Wo ist die Inflation geblieben?

27.09.2016 |  Von  |  Finanzen, News

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1923: In Deutschland werden stapelweise Banknoten verbrannt, um sich in der Kälte etwas aufzuwärmen. Dieses Bild kennen wir aus den Geschichtsbüchern. In den 1970-er Jahren erreichte mit 12 % die Inflation ihren Höhepunkt in der Schweiz. Seitdem sank die Inflationsrate, seit 1992 unter 5 %.

In den letzten Jahren konnte in den Industrieländern und in einigen Schwellenländern die Inflationsgefahr dank der Bemühungen der Zentralbanken unter Kontrolle gehalten werden. Doch mittlerweile werden auch andere Stimmen laut.

Immer mehr ernstzunehmende Ökonomen plädieren für eine Anpassung des Inflationsziels nach oben, teilweise auf deutlich über 2 %. Die Inflation ist dabei, ihr Image zu ändern: von der Geissel zur willkommenen Erleichterung.

Die Bank of Japan versucht seit Jahren mit viel Geld die Inflationsrate auf 2 % anzuheben. Bisher erfolglos. Nun soll es ein Zinsziel von 0 % bei den 10-jährigen japanischen Staatsanleihen richten.

Die EZB befindet sich noch auf der Stufe der Geldschwemme. Ihr Erfolg ist bisher aber nicht grösser als in Japan. Die Kerninflation ohne den direkten Einfluss der gefallenen Energiepreise verharrt seit mehr als zwei Jahren zwischen 0,6 % und 1,0 % und macht keine Anstalten, sich in Richtung des Ziels von 2 % zu bewegen.

Die SNB sieht sich durch den Franken mit einer besonderen Herausforderung konfrontiert. Eine Aufwertung des Frankens würde einen in der Schweiz an sich schon tiefen Inflationsdruck in den deflationären Bereich unter null drücken.

In ihrer aktuellen Inflationsprognose geht die SNB davon aus, dass die Inflationsrate auch bei anhaltenden Negativzinsen erst 2019 wieder auf 1 % steigen wird.


Gehört die Inflation der Vergangenheit an? (Bild: © Jose Luis Gutierrez - istockphoto.com)

Gehört die Inflation der Vergangenheit an? (Bild: © Jose Luis Gutierrez – istockphoto.com)


Ist die Inflation tot?

Es gibt verschiedene Theorien, warum die Inflationsraten auf Dauer bei null bleiben sollten. Die abnehmende Produktivität in der Wirtschaft aufgrund der Alterung der Bevölkerung. Die steigende Sparquote aus dem gleichen demographischen Grund oder der immer stärker werdende globale Wettbewerb durch die allumfassende Digitalisierung.

Haben diese Theorien Recht, dann stehen die Zentralbanken auf der Suche nach 2 % Inflation auf verlorenem Posten, und wir müssen uns daran gewöhnen, dass Null- oder Negativzinsen unseren weiteren Lebensweg begleiten werden.

Es gibt Lebenszeichen!

Ob die Inflation wirklich tot ist, wird die Geschichte weisen. Ich glaube nicht daran. In den USA steigt der Inflationsdruck in den letzten Monaten an, nicht dramatisch, aber doch stetig.

Viel wird von der weiteren Lohnentwicklung abhängen. Sollte der Druck auf die Löhne aufgrund des enger werdenden Arbeitsmarktes ansteigen, könnten die heute sehr tiefen Inflationserwartungen der Finanzmärkte und der Konsumenten kippen. Dann müssten die Zentralbanken plötzlich wieder gegen das Gespenst der Inflation ankämpfen und die Zinsen deutlich erhöhen.

 

Artikel von: St. Galler Kantonalbank
Artikelbild: © rs-photo – shutterstock.com

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