Neues Förderprogramm für Raumfahrt-Start-ups

16.09.2016 |  Von  |  Bildung, Start-up

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Neues Förderprogramm für Raumfahrt-Start-ups
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Das Schweizer ESA Business Incubation Centre (ESA BIC) wird in diesem Herbst von der Europäischen Weltraumorganisation ESA gemeinsam mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI eröffnet.  

Das ESA BIC Switzerland erhält maximal 500’000 EUR finanzielle Förderung pro Start-up. Zusammen mit der technischen und betriebswirtschaftlichen Unterstützung ist es ein sehr attraktives Programm für schweizerische Jungunternehmen. Gefördert werden Innovationen für die Raumfahrt wie auch der Transfer in Anwendungen ausserhalb der Raumfahrt.

Nach einer intensiven Wettbewerbsphase hat die ESA in Zusammenarbeit mit dem SBFI aus drei valablen Angeboten ein Konsortium unter der Leitung der ETH Zürich für den Aufbau und Betrieb des ESA BIC Switzerland ausgewählt.

Mit dem siegreichen Vorschlag aus Zürich erreichen die ESA und das SBFI ihre gemeinsam formulierten Ziele an das ESA BIC Switzerland vollständig. Insbesondere präsentiert die ETH Zürich mit ihrem Konsortium eine Lösung, welche drei zentrale Kriterien an das Programm zur Förderung von Start-ups besonders gut erfüllt.

Erstens ist mit dem bereits seit 1989 aktiven Institut für Jungunternehmen IFJ und dessen „Venture Kick“-Programm ein erfahrener Partner für Start-up Scouting und Selektion ein integraler Teil des Konsortiums. Dies sichert eine qualitativ hochstehende Auswahl von Start-ups. Zweitens ist mit dem Impact Hub – mit über 80 Standorten weltweit und Ablegern in Zürich, Genf und in Bern – ein globales Netzwerk für die Ansiedlung und Vernetzung von Start-ups mit an Bord.

Damit wird der Anspruch an eine schweizweite Lösung mit internationaler Ausrichtung erfüllt. Drittens konnte das Konsortium namhafte Unternehmen aus der Raumfahrt- und anderen Industrien für eine Partnerschaft gewinnen. Zusammen mit Investoren und weiteren Finanzierungspartnern aus der Privatwirtschaft wird damit dem Anspruch an eine „Public-Private-Partnership“ Rechnung getragen, welche mit 60% über die Hälfte des Förderbeitrags an Start-ups im Programm als private Mittel bereitstellt.

Nächster Meilenstein für das Projekt ist die Eröffnung des ESA Business Incubation Centre am 10. November. Eine Jury, bestehend aus Vertretern der ESA, der ETH Zürich und weiteren beteiligten Partnern, wird im November dieses Jahres die ersten Start-ups für ESA BIC Switzerland auswählen. Diese werden sich am Eröffnungstag unter Beisein von ESA Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner präsentieren.

Attraktives und international gefragtes Programm

Eines der Hauptziele für das SBFI ist es, mit ESA BIC Switzerland ein anspruchsvolles, attraktives und international gefragtes Programm für die Förderung von Start-ups mit Raumfahrtbezug zu schaffen und gleichzeitig der unterstützenden Rolle als Staat gerecht zu werden. Das Programm ist vorerst auf fünf Jahre ausgelegt und fördert jährlich bis zu zehn Start-ups.

„Ähnliche Programme im internationalen Umfeld sind oft zu mehr als der Hälfte durch institutionelle öffentliche Gelder finanziert. Beim ESA BIC Switzerland ist dies anders“, erläutert Johann Richard, Projektleiter und Programmverantwortlicher für Technologie, Telekommunikation und Navigation der Abteilung Raumfahrt im SBFI.

„Das Konsortium hat es geschafft, nationale und internationale Partner aus der Privatwirtschaft für die Idee zu mobilisieren. Dadurch können wir den Anteil der ESA am Förderbeitrag an die Start-ups auf weniger als die Hälfte beschränken und den Rest durchgehend privat finanzieren. Trotzdem erhalten die Start-ups über die Zeit von zwei Jahren im Programm substanzielle finanzielle Unterstützung sowie betriebswirtschaftliches und technisches Wissen von Experten aus unterschiedlichen Industriebereichen.“

Auch die ESA beschreitet mit dem Schweizer Modell neue Wege, was die ESA Business Incubation Centre betrifft. Sie betont den kompetitiven Charakter der Ausschreibung und Auswahl eines Betreibers und verweist auf eine sehr hohe Qualität aller erhaltenen Eingaben.

„Die ESA hatte die Qual der Wahl aus drei hervorragenden Angeboten mit sehr unterschiedlichen Ansätzen“, sagt dazu Frank Salzgeber, Leiter des Technology Transfer Programme Office der ESA. „Überzeugt hat zuletzt das Konzept mit der besten Skalierbarkeit für die ganze Schweiz und einem passenden Finanzierungsmodell sowie einer engen Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Partnern für Scouting und Selektion sowie Inkubation und Begleitung.“

Innovative Impulse für raumfahrtgestützte Anwendungen

Integrierter Teil des ESA BIC Switzerland wird auch AP-Swiss sein, eine seit 2012 bestehende Plattform der ESA und des SBFI. Sie bezweckt über den Rahmen von Start-ups hinaus die Vernetzung von Unternehmen mit kommerziellen Angeboten im Bereich von Anwendungen mit Raumfahrt-Bezug. Von diesen Synergien sollen in Zukunft sowohl Start-ups wie auch etablierte Unternehmen einen Nutzen ziehen können aus dem Einbezug von Daten oder Infrastruktur im Bereich der raumfahrtgestützten Erdbeobachtung, Telekommunikation und Navigation.

Dazu sagt Norbert Hübner, Verantwortlicher für Machbarkeitsstudien der ESA in diesem Bereich: „Der integrierte Ansatz bringt sowohl die Vernetzung der Unternehmen wie auch die Prozesse und Werkzeuge zur Etablierung von raumfahrtbasierten Anwendungen und Diensten auf eine neue Ebene. Dadurch entsteht ein eigentliches Ökosystem, welches den entsprechenden ESA-Programmen und natürlich der Schweiz weit über die Raumfahrtindustrie hinaus frische Impulse geben kann.“

Die Schweiz und die ESA

Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat bisher mehr als 70 Satelliten entwickelt und führt zurzeit 18 Missionen durch, darunter Rosetta und MarsExpress. Unter Führung der ESA wurden auch das neue Europäische Satellitennavigationssystem Galileo, diverse Umweltüberwachungssatelliten sowie die Trägerraketen Ariane und Vega entwickelt.

Die Schweiz beteiligt sich jährlich mit rund 140 Millionen Euro an der ESA, deren Gesamtbudget für 2016 sich auf 5,3 Milliarden Euro beläuft. Dank dieser Beteiligung können Schweizer Forschungsinstitute und die Raumfahrtindustrie ihre ausgezeichneten wissenschaftlichen und technologischen Kompetenzen nutzen und weiter vertiefen und erhalten einen wettbewerbsfähigen Zugang zu internationalen Projekten und Märkten.

Seit 2012 präsidiert die Schweiz, gemeinsam mit Luxemburg, erfolgreich den ESA-Rat auf Ministerebene. Diese Co-Präsidentschaft dauert noch bis zur nächsten Ministerratstagung, welche im Dezember 2016 in Luzern stattfindet.

 

Artikel von: Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation
Artikelbild: © Stokkete – Shutterstock.com

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