Basel IV – Banken drohen Kapitallücken von über 320 Mrd. CHF

28.11.2016 |  Von  |  Finanzen, News

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Unter dem Schlagwort „Basel IV“ laufen bereits seit einiger Zeit Bemühungen, auf internationaler Ebene die Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung der Banken weiter zu verschärfen. Damit will man einer erneuten Gefährdung der Institute, wie zuletzt in der Finanzkrise, vorbeugen.

Welche Auswirkungen die geplanten „Basel IV“-Vorgaben auf die Kapitalausstattung und die Normenerfüllung der Banken haben, damit befasst sich die aktuelle PwC-Studie „Fourth time around? European banks confront Basel IV“. Die WP- und Beratungsgesellschaft PwC hat dabei insgesamt 103 Banken untersucht.

Ertragskraft reicht nicht für nötigen Kapitalaufbau

Ende November 2016 sollen die „Basel IV“-Reformen in Bezug auf die Ermittlung risikogewichteter Aktiva (RWA) des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht weiter diskutiert werden. In der bisherigen Version führen die „Basel IV“-Vorschläge zu einem erheblichen Anstieg der Risikoaktiven für europäische Banken.

Der RWA-Anstieg unter den aktuellen „Basel IV“-Vorschlägen würde zu erheblichen Kapitallücken führen – obwohl europäische Banken derzeit deutlich mehr Kapital vorhalten als regulatorisch gesehen notwendig wäre. Ihre Ertragskraft reicht nicht aus, um bis zur zuletzt vorgesehenen Anwendung von „Basel IV“ – voraussichtlich ab 2019 – zusätzliches Kapital im erforderlichen Ausmass aufzubauen.

Eine Abschwächung der Vorschläge gilt daher zur Vermeidung negativer volkswirtschaftlicher Auswirkungen als wahrscheinlich. Bei einer nach aktuellem Diskussionsstand abgeschwächten „Basel IV“-Reform ist davon auszugehen, dass europäische Banken einen zusätzlichen Kapitalbedarf von über 320 Mrd. CHF haben werden. Damit wären sie im internationalen Vergleich besonders stark betroffen.

Geschäftsmodelle in Frage gestellt

„Europäische Banken weisen unter anderem in ihren Bilanzen aufgrund der extensiven Anwendung interner Risikomodelle bislang nur etwa die Hälfte des durchschnittlichen Risikogewichts ihrer amerikanischen Mitbewerber auf. Die Konsequenzen von ,Basel IV‘ werden in Europa deshalb besonders schmerzhaft sein. Zudem werden Grossbanken wegen ihrer breiten Anwendung interner Modelle stark betroffen sein“, kommentiert Daniel Diemers, Partner Financial Services bei PwC Strategy& Schweiz.

Die vergleichsweise schwache Profitabilität der europäischen Banken würde dadurch weiter unter Druck geraten. Die vorgesehenen Reformen werden zu erneuten empfindlichen Einbussen bei der Eigenkapitalrendite führen. Diese liegt aktuell bei den wenigsten Instituten oberhalb der Eigenkapitalkosten.

„Angesichts dieser Abwärtsspirale ist in der momentanen Situation auch die Kapitalbereitstellung durch Investoren wenig wahrscheinlich. Weitere Kostensenkungen sind notwendig, werden aber allein nicht ausreichen. Vor diesem Hintergrund ist die Erwirtschaftung der Kapitalkosten aus eigener Kraft für viele Banken realistisch gesehen nicht mehr möglich. Damit wird der Druck auf mehr Kostensenkungen im Middle- und Back-Office weiter steigen – sei es durch Auslagerung, Shared Utilities oder Automatisierung/Digitalisierung“, so Diemers.

Grundlegende Neuorientierung ist erforderlich

Als Reaktion müssten europäische Banken auch verstärkt Risikoaktiven abbauen, was sowohl für die Volkswirtschaft als auch für die Finanzstabilität negative Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Da die „Basel IV“-Reformen voraussichtlich ab 2019 in Kraft treten werden, besteht für die europäischen Banken grosser Handlungsdruck, die eigenen Geschäftsmodelle auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit unter den Bedingungen der Neuregulierungen und hinreichender Profitabilität zu prüfen.

Die Mehrheit der konventionellen Banken wird mit ihrem bilanzintensiven Geschäft in Zukunft nicht mehr nachhaltig wirtschaften können. „Mit Blick auf den kurzen Umsetzungszeitraum der Reformen und der Tragweite von ,Basel IV‘ muss das Thema an die Spitze der strategischen Agenda. Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Produkte war für Banken nie drängender als jetzt“, merkt Diemers weiter an.

 

Artikel von: PwC
Artikelbild: © Daniilantiq – shutterstock.com (Symbolbild)

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