingungen den Nachwuchs rekrutieren

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Unter schwierigen Bedingungen den Nachwuchs rekrutieren
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Der Schweizer Arbeitsmarkt wird enger. Geschuldet ist diese Entwicklung nicht nur einer immer geringer werdenden Zahl junger Bewerber aus dem eigenen Land. Auch im europäischen Umfeld kehrt sich die Bevölkerungspyramide um und steht in einigen mitteleuropäischen Ländern fast schon auf der Spitze.

Das Plebiszit zur Masseneinwanderung wird wahrscheinlich die Situation nicht verbessern. Und selbst wenn hier arbeitsmarktfreundliche Regelungen gefunden werden, bleibt die Situation für viele Unternehmen prekär. Damit ist es an der Zeit, gerade jetzt neue Anreize für junge Menschen zu schaffen, damit diese die Belegschaftssituation der Firmen im eigenen Land stärken.



Warum in die Ferne schweifen

In den vergangenen Jahren haben viele Schweizer Unternehmen und ausländische Firmen mit Sitz in der Schweiz ihre Arbeitskräfte aus dem Ausland rekrutiert. Besonders in der Pharmaindustrie hat eine Entwicklung stattgefunden, die dazu geführt hat, dass bis zur Hälfte Ausländer den Kern der Belegschaften bilden. Dazu kommen Führungskräfte und Manager, oftmals aus Deutschland, die sich zwar zum Teil ständig in der Schweiz sesshaft gemacht haben, letztlich aber nichts an der Arbeitsmarksituation ändern. Dazu sei auch bemerkt, dass auch in Deutschland ein Fachkräftemangel festgestellt wird. Dieser ist sicher auch dem Umstand geschuldet, dass viele gut ausgebildete Fachleute dem deutschen Wirtschaftswunder den Rücken kehren.

Darüber hinaus scheint der Vorrat an Experten aus dem Ausland ohnehin im Wesentlichen abgeschöpft zu sein. Was jetzt noch den Weg in die Schweiz sucht, sind meist weniger gut ausgebildete Arbeitskräfte und solche, die im eigenen Land keine beruflichen Möglichkeiten erkennen können. Kurz- und mittelfristig gesehen bleibt also nur der Rückgriff auf die jungen Menschen im eigenen Land. Dank eines gut ausgebauten Schul- und Berufsausbildungssystems ist das auch nicht die schlechtere Wahl. Allerdings muss sich jetzt die Schweizer Wirtschaft wieder auf ihre alten Tugenden besinnen. Das heisst, es ist an der Zeit, zunehmend mehr Ausbildungsplätze in den Unternehmen zu schaffen um damit der eigenen Jugend den Einstieg in das Berufsleben attraktiver zu machen.

Recruiting an den Tatsachen orientieren



Die eingangs geschilderte Situation zeigt deutlich, dass sich die Schweizer Wirtschaft aus den verschiedensten Gründen das Recruiting von Arbeits- und Fachkräften in den vergangenen Jahren recht einfach gemacht hat. Die stabile politische Lage, ein vernünftig gestaltetes Sozialsystem und die insgesamt guten Lebensbedingungen haben eine regelrechte Schar ausländischer Arbeitnehmer in die Schweiz gelockt. Damit konnten sich viele Unternehmen die zeit- und kostenintensive Ausbildung des eigenen Nachwuchses sparen. Die Retourkutsche für diese leichtfertige und nicht besonders weitsichtige Arbeitsmarktpolitik ist bereits ins Rollen gekommen.



Zeit also, das Recruiting neuer Fachkräfte an den Tatsachen orientiert auf neue Beine zu stellen. Hier tragen nicht nur die Unternehmen selbst eine grosse Verantwortung. Auch die regulatorischen Fähigkeiten der Politik sind mehr denn je gefragt. Tatsache ist, dass die Besetzung freier Arbeitsplätze und Führungspositionen mit ausländischen Fachkräften künftig schwieriger wird. Tatsache ist auch, dass für die Ausbildung in den Betrieben nur eine begrenzte Anzahl junger Menschen aus dem eigenen Land zur Verfügung steht. Wer sich beim Recruiting seiner künftigen Fachkräfte an diesen Tatsachen orientiert weiss, dass jetzt dringlicher Handlungsbedarf besteht.

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Die Schweizer Unternehmen müssen die Ausbildung ihrer Fachkräfte deutlich mehr wieder in die eigenen Hände nehmen. (Bild: Dragon Images / shutterstock.com)

Was tun!?

Betrachten Sie diese Zwischenüberschrift als Aufforderung und Frage zugleich. Es ist Zeit, etwas zu tun! Aber was? Die Antwort auf diese Frage erscheint einfach, die Umsetzung jedoch ungleich schwieriger. Die Schweizer Unternehmen müssen die Ausbildung ihrer Fachkräfte deutlich mehr wieder in die eigenen Hände nehmen. Dabei gilt es nicht nur, ausreichend neue Lehrstellen für den eigenen Nachwuchs im Betrieb zu schaffen. Vor allem müssen diese Ausbildungsplätze attraktiv sein. Attraktiv werden Lehrstellen beispielsweise dann, wenn für das Ende der Ausbildungszeit bei entsprechend guten Leistungen eine Übernahmegarantie angeboten wird. Das eröffnet den Unternehmen die Chance, junge Leute schon frühzeitig an das Unternehmen zu binden.



Dazu können weitsichtige Ausbildungsbetriebe schon jetzt Arbeitszeitmodelle entwickeln, die für junge Leute mit Familie oder speziellen Freizeitinteressen das Arbeiten in der Schweiz trotzdem attraktiv machen. Dazu bedarf es neben einigen Gedanken sicherlich auch einer guten Portion Mut. Der zahlt sich jedoch spätestens dann aus, wenn die Firmen nicht mehr auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen sind oder anderweitig abwerben müssen. Der Vorteil der Ausbildung im eigenen Betrieb liegt unter anderem auch darin, dass die jungen Arbeitnehmer dann bereits schon bestens mit den betrieblichen Abläufen und sogar mit ihren Kollegen bekannt sind. Auch das macht vieles für die Unternehmen und die jungen Arbeitnehmer einfacher.

Zweifel beiseite schieben

Viele potentielle Ausbildungsbetriebe zweifeln daran, dass sie geschaffene Ausbildungsplätze auch belegen können. Diese Zweifel sind durchaus berechtigt. Schaut man beispielsweise in einige deutsche Regionen, stellt man fest, dass mittlerweile nicht mehr die Schulabgänger händeringend nach Lehrstellen suchen, sondern sich Unternehmen regelrecht bei den ausbildungsreifen Jugendlichen bewerben. So haben grosse deutsche Unternehmen schon vor einigen Jahren so etwas wie eine Bewerbungsprämie für Auszubildende ausgeschrieben.

Unter Umständen müssen Auszubildende eben auch „eingekauft“ werden. Eine aktive Lehrstellenpolitik ermöglicht es im Übrigen auch den Kindern der ausländischen Arbeitnehmer eine adäquate berufliche Ausbildung zu erlangen, sofern die persönlichen Voraussetzungen passend sind. Auch die Zweifel, ob sich Kosten und Zeit einer innerbetrieblichen Ausbildung lohnen, lassen sich beseitigen. Nämlich dann, wenn ausbildende Unternehmen von der spezifischen Ausbildung ihrer eigenen jungen Arbeitskräfte profitieren können.



 

Oberstes Bild: © Pressmaster – shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus…die Berater.

Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.

Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt – die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.



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