Das Ende des „billigen Geldes“ rückt näher – jedoch nur in den USA

18.09.2017 |  Von  |  Finanzen, News
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Das Ende des „billigen Geldes“ rückt näher – jedoch nur in den USA
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Am Mittwoch wird die Fed wahrscheinlich bekanntgeben, dass sie ab Oktober beginnen wird, ihre Bilanzsumme zu reduzieren. Sie wird auslaufende US- Staatsanleihen und Mortgage Backed Securities in ihrem Portfolio nicht mehr vollständig ersetzen.

Es wird erwartet, dass sie den Betrag, der nicht mehr ersetzt wird, mit der Zeit auf 50 Mrd. Dollar pro Monat erhöht. Das sind 50 Mrd. Dollar Liquidität, die sie so dem US-Wirtschafts- und Finanzkreislauf entzieht. Liquidität, die in den Augen vieler Marktteilnehmer der Treibstoff für den aktuellen Höhenflug der Aktienmärkten ist.

Muss man nun den grossen Einbruch an den Börsen befürchten? Lange dachte ich auch, dass es für die Aktien kritisch wird, wenn die Zentralbanken beginnen, die zusätzliche Liquidität der QE-Programme wieder abzuschöpfen. Mittlerweile sehe ich das anders. Die Fed hat die Finanzmärkte sehr gut darauf vorbereit und klargemacht, dass der Abbau der Bilanz über eine sehr lange Zeit gestreckt wird. Eine Schreckreaktion der Märkte kann deshalb ausgeschlossen werden.

Trend zu höheren US-Zinsen

Der Abbau des Portfolios wird nicht dazu führen, dass die Zinsen in den USA sprunghaft nach oben schiessen. Es wird genügend Zeit vorhanden sein, für die Refinanzierung der Anleihen andere Käufer zu finden.

Das Fehlen der Fed als Nachfrager von Treasuries wird sich erst mit der Zeit bemerkbar machen und graduell zu höheren Zinsen führen. Diese Zinsbewegung wird jedoch Teil der generellen Veränderungen in der Zinsstruktur auf- grund der restriktiveren Geldpolitik der Fed sein und daher nicht auffallen.

Die Fed wird zudem noch längere Zeit die einzige grössere Zentralbank sein, die dem System Liquidität entzieht. Die EZB muss zuerst das laufende QE-Programm stoppen und die Zinswende einläuten. Ein Abbau ihrer Bilanz wird dann noch mehrere Jahre kein Thema sein. Sie wird noch vorsichtiger vorgehen als die Fed.

Im Gegensatz zu den US- Treasuries kann die EZB nicht davon ausgehen, dass sie für ihre Anleihen der schwächeren Euroländer wie Italien oder Portugal so einfach andere Käufer findet. Die Gefahr, dass die Schuldenfrage wieder zum Thema wird und die Risikoprämien dieser Anleihen deutlich steigen, ist zu gross.

Die Bank of England wird zuerst die Folgen des Brexit abwarten, bevor sie an ihrer Geldpolitik und der Refinanzierung ihres Gilt-Portfolios etwas ändert. Die Bank of Japan wird ihre expansive Geldpolitik noch ausdehnen und die SNB wird froh sein, wenn sie nicht weiter gegen einen starken Franken intervenieren muss und ihre Bilanzsumme nicht noch grösser wird.

Der Konjunkturzyklus ist nicht tot

Die Ausweitung der Bilanzsumme der Zentralbanken war nicht der direkte Treiber hinter den steigenden Aktienkursen. Sie hat aber geholfen, die Folgen der Finanzkrise zu überwinden und die Weltwirtschaft wieder auf eine solidere Basis zu stellen. Es ist nun an der Zeit, die Zinsen wieder auf normale Niveaus anzuheben, nicht nur in den USA sondern auch in Europa.

Ob die Bilanzen der Zentralbanken auch reduziert werden, ist weniger wichtig. Es werden denn auch höhere Zinsen sein, die ein Überhitzen der Wirtschaft verhindern und in ein paar Jahren die nächste Rezession auslösen. Die Aktienmärkte werden darauf wie gewohnt mit grösseren Kursverlusten reagieren und für den Anleger werden sich neue Chancen ergeben. Der klassische Konjunkturzyklus hat noch nicht ausgedient.

 

Quelle: GREGOR COMMUNICATIONS
Artikelbild: © Tanarch – shutterstock.com

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