Immer erreichbar: Allgegenwärtig im Stress

23.01.2014 |  Von  |  Allgemein, Organisation
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Immer erreichbar: Allgegenwärtig im Stress
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Ständige Erreichbarkeit ist in der heutigen Zeit ein Segen. Und ein Fluch gleichermassen. Denn wer sich nicht hin und wieder einmal komplett „ausklinkt“, hält den Stress womöglich irgendwann nicht mehr aus.

Mut zur Lücke? Das war einmal. Schon der Verzicht auf einen Anrufbeantworter war in scheinbar Lichtjahre entfernten Zeiten eine mutige Geste, die heute nicht mehr denkbar ist. Lücken bedeuten, etwas zu verpassen, an wichtigen Entscheidungen nicht beteiligt zu sein, womöglich in Ungnade des Chefs zu fallen. Also haben wir immer unser Handy oder Tablet dabei. Schliesslich müssen wir checken, ob etwas Wichtiges passiert ist. Aber müssen wir das wirklich?



Fremdbestimmt erreichbar

Zunächst einmal ist die Frage zu klären, wer überhaupt entscheidet, wie und wann man erreichbar sein muss. Der Arbeitnehmer ist da meist den Launen seines Chefs ausgeliefert. Wenn der seinen Angestellten in das Wochenende oder gar den Urlaub schickt, kann schon mal der dezente Hinweis kommen: „Aber Ihre Mails checken Sie regelmässig, ja?“

Rechtlich ist das im Grunde nicht haltbar, denn laut dem Arbeitszeitgesetz dürfen Arbeitnehmer höchstens zehn Stunden pro Tag arbeiten, auf die Woche verteilt maximal 48 Stunden und am Wochenende ist der Sonntag ohnehin tabu. Doch die Realität sieht anders aus. Kaum Arbeitnehmer pochen hier auf ihr Recht, zu instabil ist die Arbeitsmarktlage, häufig sind befristete Arbeitsverträge der Grund dafür, lieber doch den Mund zu halten. Und so sind viele Arbeitnehmer tatsächlich nahezu immer erreichbar. Mit all den Folgen, die das hat.

Selbstbestimmt erreichbar

Der Arbeitnehmer und selbst der Manager auf hohem Posten – beide sind letztlich immer auf Anordnungen „von oben“ angewiesen. Wenn man aber keinen Chef hat, weil man dieser selbst ist, müsste die Entscheidung darüber, wann man sich eine Auszeit nimmt und wann nicht, ja eigentlich leichter zu fällen sein. Doch das ist – natürlich – nicht der Fall.



Sein eigener Chef zu sein, mag gewisse Privilegien mit sich bringen. Es hat aber auch zur Konsequenz, dass das Abschalten schwerer fällt. Weil man sich immer verantwortlich fühlt, weil man befürchtet, dass man lukrative Prozesse nicht mitbekommt. Oder auch, weil man seinen Mitarbeitern nicht genügend Kompetenz zutraut, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. So gesehen ist auch der selbständige Unternehmer fremdbestimmt. Durch die Marktlage. Durch die Kunden. Durch die wirtschaftlichen Herausforderungen.

Erreichbar rund um die Uhr (Bild: ro18ger  / pixelio.de)

Erreichbar rund um die Uhr (Bild: ro18ger / pixelio.de)




Immer da, immer multitaskingfähig



Die Anforderungen an Angestellte und Führungskräfte werden immer grösser. Für Manager wird in den Arbeitsvertrag nicht selten der Passus „immer verfügbar“ eingebaut. Wie schon oben für Angestellte beschrieben, ist ein solcher Zusatz auch für leitende Führungskräfte nichts rechtens.

Aber wenn es der Karriere dient, wird eben in den sauren Apfel gebissen. Die Erwartung der ständigen Erreichbarkeit betrifft dabei nicht nur das Wo, sondern auch das Wann. Selbst am Schreibtisch wird erwartet, dass man mindestens zwei Dinge gleichzeitig erledigen kann.

Wenn während der Beantwortung einer E-Mail das Telefon klingelt, geht man eben ran und regelt das Schreiben und das Gespräch zeitgleich. Multitaskingfähig muss man sein in der heutigen Zeit. Doch all das hat Folgen. Folgen, die sich mittel- und langfristig negativ auswirken. Und zwar auf alle Beteiligten.

Gleichzeitigkeit wirkt … negativ

Der Arbeitspsychologe Thomas Rigotti hat sich mit dem gleichzeitigen Erledigen unterschiedlicher Aufgaben befasst und kommt zum Schluss, dass dies keineswegs zu mehr Effizienz führt. Wer beispielsweise ein Telefonat führt und daneben eine E-Mail liest oder schreibt, switcht innerhalb dieses Zeitfensters im Sekundentakt hin und her. Das führt nicht etwa dazu, etwas schneller zu schaffen bzw. mehr zur selben Zeit erledigen zu können. Das Gegenteil ist der Fall. Die nervliche Belastung ist höher, die Effizienz leidet darunter. Am Ende des Tages hat man meist weniger geschafft als man sich vorgenommen hatte. Im Sinne von Unternehmen kann das eigentlich nicht sein.

Anspannung, Entspannung, Entspannung

Friedrich Roman arbeitet als Partner bei Booz & Co. Roman ist viel unterwegs und tatsächlich (fast) ständig erreichbar. Er arbeitet vom Büro aus, im Taxi, am Flughafen oder beim Kunden. Das geht so an fünf Tagen die Woche. Über zu viel Arbeitsaufwand klagt er aber nicht, denn die Wochenenden gehören ihm alleine. Zwar gibt es keine offizielle Richtlinie für diese Praxis im Unternehmen. Dennoch hat man sich quasi als „ungeschriebenes Gesetz“ darauf geeinigt. Es funktioniert offenbar.

Einen Schritt weiter ist die Telekom gegangen. Per Richtlinie hat der Telekommunikationsgigant festgeschrieben, was geht und was nicht. Wenn Mitarbeiter in ihrer Freizeit eine Mail bekommen, die zum Beispiel auf dem Tablet angezeigt wird, sind sie ganz offiziell nicht dazu verpflichtet, diese zu lesen. Das hat Zeit bis zum nächsten Dienstbeginn. Einzige Ausnahme: Wenn „unmittelbares Handeln erforderlich“ ist. So soll die Wechselwirkung von Entspannung und Anspannung erreicht werden.

The next Generation

Die jüngere Generation geht mit dem Problem der ständigen Erreichbarkeit anders um als die ältere. Einer Umfrage zufolge fühlen sich 61 Prozent der Deutschen durch die Vielzahl an Informationen gestresst. Bei den unter 30-Jährigen sind es nicht einmal 30 Prozent. Weil die Menschen heute viel selbstverständlicher mit den diversen Formen der Kommunikationsmittel aufwachsen. Resistent gegen Stress sind sie aber dadurch nicht. Das sollte man als Chef nicht aus dem Blick verlieren.



 

Oberstes Bild: Immer da, immer multitaskingfähig (Bild: © alphaspirit – Fotolia.com)



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