US-Arbeitsmarktbericht – viel beachtet, nur begrenzt aussagefähig

04.10.2016 |  Von  |  Arbeitsmarkt, News

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Am kommenden Freitag ist es wieder so weit. Nachmittags werden die neusten Arbeitsmarkt-Daten aus den USA verkündet. Wenn die Nachrichten zum US-Arbeitsmarkt-Bericht um 14.30 Uhr bei uns eintrudeln, hält die Finanzwelt erfahrungsgemäss einen kurzen Augenblick den Atem an.

Erwartet werden für den September 170’000 neue Stellen. Die Prognosen der von Bloomberg befragten Ökonomen reicht von 130’000 bis 220’000. Wenn sich die tatsächlichen Zahlen ausserhalb dieser erwarteten Range bewegen, bricht an den Finanzmärkten kurz Hektik aus. Die Aktienkurse, Zinsen und auch die Wechselkurse reagieren umgehend, gelegentlich sogar heftig.

Sind es ein paar Tausend Stellen weniger als 170’000, dann fürchtet man um den Zustand der US-Wirtschaft und die Zinsen stürzen nach unten. Sind es ein paar Tausend Stellen mehr, sieht man die Fed die Leitzinsen erhöhen und die Renditen der Obligationen springen nach oben. Spätestens am Montag ist der Spuk vorbei und die Märkte folgen wieder anderen Nachrichten. Auf die begrenzte reale Aussagekraft der Arbeitsmarkt-Daten macht CIO Dr. Thomas Stucki von der St. Galler Kantonalbank aufmerksam. Er meint:

Eine Schätzung, keine Vollerhebung

„Geschätzt wird in diesem Bericht des staatlichen Bureau of Labor Statistics die Stellenveränderung ausserhalb der Landwirtschaft. Nicht eingeschlossen sind Personen, die von privaten Haushalten oder von Non Profit-Organisationen angestellt werden. Mit dem Bericht werden rund 85% des amerikanischen Arbeitsmarktes abgedeckt.

Obschon die Erfassung mittels Befragung bei grossen und kleinen Unternehmen breit abgestützt ist, bleibt es eine Schätzung aufgrund einer im Vergleich zur gesamten Beschäftigung von 150 Mio. Personen kleinen Gruppe von Arbeitsplätzen. Saisonale Faktoren oder der Einfluss kurzfristiger Ereignisse wie schlechtes Wetter verzerren die Zahlen immer wieder und können ihre Interpretation in die falsche Richtung drehen. Auf Monatsbasis ist die Aussagekraft deshalb gering.

Neue Stellen nur ein Teilausschnitt

Eine bessere Einsicht in den Zustand des amerikanischen Arbeitsmarktes gibt der geglättete Durchschnitt der Daten über drei, sechs oder zwölf Monate. Damit lässt sich etwas über den zugrundeliegenden Trend aussagen, welcher viel wichtiger ist als die nackte Zahl der neuen Stellen im September.

Die neuen Stellen sind zudem nur ein Puzzleteil im Gesamtbild des US-Arbeitsmarktes. Die Arbeitslosenraten werden in einer anderen Befragung bei privaten Haushalten ermittelt. Nicht selten zeigen im Arbeitsmarktbericht die Haushaltsdaten eine andere Richtung an als die Unternehmensbefragung. Dazu kommen noch private Erhebungen über das Stellenwachstum wie diejenige der Firma ADP Inc. oder andere Daten über offene Stellen oder freiwillige Stellenwechsel.

Gebannte Blicke – bis zum nächsten Mal

All diese Erhebungen weichen naturgemäss voneinander ab, da die Erhebungsgrundlage eine andere ist. Es ist somit nicht einfach, sich ein Bild von der effektiven Situation am Arbeitsmarkt zu machen. Das gilt sowohl für die Fed als auch für die Akteure an den Finanzmärkten.

Dennoch werden die Händler und Anleger am Freitag wieder gebannt auf den Bildschirm starren und die Zahl der im September neu geschaffenen Stellen als Leuchtturm für ihr Handeln betrachten. Zumindest bis sie sich am Abend in das Wochenende verabschieden.“

 

Artikel von: St. Galler Kantonalbank AG
Artikelbild: © Bablab – istockphoto.com

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