Roland Berger: Ölpreis bleibt bis 2021 auf niedrigem Niveau stabil

29.11.2016 |  Von  |  News

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Aktuell berät die OPEC wieder einmal über mögliche Begrenzungen der Öl-Fördermengen, um den Ölpreis nach oben zu beeinflussen. Der hat sich zwar von seinem absoluten Tief zur Jahreswende 2015/16 etwas erholt, notiert aber immer noch deutlich unter dem langjährigen Schnitt.

Bereits das Jahr 2014 hatte dabei einen tiefen Einbruch markiert, als der Ölpreis auf circa 50 Dollar pro Barrel absank. Der Grund war damals der erstmalige Strategiewechsel der erdölexportierenden Länder (OPEC). Hinzu kam eine gestiegene Ölproduktion amerikanischer Unternehmen, die mithilfe neuer Fördermethoden, wie etwa Fracking, ihr Angebot zwischen 2009 und 2014 auf fünf Millionen Barrel pro Tag verdoppelten.

Studie „Lower for much longer – Adam Smith in the Permian“

Dennoch blieb trotz des gesunkenen Ölpreises und des Überangebotes das von Kritikern beschworene Ende der Schieferölförderung aus. Im Gegenteil: Durch die Modernisierung ihrer Anlagen und einer effizienteren Förderung verbesserten die Fracking-Unternehmen ihre Profitabilität sogar. Und die neue Methode führte zu einer Halbierung der Kosten pro Barrel von knapp 100 Dollar im Jahr 2009 auf gut 50 Dollar in 2016. Damit bleibt diese Art der Ölförderung auch in Zeiten niedriger Ölpreise weiterhin profitabel und damit attraktiv.

„Auch Schweizer Investitionsgüterhersteller haben ihren Teil dazu beigetragen und sich erfolgreich im angespannten Markt halten können“, sagt Sven Siepen, Managing Partner und Öl- und Gasexperte in Zürich. Die Experten von Roland Berger prognostizieren in ihrer aktuellen Studie zur Ölpreisentwicklung „Lower for much longer – Adam Smith in the Permian“, dass der Ölpreis in den kommenden fünf Jahren auf seinem jetzigen Niveau zwischen 45 – 55 Dollar pro Barrel verharren wird.

„In diesem dynamischen Umfeld mit hohem Kostendruck erwarten wir technische Weiterentwicklungen, die die Förderkosten nochmals senken und ein ausreichendes Ölangebot garantieren werden“, erklärt Frederic Choumert, Principal von Roland Berger. „Früher bestimmte ausschliesslich die OPEC den Preis. Innovative Förderkonzepte und technischer Fortschritt ermöglichen heute eine Entwicklung hin zu einem hochkompetitiven Markt.“

Einfluss der OPEC schwindet

Durch die Steuerung der eigenen Förderquoten bestimmte die OPEC den Weltmarktpreis über Jahrzehnte hinweg. Das System funktionierte bis 2014 nahezu perfekt: Verknappte die OPEC das Angebot, stiegen die Preise an; erhöhte sie es, fielen sie wieder. „Wenn die OPEC heute die Fördermengen senkt und der Ölpreis dadurch ansteigt, wird das fehlende Angebot durch die neuen Produzenten aus den USA ersetzt und der Preis bleibt stabil“, beschreibt Choumert die veränderte Situation. „Dadurch verliert die OPEC Marktanteile und den Mitgliedern entgehen wichtige Einnahmequellen.“

Dabei sind die Staatshaushalte der OPEC-Staaten auf die Öl-Einnahmen angewiesen. Während der Grossteil der OPEC-Staaten eine Reduzierung der Fördermengen beschlossen hat, gibt es Ausnahmen: Länder wie Nigeria oder Libyen sind aufgrund der angespannten politischen Situation von Senkungen ausgenommen. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait wollen ihre Produktion in den kommenden fünf Jahren weiter erhöhen. Hinzu kommt der Iran, der nach dem Ende der Sanktionen seine Produktion wieder hochfährt. Die Folge ist ein Machtverlust der OPEC im globalen Preiswettbewerb.

„Im Gegensatz zu vielen anderen Analysten erwarten wir daher keinen Anstieg des Ölpreises in den nächsten Jahren. Die technologische Weiterentwicklung der Förderung und eine schwächelnde OPEC werden den Preis auf dem jetzigen Niveau stabil halten“, stellt Choumert fest. „Unternehmen in der Ölindustrie sollten nicht auf einen steigenden Ölpreis spekulieren, sondern das niedrigere Niveau akzeptieren und ihre Geschäftsmodelle den neuen Marktgegebenheiten anpassen.“

 

Quelle: Roland Berger AG
Artikelbild: © Castleski – shutterstock.com

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